Von der Provinz in die große Stadt – mit Gefühl im Gepäck

Freitagabend in Dresden. Das Wetter ist launisch, die Regencapes bunt – aber das Herz schlägt warm: Provinz ist zu Gast bei den Filmnächten am Elbufer. Rund 9000 Menschen sind gekommen, um sich an diesem nicht ganz so sommerlichen Open-Air-Wochenende in kollektiver Melancholie zu verlieren – oder sich einfach festzutanzen.
Ein Großteil des Publikums ist jung, euphorisch, textsicher – dazwischen einige Eltern, Geschwister, vielleicht auch der eine oder andere Opa, der das Ganze sehr charmant findet. Wer früh da war, sicherte sich die besten Plätze direkt an der Elbe – einige standen bereits ab dem Nachmittag an. Für Provinz nimmt man sich eben Zeit.
Warm-up mit Stil: IDER trotzen den grauen Wolken

Den Anfang macht das britische Duo IDER – zwei Singer-Songwriterinnen aus London, die sich musikalisch irgendwo zwischen Indie-Pop, elektronischen Elementen und gefühlvollem Storytelling bewegen. Megan und Lily schaffen es, das Publikum trotz trüber Wolken zu fesseln. Ihre Musik ist atmosphärisch, ruhig und berührend. Und am Ende hilft das tatsächlich – der Regen verzieht sich langsam.
Der Vorhang fällt (langsam) – Provinz übernimmt die Bühne

Nach einer Umbaupause passiert erstmal: nichts. Stattdessen hängt ein riesiger blauer Vorhang vor der Bühne, während die Menge langsam ungeduldig wird – und beginnt zu singen. Schließlich, gegen 20:45 Uhr, hebt sich der Vorhang in Zeitlupe und gibt den Blick frei: Provinz sind da.

Was folgt, ist eine Show, die sich eher wie ein vertrautes Treffen mit Freund:innen anfühlt als ein klassisches Konzert. Die Band schleicht sich fast schüchtern auf die Bühne, während die ersten Reihen schon im Takt tanzen. Spätestens bei „Tanz für mich“ wird’s auch bei der Band locker. Die Energie springt über. Und bleibt da.
Zwischen Indie-Pop und emotionalem Tagebuch

Mit ihrem dritten Album „Pazifik“ tourt die oberschwäbische Band aktuell durch Deutschland – und wirkt selbst oft ungläubig darüber, wie groß alles geworden ist. Noch vor wenigen Jahren spielten sie in Dresden im kleinen Beatpol oder der Groovestation. Heute füllen sie Open Airs – mit Leichtigkeit.
Musikalisch liefert Provinz ein Klangbild, das vor allem eins ist: ehrlich. Zwischen Pop, Melancholie, leisen Gitarren, großer Geste und jugendlicher Wut. Sie treffen den Nerv der Generation, die zwischen Schulabschluss, Dating-Krisen und Zukunftsängsten schwankt. Ihre Texte handeln von Sehnsucht, Überforderung, Liebe, Verlust – alles gleichzeitig. Wer selbst noch nicht weiß, wohin mit sich, fühlt sich bei Provinz verstanden.

Und trotzdem: Auch Eltern, Tanten, Onkel oder der chillende Redakteur können mit einem Glas Bardolino Chiaretto in der Hand mitwippen – weil das, was Provinz machen, zeitlos ist.
Danke sagen & Haltung zeigen
Die Band ist sichtlich dankbar. Für die Fans, den Erfolg – und den Moment. Zwischendurch nutzen sie die Bühne aber auch für klare Worte: Kein Platz für Hass, kein Platz für AfD. Ein kurzer Satz, aber wichtig. Und dringend nötig.

Lichtermeere, Taschentücher & ein letzter Walzer
Dresden und Provinz tanzen sich gemeinsam durch die Nacht. Es ist ein Abend voller Lichter, Emotionen und textsicherer Chöre. Bei Songs wie „1000 Nächte“ oder „Zorn & Liebe“ wird’s intensiv, bei „Fernweh“ sehnsüchtig, bei „Reicht dir das“ laut.
Am Ende des Konzerts – es ist schon fast 22:30 Uhr – will niemand wirklich gehen. In Gedanken wird noch gesungen, geweint, geträumt. Provinz schaffen, was viele nicht können: eine emotionale Verbindung zwischen Bühne und Publikum. Und das inmitten von Regencapes, Elbterrasse und Wolkenhimmel.
Fotos (by Kristin Hofmann bs! 2025)
Provinz (11.07.2025, Dresden)
Ider (11.07.2025, Dresden)
Setlist Provinz:

- Kein Tag ohne dich
- Großstadt
- Tanz für mich
- Unsere Bank
- Zimmer
- Sommer macht melancholisch
- Weißer Mercedes
- Reicht dir das
- Indigo
- Fernweh
- Diego Maradona
- James Blake
- Pazifik
- Bringst du mich nachhaus
- Draußen ist Krieg
- 1000 Nächte
- Zorn & Liebe
- Alaska
- Ich glaub ich will heut nicht mehr gehen
- Wenn die Party vorbei ist
- Walzer
- Was uns high macht
- Spring
- Tanz für mich (Reprise)
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