AFI: The Blood Album (2017) Book Cover AFI: The Blood Album (2017)
Post-Punk Rock
Concorde
20.01.2017
www.afireinside.net

Tracklist:

  1. Dark Snow
  2. Still a Stranger
  3. Aurelia
  4. Hidden Knives
  5. Get Hurt
  6. Above the Bridge
  7. So Beneath You
  8. Snow Cats
  9. Dumb Kids
  10. Pink Eyes
  11. Feed From The Floor
  12. White Offerings
  13. She Speaks the Language
  14. The Wind Carries me Away

 

Nachdem mit dem weißen Album der Beatles, dem schwarzen Album von Metallica, dem roten Album von Tocotronic und dem beigen Album von Olli Schulz alle guten Farben bereits einmal durchgenudelt wurden, schmeißen AFI nun vor Wut ein blutiges Album in die Plattenläden. Und Wut à la „I wanna get a mohawk but my mom won’t let me get one“ ist es, was die HörerInnen erwarten und erhoffen, schließlich sind AFI in den letzten Jahren handzahm geworden und haben ihre alteingesessenen Fans mit Totalausfällen wie dem 2009 erschienenen „Crash Love“ ziemlich vor den Kopf gestoßen.

Da ist es nun also: „The Blood Album“. Auf dem Cover prangen drei riesige Blutstropfen auf dunklem Grund und deuten an, dass es wieder ernst und düster zur Sache geht. Bereits der 2013er Vorgänger „Burials“ schien wie ein Schritt zurück in die richtige Richtung. Es ist nicht leicht, die Scheibe ganz ohne Ehrfurcht zu betrachten, aber wat mutt dat mutt, also ab auf den Plattenteller.

Vorweg lässt sich positiv erwähnen, dass mit 14 Liedern eine ganz ordentliche Anzahl an Titeln zusammengekommen ist, was man nach vier Jahren aber auch erwarten darf. Die ersten Klänge des Openers „Dark Snow“ lassen nur auf eine mittelgroße Katastrophe schließen, aber als nach einer der Zeit die Stadion - Oh Oh Ohs ausgepackt werden ist jegliche Hoffnung dahin. Schnell lässt sich erkennen, dass der Adressat dieser Platte wieder das Massenpublikum ist. Titel wie „Still a Stranger“, „Hidden Knives“ oder „So beneath you“ leben vom „50 Shades of Refrain- Prinzip“. Wenn AFI großzügig sind, spendieren sie den HörerInnen zwei Strophen, aber meistens gibt es nur Refrains, mal hoch, mal tief, mal lauf, mal leise, mal mit „Oh Oh Ohs“ und mal mit 30 Gesangsspuren übereinander.

Benutzerfreundliche Melodien ohne jegliche Widerhaken gehen durchs linke Ohr hinein und das rechte wieder raus, hängen bleibt nur das Ohrenschmalz von Vorgestern.

Bei „Aurelia“ erreicht die Textfaulheit der Truppe mit geschlagenen 8 Zeilen ihren Höhepunkt und trotzdem zählt eben dieser noch zu den drei Höhepunkten der Platte. Mit angenehm tiefer Stimme führt Havok durch einen sehnsüchtig düsteren Song, dem man fast schon die, dezent in den Hintergrund geschmuggelten, Oh Oh Ohs verzeiht. Als weiterer Höhepunkt lässt sich definitiv „Above the Bridge“ hervorheben. Dezente Synthesizer erinnern an die großen Wave-Klänge der 80er und lassen fast schon ein „Sing the Sorrow“-Feeling aufkommen. So auch bei „White Offerings“: Havok wagt es tatsächlich, zumindest Stellenweise, die Stimme zu erheben. Geschrien wie auf den frühen Werken wird natürlich nicht mehr, der Gute wird ja auch nicht jünger. Darauf folgt mit „She Speaks“ ein Song den wirklich niemand braucht. Die Platte endet schließlich endlich mit dem schwer beschwingten „The Wind Carries me away“.

Und das war es. Die HörerInnen werden zurückgelassen mit dem Gefühl von Nichts. Man kann allerdings nicht sagen, dass die Platte die Hörnerven von irgendjemandem beleidigen. Handwerklich ist sie solide zusammengeschustert. Hier und da kann das riesige Talent des Gitarristen Jade Puget durch die dicken Wände aus Refrains scheinen und steht noch immer für den einzigartigen AFI-Gitarrensound ein. Havoks Stimme ist gealtert, tiefer und längst nicht mehr so quakig, lässt sie echtes Gesangstalent erkennen, aber alles in allem ist „The Blood Album“ nur eines: belanglos, maximal geeignet zur Hintergrundbeschallung beim Bügeln, Staubwischen und Schlübber waschen. Oh. Oh. Oh.

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Thea Drexhage
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 100 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Satre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.