Review: Fettes Brot – Die SuperPremiumMashUpSow in der Gildeparkbühne (02.09.2016, Hannover)

Fettes Brot (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)

Grossstadtgeflüster. Ganz ehrlich, Grossstadtgeflüster nerven schon, weil man manche Dinge verf***t noch mal, einfach mal mit ‚ß‘ schreibt. Grammatik ist keine Option. Grammatik ist echt mal ok. Aber Grossssssssstadtgeflüßter sind ja auch kein Support, die sind ein Elektropop Warm Up Programm, die müssen gar nix, nicht mal Sztten, nix mit Grammatik und keine Erwartungen erfüllen.

Ich muss gar nix außer schlafen, trinken, atmen und ficken
und nach meinen selbstgeschriebenen Regeln ticken

Grossstadtgeflüster (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)
Grossstadtgeflüster (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)

Zugegeben: Bei Elektropop, auf deutsch und dann noch mit einer Frontfrau, ist die Mäkelliese sowas von raus (Raphael Schalz der Hüpfende Vorzeigehipster am Synthietastending trat ja nur gelegentlich verbal in Erscheinung und Schlagzeuger Chriz Falk ist rettbar, Drummer braucht man ja immer) und wenn MusikerInnen zu viel quatschen, dir erklären in welcher Stadt du bist und dir in Ermangelung von Show vorschreiben was du mit deinen Gliedmaßen anstellen sollst, schämt sich die Redaktion fremd.

Sind wir schon so verwöhnt?

Jetzt echt mal, die Autorin hat Jen Bender schon nach dem ersten Song gefressen. Die Frau ist bestimmt Kindergärtnerin oder Grundschullehrerin – Drill Instruktorinnen oder Dominas betteln nicht, die befehlen und dann läuft’s), denkt sich’s zynisch. Und noch mal müssen alle die Hände hochreißen. Was soll das? Entzückte Glieder muss man nicht bitten, die recken sich von alleine in die Höhe, wenn die InhaberInnen derselben verzückt, euphorisiert oder im physiologisch dazu Stande sind, ihrer Lust körperlichen Ausdruck zu verleihen. Die müssen gar nix!

Grossstadtgeflüster (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)
Grossstadtgeflüster (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)

Aber irgendwas muss ja dran sein, einige zappeln und auf der Haben-Seite von den urbanen Flüstertüten gibt’s auch einiges, was wir als respektabel hervorheben wollen. Müssen wir nicht, tun wir aber, denn Jen Bender is schon ’ne Frontsau, die jedem Teenager besser täte als Germanys Next Toptrottel. Eine untypisches Frauenvorbild, mit Texten von Format.

Ich würde gern ein Lied schreiben, das Nutten und Koks heisst.
Ich weiß aber gar nichtworum es darin gehen könnte…

Statt Anglizismen, Stylingtips und Attitude gibt’s bei Grossstadtgeflüster Urlaub in den Misanthropen, in der Fickt-Euch-Allee,  Pflaster aus Liebe, Reime auf Hiebe, aber auch das ist ihnen egal. Die müssen gar nix! Außer Grammatik!

Fettes Brot (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)
Fettes Brot (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)

Fettes Brot. Jein? „Es ist Zweitause[sech]zehn und verdammt lang her. Wo ist die Zeit nur geblieben? Leute wollt ihr noch mehr?“ Sie wollen. Fettes Brot sind ein Phänomen. Wenn mensch’s genau nimmt, sind Dokter Renz und Co. ja nun wirklich keine Brangelina-Bondeppen, Hyper-Hipster oder Premiumbodys. 2010 ist verdammt lang und 1992 noch länger her. Fettes Brot sind keine Teenager mehr und versuchen sich auch gar nicht peinlich sprachlich an die Generation PokémonGO ranzuwanzen, sie sind einfach irgendwie die Brote, mashen mal eben Nordisch by Nature  ghostbustersmäßig mit „I like to Move it“ up und tragen saubere Unterwäsche. Nicht mehr und nicht weniger.

Fettes Brot sind fett.

Fettes Brot (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)
Fettes Brot (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)

Een, Twej, Een Twej, Drej. Fettes Brot sind keine Band, Fettes Brot sind ’ne Art Partyversprechen, zu dem sich Männer und Frauen Grüppchen- und Pärchenweise einfinden, sich selfiemäßig selber abfeiern, Snapchatten und instagrammen und das ganze HipHop Bewegungsspektrum auf Kommando abrufen können.

Fettes Brot sitzen in einer Containerlandschaft auf der ausverkauften Parkbühne und entertainen die Masse, als sei es nichts. Fettes Brot sind ein Phänomen, ob Bettinas Vorbau oder das naturgewaltig Erdbeben, Fettes Brot können Sexismus so pointiert setzen, dass er ihnen verziehen und ein riesengroßer Hintern gefeiert wird, ohne jeden #aufschrei.

„Noch nie so’n Arsch gesehen? Na, super premium!“

Fettes Brot. sind selbst ’ne klitzekleine Naturgewalt und wenn man ganz genau hinsieht, versteckt sich hinter der coolen Attitüde das zarte Pflänzchen Romantik. Fett!

„im Sinne von super
im Sinne von yeah yeah yeah yeah yeah
du bist the Shit
im Sinne von sexy
im Sinne von sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr“

Fettes Brot (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)
Fettes Brot (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)

Fettes Brot kann man – auch wenn mensch nicht auf Hip Hop steht – wohl nicht so einfach abhaken. Hannover – ach was, der ganze Norden – liebt die Brote. Fettes Brot sind das dreieinige Partyversprechen für alle schwulen Mädchen, denen sie an diesem Abend unter die Haut gegangen sind; für alle, die sich einen Pullover teilen, weil Bettina gefroren hat und Emanuelas Abschiedskuss brennend noch schmecken; für alle, die über ihre eigenen Fehler und Fehltritte lachen können, weil sie schon mal einen fetten Hintern oder die Bettitte angestarrt haben, für die Größten, die Schönsten, die Schlausten und natürlich für DAS Mädchen aus Hannover, das einem Brot an die Wäsche gegangen ist. #misslungen

 

Fettes Brot. Fette Party

Galerie:

Setlist:

      1. Nordisch by Nature
      2. Du bist the Shit
      3. Erdbeben
      4. Wackelige Angelegenheit
      5. Für immer immer
      6. Da draussen
      7. Jein
      8. The Grosser
      9. Mehr Gefühl
      10. Meine Stimme
      11. Echo
      12. Amsterdam
      13. An Tagen wie diesen
      14. Dynamit & Farben
      15. KussKussKuss
      16. Lauterbach
      17. Bettina
      18. Das letzte Lied auf der Welt
Fettes Brot (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)
Fettes Brot (Foto: Stephan Kwiecinski bs!)

Encore:

      1. Emanuela
      2. Von der Liebe
      3. Schwule Mädchen

Links
www.fettesbrot.de
www.grossstadtgefluester.de