Review: Apocalyptica, Sturm und Drang (28.10.2007, Dresden)

Foto: Torsten Volkmer

Info:
Leider hat der Veranstalter am Konzertabend in Dresden keine Onliner mit einem Fotopass ausgestattet. Somit müssen wir euch mit Bildern früherer Konzerte versorgen – da war es auch als Onliner kein Problem gescheite Fotos mit Erlaubnis zu machen. Zum Eigentlichen – der Bericht:

Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

Am Abend des 28.10.2007 schlängelte sich eine sehr lange Schlange vor den Türen des Alten Schlachthofs im schönen, aber verregneten Dresden. Trotz dieser kilometerlangen Ausmaße kam der gemeine Zuschauer recht zügig und ohne geschubst zu werden oder auf das Kopfsteinpflaster zu fallen in die wärmenden Räume des Veranstaltungsortes. Der große Saal des Alten Schlachthofs war schon sehr gut gefüllt, sogar die Treppen im hinteren Bereich waren gut besetzt. Vom Otto-Normal-Verbraucher über Metalhead zum kleinen jungen Bübchen war wirklich fast alles vertreten. Eine gut gemischte und friedliche Zuschauerschaft also. Die Zeit bis zum Beginn des Konzerts konnte man sich mit Trinken oder auch Essen vertreiben, das zu guten Preisen im Foyer angeboten wird.

Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

Gegen 20 Uhr wurde es dunkel und laut. Es knisterte und hämmerte durch die Boxen, blaues Licht deckte die gesamte Bühne ein. STAM!NA aus Finnland eröffneten den Abend mit feinem Heavy Metal. So kreisten die Haarprächtigkeiten synchron im Kreise und man wunderte sich, dass ihnen dabei nicht schlecht wurde. Die fünf Finnen machten ordentlich Stimmung und versprühten mit ihren Ansagen und Witzen im gebrochenem Deutsch jede Menge Charme. Der Sound allerdings war leider nicht der beste und so konnte man an einigen Stellen den Gesang nur erahnen. Nach 30 unterhaltsamen Minuten waren die Herren dann „kaputt“.

Es folgte eine längere Umbaupause, die man hervorragend nutzen konnte, um die trockene Kehle mit Flüssigkeit zu befeuchten. Kurz vor 21Uhr hatte die nächste Band „Sturm Und Drang“, ebenfalls aus Finnland, den Weg auf die Bühne gefunden. Fast erschreckend jung waren die Bürschlein, doch merkte man das nicht an ihrer Musik oder Technik, sondern wirklich nur am Aussehen. Rocken konnten sie jedenfalls schon wie die ganz Großen, aber sie konnten trotzdem nicht den gleichen Stimmungspegel wie bei STAM!NA errreichen.

Nach einer langen Umbaupause folgte eine noch längere Umbaupause. Oder besser eine „Ist schon alles fertig, aber wir fangen noch nicht an“-Pause, was wirklich etwas nervenzerreißend war. Verwunderlich sind deswegen die zahlreichen Pfiffe aus dem Publikum auch nicht. Aber so hieß es trotzdem eine gute halbe Stunde extra warten. Pünktlich um 22 Uhr erlosch endlich das Licht im Alten Schlachthof erneut. Das Warten zuvor war vergessen und vergeben. Aus der Dunkelheit heraus leuchtete weißes Licht, das zunehmend heller wurde und so die gesamte Halle erhellte. Apocalyptica kamen auf die Bühne und es konnte losgehen. Mit „Worlds Collide“ starteten die Finnen ihren Auftritt. Von da an brannte die Hütte gewaltig, es wurde geheadbangt aber wie. Und bevor einer an Herz-Kreislauf Problemen kollabiert, verkündete Eicca Toppinen ins Mikro „We stop before someone dies“ und grinste dabei nur verschmiezelt ins Mikro, um endlich mal eine Ballade anzustimmen.

ImageDass Apocalyptica ihr Handwerk beherrschen ist nichts Neues. Aber dass sie das auch noch live können, ist sensationell. Sie hämmern auf ihren Cellos, sie schlagen und streicheln sie, sie hacken auf ihnen herum,… und es klingt an jeder einzelnen Stelle 100%ig gekonnt und meisterhaft. Und so ergibt jedes Durcheinander wieder ein harmonisches Ganzes, dabei geht die Melodie nie verloren. Da Apocalyptica keine Gastmusiker mit auf Tour nehmen, sind die Dresdner an diesem Abend in den Genuss der instrumentalen Versionen von „I’m Not Jesus“, „S.O.S (Anything But Love)“, „Helden“ und anderen gekommen. Und hier hat sich deutlich gezeigt, dass Sänger zwar eine Bereicherung für die Stücke sind, aber in keinem Fall notwendig. Auch ohne Gesang schaffen sie live eine wunderbare Atmosphäre mit viel Gefühl.

Neben zahlreichen Eigenkompositionen und zwei Metallica Klassikern gab es auch wieder Edvard Grieg’s „Hall Of The Mountain King“ zu hören, dass in einer ganz eignen Interpretation vorgetragen wurde. Nach anderthalb Stunden Apocalyptica Power live und einigen verklemmten Halswirbel war Schluss und so konnte man sich von den „Strapazen“ dieses grandiosen Konzertes erholen und mal tiiiiiief nach Luft schnappen.

Setlist:

  1. Foto: Torsten Volkmer

    Foto: Torsten Volkmer

    Worlds Collide

  2. Refuse / Resist
  3. I’m not Jesus
  4. Fight Fire with Fire
  5. Grace
  6. S.O.S. (Anything but love)
  7. Somewhere around Nothing
  8. Seek & Destroy
  9. Helden (David Bowie – Heroes)
  10. Burn
  11. Betrayal
  12. Bittersweet
  13. Last Hope
  14. Hall of the Mountain King
  15. Enter Sandman (Metallica)
  16. Nothing Else Matters (Metallica)
  17. Life Burns
  18. Inquisition Symphony
  19. Seemann

Konzertfotos: