Review: No bitter End – Tarja live (10.10.2016, Berlin)

Tarja (Foto: Lena Behlmer bs!)

Ihre Stimme ist einzigartig und prägte eine großartige Ära der Band “Nightwish”. Unvergessene Werke, die in die Musikgeschichte eingingen und eine ganze Generation von Symphonic Metaler prägte, bevor dieses Sub- Genre überhaupt existierte. Nach der Trennung von der Band bestritt die Finnin ihre Solo-Pfade. Bisher konnte sie den gewohnten Erfolg jedoch nicht weiter steigern. Mit neuem Album und neuer Show sollte nun alles anders werden.

Während das Intro die Vorfreude auf eine begnadete Sängerin bis ins Unermessliche steigerte, gab es doch auch einige Bedenken innerhalb der Publikums. Diese wurden dann jedoch mit „No bitter end“ sofort zerstreut. Selten sah man Tarja derart ausgelassen und spielfreudig auf der Bühne. Ein großartiger Auftakt nach Maß, an den „500 letters“ jedoch nicht wirklich anknüpfen konnte. Ein eher ruhiger Song, der es nicht schaffte die Magie von der Bühne ins Auditorium überschwappen zu lassen.

Tarja (Foto: Lena Behlmer bs!)
Tarja (Foto: Lena Behlmer bs!)

Die Single „Demons in you“ hingegen schaffte diesen Spagat, obwohl Duett-Partnerin Alissa nicht live dabei war. Es folgte ein Block bekannter Tarja-Songs, die allerdings eher zweifelnd vom Publikum angenommen wurde. Weder „The living end“ noch „Calling the Wild“ vermochten es die Fans mitzureißen. Ein völlig anderes Bild bot sich direkt im Anschluss dem geneigten KonzertbesucherIn beim „Nightwish“- Mix. Eine Songfolge, die aus „Ever Dream“ und „The riddler“ bestand, lockte die Fans endlich aus der Reserve und zündete das opernhafte Spektakel, das man sich viel öfter von Tarja wünscht. Als dann die ersten Klänge von „Slaying the dreamer“ erklangen, gab es kein Halten mehr. Verdienterweise wurde die Band exzessiv abgefeiert.

Tarja (Foto: Lena Behlmer bs!)
Tarja (Foto: Lena Behlmer bs!)

Der weitere Abend gestaltete sich dann doch sehr unerwartet. Wer nun dachte, die Zeit der härteren Stücke sei gekommen, wurde mit einem Akustik-Set überrascht. Eine wirklich coole Idee, die sich aber innerhalb der Setliste irgendwie falsch anfühlte. Wenn auch die Songs „The Reign“ oder „I walk alone“ sicher gute Werke sind, herrschte eine merkwürdige Atmosphäre in der Konzerthalle.  Leider schaffte es auch nicht „Too Many“ das Ruder noch umzureißen. Nach einer kurzen Pause begann das obligatorische Zugabenset. Hier zeigte Tarja einmal mehr ihre Stimmgewalt mit „Die alive“, ehe „Until my last breath“ das Konzert druckvoll beendete.

Entweder lag es am Berliner Publikum oder an der sehr umständlich aufgestellten Setlist. Die richtig gute Stimmung wollte bei diesem Konzert nicht wirklich überspringen, obwohl sich Tarja in Bestform befand und mit viel Spielfreude den Abend gestaltete. Bis auf den „Nightwish“-Block erhielten die Songs eher wenig Zuschauerbeteiligung. Tarja ist und bleibt eine grandiose Sängerin, die man live nicht verpassen sollte.

Links:
www.tarjaturunen.com

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Fabian Bernhardt
Um unglaublich international zu wirken, hat die Redaktion einen Headhunter auf DEN Berliner angesetzt. DAS Phantom, wie es aus Szenekreisen heißt, hat viele Tarnidentitäten. Gesichert ist, dass der Dämon – ein gerade mal 76 Zoll großer metalbesessener Gothik-Zwerg – im Nebenerwerb als Schauma-Shampoo-Model jobbt und einen mittel bis stark ausgeprägten Festivalfetisch pflegt, sich während der Wintermonate mit Kneipensport Ersatzbefriedigung verschafft und eine ruhige Kugel in seinem Prinzessin-Lilliefee-Darkroom schiebt. Ob es das Spandauer Edelexemplar wirklich gibt oder auch Bernhardt nur ein Pseudonym ist, konnte bisher nicht geklärt werden.