Review: Unterwegs auf dem Nor-Way – Spidergawd und Håndgemeng live (24.04.2026, Hannover)

Auf Wegen ist mensch ja ständig unterwegs. Von hier nach nach dort, mal vorwärts, mal rückwärts, mal einfach geradeaus und auch mal mit Umwegen. Lieder dazu gibt es natürlich auch: „Way to Amarillo“, „The Way to your Heart“ oder der Klassiker „My Way“. Und wie alle wissen ist der Weg manchmal steinig und schwer. Auch heute Abend ist das nicht anders. Es gibt Stoner-Rock (also steinig) und Heavy (also schwer)Rock. Den Weg ins Musikzentrum haben zwei Bands aus Norwegen gefunden. Wir sind…

Unterwegs auf dem Nor-Way

Handgemeng (Foto: Michael Lange bs! 2026)

Die Vorankündigung der ersten Band lässt gleich Gruseliges erwarten: Aus den dunkelsten Ecken Oslos kehrt Håndgemeng mit ihrem neuen Album Satanic Panic Attack zurück. Die Band erklärt: „This record is even more ambitious than its predecessor ‚Ultraritual‘. No longer constrained by genre or expectations, it presents a more self-defined sound and narrative, as we’ve returned to our earliest influences for inspiration.“ Satanic Panic Attack ist ein Konzeptalbum, das die Angst und Massenhysterie der 1980er Jahre untersucht, oft als The Satanic Panic bezeichnet – ein Phänomen, das von der Angst vor Heavy Metal Musik, Teufelsanbetung und Anschuldigungen über subliminale Botschaften geprägt war, die als Bedrohung für die Gesellschaft wahrgenommen wurden. Soweit die Erläuterungen, so gruselig die Erwartungen. Geschminkt soll die Band auch sein. Uuuuuh.

Handgemeng (Foto: Michael Lange bs! 2026)

Man ist gespannt und wird dann doch irgendwie enttäuscht, aber nur was das Äußere angeht. Keine Schminke, dafür fünf wohlgenährte, dem Bier wohl nicht abgeneigte Kerle. Ganz normale Norweger halt. Aber auf Äußerlichkeiten soll mensch sowieso nix geben, was zählt ist das, was über die Bühne geht. Und das ist hörenswert. Classic RocK und Stoner Doom bringen Schwung in die 300 Fans im Musikzentrum. Riff um Riff kriegen die Osloer das Publikum in den Griff. „Horse Named Death”, “Apocalypse Rock” und Titelsong “Satanic Panic Attack” sind kraftvoll und irgendwie ist es dann auch schade, das sie nach kurzer Zeit den Weg schon wieder frei geben müssen.

Come take my hand, I’ll understand
I’ve been there so many times before
So hard to stand and hard to pretend
And open up to anything beautiful

Spidergawd (Foto: Michael Lange bs! 2026)

Auf diesen Weg biegen jetzt Spidergawd ein. Was das wohl übersetzt heißt? Gawd klingt wie… genau das heißt es auch. SpinnenGott?! Spidergawd sind klassischer Heavy Rock mit viel Melodie, aber auch Rumms. Bisher haben die Trondheimer ihre Alben ja schön römisch durchnummeriert : I bis VII. Aber jetzt sind sie geradezu innovativ geworden. Das achte Album heißt „From Eight To Infinity“. Humor haben sie ja die Norweger. Eine auf dem Bauch liegende Acht ist das Symbol für Unendlichkeit (Infinity), also von Acht zu Acht. Auf so was sollte man Acht geben. Soviel zur grauen Theorie. Bunt ist das, was dann kommt und irgendwie vertraut, aber irgendwie auch immer neu und einfach großartig und satt im unverkennbaren Spidergawd-Sound. Dreifacher Gesang, doppelt Gitarre. Dafür sind die Herren Peter Borten (Gesang, Gitarre), Brynjar Takle Ohr (Gesang, Gitarre) und Hallvard Gaardløs (Bass, Gesang) zuständig. Etwas exotsch wirkt Bariton-Saxophonist Rolf Martin Snustad. Man sieht ihn selten, aber hört ihn umso mehr: Drummer Kenneth Kapstad ist wahrscheinlich die „Spinne“ Eigentlich hat er ja nur zwei Arme, ballert aber verschanzt hinter seiner Wagenburg aus Trommeln, als wäre er achtarmig.

