Auch in diesem Jahr pflegen wir wieder eine Spotify-Playlist mit den Lieblingssongs der Redaktion. Jeden Monat wird dabei ein Song ausgewählt, über den ihr hier etwas mehr erfahren könnt.
Unser Song Of The Month im November ist Silent Anchor von Annisokay, ausgewählt von Kristin Hofmann. Diese sagt dazu:
Manchmal ist ein Song kein Song. Er ist ein Spiegel. Oder ein Schlag in die Magengrube. Oder dieses unangenehm präzise „Oh. Fuck. Das bin ich.“ Silent Anchor ist genau das. Kein großes Drama, kein lautes Zerbrechen – sondern das viel Gemeinere: das langsame Untergehen. Passiv. Leise. Unaufhaltsam. „You’re killing me slowly By simply standing there“ Und ganz ehrlich? Diese Zeile tut weh, weil sie so verdammt wahr ist. Nicht jede Verletzung schreit. Manche schweigen dich kaputt. Der Song erzählt von emotionaler Gleichgültigkeit als Gewaltform. Von Beziehungen (egal welcher Art), in denen niemand aktiv zuschlägt – aber auch niemand rettet. Ein Käfig ohne Gitter. Ein Anker, der nicht hält, sondern dich nach unten zieht. Diese Bilder von Ertrinken, von Farben, die verschwinden, von Rost, der Vertrauen zerfrisst – das ist kein poetisches Beiwerk. Das ist ein Zustand. Dieses Gefühl, alles zu geben, zu kämpfen, zu hoffen … und auf der anderen Seite nur Leere zu treffen. Keine Reaktion. Kein Widerstand. Kein Mitgefühl. Und genau darin liegt die Brutalität dieses Songs: Nicht im Geschrei. Sondern im Wegsehen. „By doing nothing You’ve let me go“ Uff. Musikalisch macht Annisokay hier alles richtig: Druck, Dynamik, kontrollierte Wut, diese Mischung aus Verzweiflung und letzter Gegenwehr. Aber der eigentliche Treffer sitzt im Text. Weil er nichts beschönigt. Weil er sagt, wie es ist: Man kann jemanden auch zerstören, indem man einfach… nichts tut. Silent Anchor ist kein Song für nebenbei. Er fordert Aufmerksamkeit. Und vielleicht auch Ehrlichkeit – sich selbst gegenüber. Song of the Month. Nicht, weil er schön ist. Sondern weil er weh tut. Und manchmal ist genau das nötig.
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Annisokay


