Punkmusik gibt es überall in Deutschland. Und das ist auch gut so. Ob Nord, Süd, West oder Ost, jeder Landstrich in Deutschland hat so seine Vertreter. Der Auftrag ist bei allen Bands gleich: Missstände klar benennen. Ob politisch oder sozial. Ganz egal. An diesem Abend in Hannover sind zwei Vertreter der Genres am Start. Beide in Bestform.
Ob Nord oder West, Punk at his best

Die erste Band kommt tatsächlich vonne Küste wech. Moin Moin. Die Drunken Swallows wurden bereits 2009 in Oldenburg/Holstein gegründet, klassisch vierköpfig mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Passt, klarer Punkrock mit Haltung. Der Bandname resultiert aus einem alten Proberaum, in dem Schwalben nisteten. So einfach ist das manchmal. Nicht so einfach sind ihre Themen, die sie musikalisch aufarbeiten: gegen Rassismus, Homophobie, Nazis und die AfD. Klare Kante. Ihr Vorzeigesong, also das Aushängeschild ihrer Haltung ist:“ Wo stehst du?“ Darin heißt es:
Fangt an nachzudenken, anstatt die Fahnen zu schwenken,
Wir wollen kein viertes Reich, für uns sind alle Menschen gleich.
Deutschland, du kannst uns mal, kein Mensch ist illegal,
Wir stellen uns nicht dazu, wir stehen dagegen, wo stehst Du?
Und wo stehen die 500 Fans im Capitol Hannover? Ganz klar auf der Seite der Band. Die Schwalben machen noch mehr als nur Musik. Sie sammeln Geld und spenden dies an Organisationen wie Kein Bock auf Nazis, Pro Asyl und Sea-Watch. Es kommt noch besser. Sie leisten Aufklärungsarbeit für Jugendliche über Rassismus und nehmen auch Geflüchtete auf. Großartige Band. Tolle Typen.

Etwas anders kommt der Hauptact aus dem Rheinland daher. Rheinländer? Da denkt mensch ja gleich mal an Karneval, an rheinische Frohnaturen und so. BRDigung kommt aus Kempen und Frohnaturen sind sie irgendwie auch, aber auch irgendwie anders als erwartet. Wenn man sich BRDigung nennt, dann steckt da schon eine gewisse Gesinnung dahinter. Provokation hat sich das Quartett auf die Fahnen geschrieben. Kampf gegen ‚political correctness‘ ist ihr Antrieb. Die Texte sind bissig, ironisch bis böse, sowie die frühen Ärzte und Hosen. Ihr Punk kommt mit Metal, Rock und Pop daher. Sie waren ob des Tourlebens erschöpft, sind aber jetzt nach einjähriger Pause mit neuer Schöpfung, also neuem Album auf Tour. „Gib nicht auf“ knüpft nahtlos an die Vorgängeralben „ZEITZÜNDER“, „ZEIG DICH“ oder „WIEDER HÄSSLICH“ an.

Stutz mir die Flügel wenn du kannst
Bevor die Sonne sie verbrennt
Wir sind die Schläfer die niemand erkennt
Und wir jagen unsre Schatten
Wie die Kinder die wir waren
Nenn mich Ikarus oder Peter Pan

Laut, wild und energiegeladen knallen sie los und der Moshpit übernimmt die Tanzfläche. Hart aber fair geht es hier zu. Die Lieder handeln von Jugenderlebnissen, Stichwort Sex und Alkohol, in „Sommerlied“, von Ruhrpott-Poeten wie „Egon Kowalski“, sind auch mal sehr böse wie bei „Rentners Paradise“. Aber das sollte man alles nicht so ernst nehmen, ist halt ironisch bissig und ballert los wie Bolle. „Stampfen“ muss man nicht erklären. „Pures Gift für mich“ ist ein Song über eine toxische Beziehung. „Mein Lied im Radio“ ist die dringende Aufforderung an den DJ, doch unbedingt das Lied zuspielen. „Ikarus oder Peter Pan“ ist eine schöne Mitgrölnummer mit Hymnenstatus, wie so viele andere Songs auch, die das Publikum lauthals mitsingt. „Kein Kompromiss“ als letzter Song fasst nochmal alles zusammen. Das hier war keine Trauerfeier, das war BRDigung.
Galerien (by Michael Lange bs! 2025):

Setlist unvollständig und in falscher Reihenfolge:
- Sommerlied
- Letzte Party
- Duschen unter Wolken
- Rentners Paradise
- Tune in MF
- Tanzen im Regen
- Tanz dickes Kind
- Hipster Hipster
- Ob du behindert bist
- Gib nicht auf
- Ikarus oder Peter Pan
- Egon Kowalski
- Pures Gift für mich
- Kein Kompromiss


