Luzid: The Misleading Mirror (2016) Book Cover Luzid: The Misleading Mirror (2016)
Modern Gothic Rock
Plainsong Records
16.10.2015
www.luzid-berlin.de

Tracklist:

  1. The Collector
  2. A Demon For Company
  3. Shining
  4. Berlin Heart
  5. What If
  6. Ardour Of The Chase
  7. The Misleading Mirror
  8. End Of Speech
  9. Volunteer
  10. Here Comes The Sun

 

Chefredakteur Torsten fragte bei mir an, ob ich mir mal diese Band anhören wolle. Luzid? Die Band sagte mir nichts. Auf Youtube erst mal die Single `Berlin Heart` (tolles Video übrigens!) angehört. Klang nicht schlecht und mein Interesse war geweckt. Jup, hören wir mal in das Album „The Misleading Mirror“ rein.

Laut Presseinfo und Bandhomepage bezeichnen die fünf gebürtigen Berliner „ihre Mischung aus Classic Rock, Progressive- und Shoegaze-Elementen auch von Anfang an als URBAN ROCK.“ Klingt sehr interessant, kann ich aber nicht ganz unterstreichen. Aber wonach klingt denn nun die Musik von Luzid (der Bandname beutet „Klartraum“ = Ein Traum, in dem der Träumer weis, das er träumt)?

Stellt euch den theatralischen und melancholischen Sound von Alben wie „Dranconian Times“ (Paradise Lost) oder „Nighttime Birds“ (The Gathering) vor, dazu moderne (Gothic) Elemente von Bands wie Lacuna Coil und Delight, dann könnt ihr euch gut vorstellen was euch bei Luzid erwartet. Und ja, genau wie die dreiviertel der genannten Bandbeispiele, haben wir auch hier eine Sängerin (Jenny Pieper) mit an Bord, die unterstützt wird mit den Backing Vocals von Gitarristin Josefine Klausch.

Aber bleiben wir mal bei Fr. Pieper, denn diese Dame beeindruckt mich mit der Klangfacette ihrer Stimme. Drei ihrer Kolleginnen kommen mir beim Hören der CD immer wieder in den Sinn: Einmal Sandra Nasic (Guano Apes) wenn sie rockigere und gesprochene Parts anschlägt (z.B. bei `End Of Speech`), dann Anneke Van Giersbergen (Ex-The Gathering) wenn es ruhiger (`Here Comes The Sun`) und hin und wieder an Sharon Den Adel (Within Temptation) wenn es emotional bzw melancholisch wird (`Berlin Heart`). Finde ich toll!

Ihre Stimme gesellt sich gut zum Sound von den Gitarristinnen Josefine Klausch und Jens Lobinski. Speziell die markanten Melodien von Herrn Lobinksi sind es, die mich an die Genre Klassiker wie eben „Dranconian Times“ und „Nighttime Birds“ denken lassen. Er versteht auf jeden Fall sein Handwerk.

Also alles super? Nein, nicht ganz. Was mir an diesem Album noch fehlt sind die Hits. Songs, die dich mit ihrer Stimmung in den Bann ziehen und gefangen halten. Ich nehme als Beispiel den Song `Here Comes The Sun`: Ein guter Song, keine Frage. Aber mit noch mehr Tiefe und mehr Atmosphäre wäre er ein absolutes Highlight. Die Grundmelodie bietet die perfekte Grundlage dafür, dass es einem Herz und Seele berührt wird und dann vor Erhabenheit Tränen voller Mitgefühl in die Augen schießt, aber leider wird diese Idee nicht in diese Richtung ausgearbeitet und der Track entwickelt ein anderes Eigenleben. Als Referenz sei eine Band wie Tool oder die Griechen Universe217 genannt um zu verdeutlichen was ich damit ausdrücken will.

Oder man baut in den ein oder anderen Song noch so einen richtig mächtigen Refrain ein, der einem nicht mehr aus dem Kopf will. Das Potenzial ist aber auf jeden Fall vorhanden!

Fazit:
„The Misleading Mirror“ ist eine gute und solide Platte geworden und die fünf Berliner können sich damit sehen und hören lassen. Man sollte ihnen ein Ohr und somit Gehör verleihen. Anspieltipps sind der Opener `The Collector`, `A Demon For Company`, die Single `Berlin Heart`, `Ardour Of The Chase´ und `Here Comes The Sun`.