Spidergawd (Foto: Michael Lange bs! 2026)

Und was ballern sie so als Kombo? Es geht Richtung Thin Lizzy und Motörhead und auf dem neuen Album gibt es auch Referenzen für AC/DC und Cheap Trick auf der einen Seite und Metallica und Black Sabbath auf der anderen. Vom Feinsten halt und warum nicht gleich mal was Neues raus feuern. „The Grand Slam“ und „Revolution“ legen die Latte gleich mal richtig hoch. Dann ein Sprung zu Album IV und „Is This Love?“ und dann ein Hupfer zu „Narcissus‘ Eye” vom VI. Was fällt auf? Es gibt keinen negativen Ausreißer, egal wo die Norweger hin springen. Das ist allerfeinster NWOHBM. Also quasi Sex, auch wenn das Sax im Klanggewitter etwas untergeht. Ist eigentlich schade, aber es ist durchweg da. Und tut der Spielfreude keinen Abbruch. Und der Stimmung sowieso nicht. Schön, das die Spidergawdies da waren und die Fans sie auf Ihrem Weg ein Stück begleiten konnten. Mal schauen, was als nächstes kommt. Betimmt etwas mit der Zahl Neun. Mal schauen, wo der Nor-Way hinführt.

Galerien (by Michael Lange bs! 2026):


Setlist Håndgemeng:

  1. Horse Named Death
  2. The Astronomer
  3. Apocalypse Rock
  4. Down Below
  5. Satanic Panic Attack
  6. Medieval Knievel

Setlist Spidergawd:

  1. Intro Strawinsky Der Feuervogel
  2. The Grand Slam
  3. Revolution
  4. Is This Love..?
  5. Narcissus‘ Eye
  6. Heaven Comes Tomorrow
  7. 200 Miles high
  8. The Hunter
  9. Stranglehold
  10. Ritual Supernatural
  11. Winter Song
  12. The Ghost of Eirik Raude
  13. Yours Truly
  14. The Tower
  15. Your Heritage
  16. All and Everything
  17. Outro We’ll Meet Again (Vera Lynn song)

Links:
www.spidergawd.no
www.handgemeng.com

Michael Lange
Michael Langehttps://www.be-subjective.de
Michael Lange. MichaL ist der Methusalix in unserem Team. Ein Original, ein Sympath, ein Genießer von A wie Abba bis Z wie Zabba und im realen Leben ein Stepptänzer. »Jawohl, das mit dem KlackerdiKlack.« MichaL hat schon Rock’n’Roll gehört, da waren die Little Boy Blue and the Blue Boys noch grün hinter den Ohren. Man munkelt er konnte schon einparken, da gab es noch nicht mal Rückspiegel, geschweige denn Einparkhilfen. Dennoch ist die MichaL noch lange kein Oldy oder darauf fokussiert. The big L war plötzlich da. Zeitlos. Unerwartet und doch völlig freiwillig tauchte er in unserem Universum auf und bereichert es. KlackerdiKlack.

Weitere Artikel

Ähnliche Beiträge

Preview: Die können alles – Foreigner live [2026]

Eingängig, melodiös und auch melancholisch. Es gibt Bands, die...

Review: Karlsson am Bass – The Gems live im Lux (24.03.2026, Hannover)

Karlssson, Karlsson, Achtung hier kommt Karlsson. Wer kennt ihn...

Preview: Wo waren die jetzt stehen geblieben? Spidergawd live [2026]

Spidergawd sind klassischer Heavy Rock mit gigantischem Melodieverständnis, das...

Review: Live is Life – Fortuna Ehrenfeld im Pavillon (09.03.2026, Hannover)

Geil, Fortuna Ehrenfeld haben eine neue Scheibe veröffentlicht. Wie...