Emigrate: Emigrate (2007) Book Cover Emigrate: Emigrate (2007)
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31.08.2007

Tracklist:

  1. Emigrate
  2. Wake up
  3. My world
  4. Let me break
  5. In my tears
  6. Babe
  7. New York City
  8. Resolution
  9. Temptation
  10. This is what
  11. You can't get enough

Richard Kruspe und der Frontmann der Band Emigrate sehen sich nicht wirklich ähnlich, wie Mr. Emigrate selbst findet. Doch wir sind da anderer Meinung. Denn natürlich handelt es sich bei Emigrate um das Nebenprojekt von Rammstein Gitarrist Richard Kruspe. Ein Verwirrspielchen, wie es schon einige zuvor versucht haben. Doch vielleicht könnte man die Aussage auch mehr als Metapher sehen. Emigrate ist Emigrate und vollkommen unabhängig von Rammstein-Kruspe. Und so sollte man das gleichnamige Album von Emigrate auch betrachten.

So eröffnen gleich knackige Riffs den Opener „Emigrate“ – englischsprachige Texte im vielleicht gewollt harten Deutsch-Englisch werden dem Hörer entgegen geschmettert. Der bereits bekannte Promo-Song „Wake Up“ nimmt danach an halsbrecherischer Geschwindigkeit zu. Rockmusik mit Speed und ein wenig verzerrten, doch wenig melodiösen Vocals. „My World“ wartet mit ganz schön rammsteinigen Gitarren auf. Doch sobald der Gesang einsetzt ändert sich das Songbild in elektronischere Eindrücke.

Dann erscheint als Verschnaufpause ein fast minimalistisch anmutender Song mit ruhigen Strophen, in denen die Vocals im Vordergrund stehen. Der Refrain dreht dann wieder auf und rockt ab, wobei Kruspes Stimme stellenweise etwas höher gejagt wird. Und hier erkennt man seine Grenzen. Ein neuer Wundersänger ist sicherlich nicht an ihm verloren gegangen, doch in der folgenden Ballade „In My Tears“ passt der melodiöse Gesang und vermittelt trotz allem triste und melancholische Gefühle. Jaaa richtig gehört: gefühlvoll geht’s auch bei „Babe“ weiter. Und wäre das – meiner Meinung nach – stellenweise grausige Englisch nicht, wäre das ein grandioser Song.

Und dann kommt noch ein wenig Depeche Mode Stimmung nach „New York City“ der neuen Wahlheimat Kruspes. Als Unterstützung holte sich Kruspe neben Produzenten Jacob Hellner, der auch bei den Rammsteinwerken am Start war. Auch am Schlagzeug sitzt ein nicht ganz Unbekannter. Clawfinger gaben da mal schnell ihren Henka Johansson her und der drischt auch offensichtlich gut und gerne zu den Emigrate Songs auf den Drums herum. Dass Richard Kruspe sichtlich Freude an der gewonnenen Experimentierfreiheit hatte, erkennt man auch stark an dem vorletzten Stück „This Is What“. Sehr starke elektronische Untermalungen zu Beginn, bevor die rockigen Riffs wieder eintreten und eine extrem verzerrte Stimme... auf diesem Album geht einiges.

Insgesamt ein überraschend gutes Erstlingswerk von Kruspes Nebenprojekt. Natürlich tönen oftmals rammsteinartige Rhythmen durch, doch da wären Emigrate nicht die ersten, bei denen das der Fall ist. Mit einem kleinen Unterschied: Emigrate hätte einen triftigen Grund dazu… es wäre sozusagen fast schon legal.