Preview: Fjørt auf „nichts hat mehr bestand“-Tour (2023)

Es hatte einen Hauch von Endgültigkeit: Im April diesen Jahres kündigten Fjørt an, Ende August in Köln und Hamburg an je einem Tag in vier verschiedenen Clubs zwischen 12:00 Uhr mittags und 21:00 Uhr abends unter dem Motto „Ein Tag. Alle Platten.“ ihre komplette Diskographie live auf die Bühnen zu bringen. Der Verkauf von fast dreieinhalbtausend Tickets in kürzester Zeit war ein klares Indiz für den Hunger nach der Band, doch schwang bei vielen Fans die Ungewissheit mit: Sollte es
das gewesen sein? Gab es überhaupt noch ein „Weiter“ für das Trio aus Aachen? Wohnen wir hier dem Begräbnis einer der wegweisenden deutschsprachigen Gitarrenbands der letzten zehn Jahre bei?

Bis nach dem letzten Ton musste sich geduldet werden, bis es Gewissheit geben sollte. Nach „Karat“ – dem finalen Stück vom 2017er-Album „Couleur“ – fiel der schwarze Vorhang in Köln und Hamburg. Es folgte: Stille. Wenige Momente später blitzt in projizierten Buchstaben „nichts hat mehr bestand“ auf, ein Rauschen schwillt an und Fjørt entfesseln ein niederwalzendes Riff, das unverkennbar nach ihnen klingt. Die Fragezeichen in den Köpfen des Publikums verfliegen: Es handelt sich um bisher
ungehörtes Material.

FJØRT (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Mit mehr als zehn Minuten neuer Musik, den Songs „Lod“, „Bonheur“ und abschließend „Fernost“, präsentiert die Band die ersten Töne aus ihrem nächsten Album. Spätestens beim letzten Song wird klar: Diese Band spielt in einer eigenen Liga und hat soeben mit aller Wucht ein neues Kapitel aufgeschlagen. „nichts“, das vierte offizielle Album von Fjørt erschien am 11.11.2022 über Grand Hotel van Cleef.

„nichts“ ist ein fast 50-minütiges Erlebnis. Das Album gewinnt dem dichten Sound der Band, der fließend zwischen allen Spielarten von Hardcore und Postrock wandelt, zahlreiche neue Facetten ab. Die Täler sind tiefer denn je, in den Höhen ist kaum Luft zu atmen. Die Atmosphäre fühlt sich nahezu greifbar an. Lyrisch gaben sich Fjørt seit jeher kryptisch und bleiben dieser Linie treu, werden auf „nichts“ jedoch auch konkret wie selten zuvor.

Im Januar / Februar 2023 gehen Fjørt auf Tour und nennen diese treffend „nichts hat
mehr bestand“.

Die Dates:

  • 18.01.2023 Rostock, Peter Weiss Haus
  • 19.01.2023 Leipzig, Werk 2 (Halle D)
  • 20.01.2023 Münster, Sputnik Halle
  • 21.01.2023 Bremen Schlachthof
  • 26.01.2023 Essen, Zeche Carl
  • 27.01.2023 Hannover, Musikzentrum
  • 28.01.2023 Stuttgart, Wizemann Halle
  • 29.01.2023 München, Ampere
  • 30.01.2023 Wien, Arena
  • 31.01.2023 Erlangen, E-Werk
  • 01.02.2023 Dresden, Beatpol
  • 02.02.2023 Berlin, Metropol
  • 03.02.2023 Hamburg, Fabrik
  • 04.02.2023 Wiesbaden, Schlachthof
  • 05.02.2023 Köln, Gloria
Fjort (Foto: Rune Fleiter bs! 2019)

Links:
FJØRT

Veranstalter:
Karsten Jahnke Konzertdirektion
Hafensänger Konzerte

Thea Drexhage
Thea Drexhagehttps://www.be-subjective.de
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 10 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Sartre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.

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