Anathema: A Natural Disaster (2003) Book Cover Anathema: A Natural Disaster (2003)
Music For Nations
03.11.2003

Tracklist:

  1. Harmonium
  2. Balance
  3. Closer
  4. Are You There?
  5. Childhood Dream
  6. Pulled Under At 2000 Metres A Second
  7. A Natural Disaster
  8. Flying
  9. Electricity
  10. Violence

In meiner Kritik zu Viva Emptiness von Katatonia schrieb ich noch Katatonia haben mit Viva Emptiness mächtig vorgelegt - wo bleibt die Antwort von Anathema????. Hier ist sie nun in Form von A Natural Disaster. Auf den ersten Blick mögen die beiden Gruppen vielleicht nicht so viel gemeinsam haben, auf den zweiten aber schon. Beide haben als Doom / Death Metal Band angefangen bevor sie sich kontinuierlich weiterentwickelt haben und Einflüsse von unter anderen Pink Floyd aufgenommen haben. Katatonia gehen wieder etwas härtere Wege während Anathema anscheinend immer ruhiger werden.

Nun gut wie ist A Natural Disaster jetzt ausgefallen? Verglichen mit den driekten Vorgänger A Fine Day To Exit gibt es keine großartigen Veränderungen. Anathema wandeln weiterhin auf den Pfaden von Pink Floyd und haben dabei auch Elemente von Radiohead mitgenommen. Das Album klingt sehr ruhig und verträumt. Einzige Ausnahme bildet da Pulled Under 2000 Metres A Second wo nach längerer Zeit wieder ordentlich gerockt wird. Der Opener Harmonium kann in dieser Hinsicht vielleicht noch überraschen. Ein Song der auch auf A Fine Day To Exit gepasst hätte auch wenn etwas mehr von den Gitarren zu hören ist.

Mit Balance beginnt dann das träumen und das beherrschen Anathema einfach wie keine andere Band. Vincent's charismatischer Gesang lässt einmal mehr Gänsehautstimmung zu und macht aus Balance einen Klassiker im Stile der Judgement Phase! Der Song geht direkt in Closer über was erstmals für Verwirrung sorgt. Verzerrter Gesang ist hier zu hören, den man teilweise nur schwer identifizieren kann da man den text kaum versteht. Dennoch überrascht der Song beim näheren Hinhören auf positive Art und Weise. Mit seinen Beat und der leicht elektronischen Ausrichtung reiht er sich wunderbar in das Albumkonzept ein. Wieder geht es nahtlos weiter und mit Are You There? kommt nun eines der schönsten Lieder von Anathema überhaupt. So nahe wie in diesen Song war man Pink Floyd wahrscheinlich noch nie was aber keine Kritik sein soll. Are You There? verzaubert einfach von Anfang bis Ende. Am Anfang nur von einen Keyboard begleitet setzen die Gitarren auf minimalistische Art und Weise ein und regen zum träumen an. Erst beim näheren Hinhören fällt eigentlich auf dass nicht Vincent sondern sein Bruder Danny hier zum Mikro gegriffen hat. Die Stimmen der beiden ähneln sich doch, Vincents Gesang fällt vielleicht etwas höher aus. Alles in allem sind beide Canavagh Brüder zu großartigen Gesagsleistungen in der Lage.

Weiter gehts mit Childhood Dream einen intrumental das in den zuvor erwähnten Song Pulled Under 2000 Metres A Second übergeht. Der Titelsong A Natural Disaster klingt beinahe schon meditativ und wird nur von Frauengesang begleitet. Einmal mehr wurde hier Lee Douglas eingeladen einen Anathema Song zu singen. Die Schwester des Drummers hat schon auf den Judgement Album ein atemberaubendes Duett mit Danny aufgenommen - Ergebnis dieser Zusammenarbeit war damals Parisienne Moonlight. Auch diesmal verzaubert Lee den Hörer mit ihrer Stimme auch wenn der Song fast schon zu ruhig wirkt. Hier klingt Anathema eigentlich mehr wie der kleine Bruder der Band nämlich Antimatter (neue Band des ehemaligen Bassisten Duncan Patterson). Ein schöner Song zweifellos aber Anathema verlieren dadurch ein wenig ihre Identität indem sie Antimatter nachahmen - irgendwie kommt mir dies so vor.

Nun gut mit Flying und Electricity hebt man sich 2 weitere Gänsehautnummern für den Schluss auf. Diese beiden Songs sind am ehesten in die Alternative 4 Phase einzuordnen und sorgen für ähnliche Magie wie das damalige Album. Auf Electricity ist wieder Danny am Mikro zu hören was man aber wieder nur beim näheren Hinhören merkt. Gerade dieser Song hätte ebenso Alternative 4 veredeln können.

Abgerundet wird A Natural Disaster von den 10minütigen Instrumental Violence das einmal mehr den Hörer fesselt.

Fazit:
A Natural Disaster ist ohne Zweifel ein sehr starkes Album geworden, dennoch vermisse ich ein wenig die Magie die Alternative 4, Judgement und auch A Fine Day To Exit ausgemacht haben. Mit Balance, Are You there?, Flying, Electricity und auch Violence wird diese zwar angerissen aber leider nicht zur Vollendung geführt. Ich habe mir absichtlich sehr lange Zeit mit dieser Review gelassen da man die Alben von Anathema einfach öfters hören muss um deren eigentliche Klasse zu entdecken. Alternative 4 zündete bei mir zwar gleich beim ersten hören aber Judgement und A Fine Day To Exit musste ich irgendwie öfters hören bis ich merkte was für großartige Alben das sind. A Natural Disaster ist ein wirklich sehr guter Querschnitt aus diesen 3 Alben dennoch fehlt irgendwie etwas um es auf die gleiche Stufe mit diesen zu hieven. Vielleicht sollte wieder mehr die ganze Band in den Songwritingprozess einbezogen werden ist A Natural Disaster eigentlich ein Alleingang von Danny.

Wie auch immer das Album ist trotzdem den Großteil der Konkurrenz aus der Gothic Szene (auch wenn Anathema nur mehr am Rande damit zu tun haben) meilenweit vorraus da Anathema einfach künsterisch wertvoller sind. Seltsamerweise sind irgendwie die 2 Songs die Danny eingesungen hat (Are You There? und Electriity) die Highlights des Albums. Ich hoffe nur dies ist kein schlechtes Omen, da sich die 2 Canavagh Brüder anscheinend gerne in die Wolle kriegen - Danny wäre ja beinahe schon aus der Band ausgestiegen. Es wäre zu wünschen wenn der 3te Brude Jamie für Frieden zwischen den beiden sorgen würde denn Vincent und Danny machen Anathema einfach aus.

A Natural Disaster ist wie gesagt ein starkes Album aber diesmal haben im direkten Vergleich Katatonia mit Viva Emptiness die Nase vorne! Dennoch wird es langsam Zeit für eine gemeinsame Tour!!!!

Vorheriger ArtikelReptyle: A High And Lonely Place (2004)
Nächster ArtikelSinamore: A New Day (2006)
Torsten Volkmer
Volkmr, der Gründer des ehemaligen Goth-Zine.de, verdingt sich „selbst und ständig“ als Linsenputzer bei volkmr fotografie ihm seine Knipsklitsche, hat sich als Chefredakteur 2.0 selbst recycelt, die Metalfriese abgeschüttelt und kämpft mit be subjective! erfolgreich gegen hausgemachte Langeweile, Schubladendenken und seine Profilneurose an. Manchmal darf er auch die RedakteurInnen rumfahren oder Wassereis abstauben.