Review: Mando Diao, Razorlight, Johnossi (21.11.2006, Hannover)

Foto: Torsten Volkmer

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Mando Diao, die Buben aus Börlänge, einem kleinen Kaff in Schweden, das erst mit dem Durchbruch dieser Band kein weißer Fleck auf der Karte mehr darstellt. Mit ihrem Böse-Rockstars-Image mit dem sie in der Vergangenheit oft von sich Reden machten, haben sie aufgeräumt – angeblich. Das neue Album brachte einen kleinen Wandel. Fast ein jeder zweifelte daran, dass das Quintett noch einen draufsetzen könnte mit „Ode to Ochrasy“. Die Erwartungshaltung war selten so hoch, doch die Jungs wurden allen Ansprüchen gerecht und das scheinbar mühelos.

Ob sie live ebenso überraschen könnten, durften Mando Diao auf ihrer Ode to Ochrasy Tour beweisen. Das Konzert in Hannover war schon Wochen zuvor in eine größere Halle verlegt worden aufgrund des hohen Andrangs. Das gesamte Umland schien anwesend zu sein, denn die Halle war voll. Voller als Hannover alleine es geschafft hätte.

Bei dem ersten Supportact Johnossi spürte man noch ein wenig der Ungemütlichkeit der großen Halle. Doch die Band, die lediglich aus einem Drummer und einem Sänger an der Gitarre bestand, verstand es unwohlige Gefühle alsbald zu verbannen. Unter dem Motto „Weniger ist mehr“ spielten John Engelberg und Ossi Bonde schöne Melodien eben nur mit Drums und Gitarre.

Foto: Torsten Volkmer

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Nach einem halben Stündchen ging der erste Supportact zum zweiten über. Und dabei handelte es sich um niemand geringeres als Razorlight aus England. Hier fand nun verkehrte Welt statt. Supportact = Hauptact? Denn nicht gerade wenige Anwesende im Publikum hatten sich speziell wegen Razorlight die Eintrittskarte besorgt. Auf eine gelungene 45-minütige Show, bespickt mit allem was das neue Album zu bieten hatte, durften sich die Fans freuen. Viele hätten mit Sicherheit gerne mehr gehört, denn die Jungs rockten gut, doch sie waren immer noch die Vorband und somit blieben die Zugaberufe nach dem letzten Song unerfüllt.

Dann hieß es wieder warten und die letzte Umbauphase dauerte gefühlte Stunden. Auch wenn schön die Beatles im Hintergrund schallten, war es doch ein wenig nervenaufreibend. Ganz mysteriös wurde hinter einem weißen halbtransparenten Vorhang auf der Bühne gewerkelt. Nach jedem Song flammte der Gedanke auf „Ah jetzt ist es soweit“ um dann sofort in ein enttäuschtes „Ach nein, doch nicht“ zu enden.

Doch nach den letzten Tönen von „A Day In The Life“ vom Band konnte man tatsächlich die Schemen der Bandmitglieder von Mando Diao ausmachen. Nun begann der Beifallssturm und das Kreischen. Das hielt nicht lange an denn es ging gleich in den ersten Akkorden zu „Welcome Home, Luc Robitaille“ unter. Der Vorhang war so manchem Betrachter ein wenig schleierhaft, doch sollte er sowieso nicht lange hängen. Zum Trost fiel er bei dem zweiten Song „If I Leave You“ und gab den Blick auf die hübschen Herren aus Schweden frei.

Foto: Torsten Volkmer

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Und nicht nur der Vorhang sondern auch Gustaf´s Hut fiel schnell, denn still stehen kam weder on stage noch im Publikum in Frage. Jaja der Gustaf… der muss sich ja nur mal den obersten Hemdknopf öffnen und schon geraten die Mädels in Ekstase. Aber mal vom Äußeren abgesehen, der Gig war super. Ein wenig irritierend lediglich die Leinwand im Hintergrund der Bühne. Der Glitzerschauer, den die Dioden erstellten war noch hübsch, das Albumcover war logisch. Aber das wirre Zeug zu „Amsterdam“…? Ja okay sie wollten die Amsterdam Stimmung wiedergeben, aber das geht nun mal leider nicht ohne einen vorangegangenen Besuch im Coffeeshop. Da können noch so viele kunterbunte Irgendetwasse im Hintergrund rumwabern, es kommt einfach nicht beim Hörer an.

Als könnte der Meister am Schalthebel Gedanken lesen wurde just die Projektion umgestellt. Dem Publikum war das einerlei, die Dioden hätten alles Mögliche visualisieren können. Die Zuhörer waren – wie es sich an einem Konzert auch gehört – vollkommen auf die Musik fixiert. Die Halle bebte und die Qualität des Konzertes war unwiderruflich einwandfrei. Es gab genug zu hören und zu gucken.

Sogar über ganze zwei Zugaben konnte sich die Zuhörerschaft erfreuen. Damit hatte keiner gerechnet und ein Teil marschierte nach der ersten Zugabe bereits gen Ausgang, nur um dann fix wieder kehrt zu machen als Mando Diao noch einmal erschienen. Die Setlist ließ gewiss kaum einen Wunsch offen und das Publikum dankte es mit einem Applaus der auf der Erdbebenskala Rekorde gebrochen hätte.

Man muss sagen die Schweden wissen wie man Rock n Roll fabriziert. Aber das wussten wir schon vorher. Das einzige, was nicht ganz passen wollte war die Größe des Konzertes und die Robbie-Williams-Gedenkleinwand. Mando Diao – egal wie berühmt und erfolgreich sie mittlerweile sind – bleiben in meinem Kopf einfach eine Club-Band. Die Stimmung und die gesamte Energie ihrer Musik entwickelt sich erst in kleinerer intimerer Atmosphäre zum vollen Höhepunkt. Diese Sache mit der riesigen Halle ist noch ein wenig zu groß für die Buben aus Börlänge… auch wenn sie es partout nicht wahrhaben wollen.