Review: Hardcore Horror Picture Show – Motionless in White in der Swiss Life Hall (21.02.2026, Hannover)

Grusel, Geister, Gänsehaut; das alles gepaart mit Musik der unterschiedlichsten Genres waren immer schon die besten Partner einer emotionalen, leidenschaftlichen (hier aber wohl Schwerpunkt auf Leiden) Beziehung. Wer denkt nicht mit genüsslichem Grauen an die Rocky Horror Picture Show, wo Frankenstein auf Hannibal Lector auf Außerirdische trifft. Eine richtig schöne wilde Mischung halt und das bereits seit über 50 Jahren. Rocky Horror geht immer und wird es immer geben. Kult halt. Auf dem Weg zum Kult ist auch der Hauptact des heutigen Abends. Das ist dann aber wohl eher eine…

Hardcore Horror Picture Show

Auf dem Weg zur Show müssen die Fans erst mal durch das Foyer der Swiss Life Hall. Was fällt hier auf? Es gibt keine großen Warteschlangen an den Getränketresen. Was ist denn hier los? Sollte mensch nicht erst mal drei bis sieben Bier zischen, bevor es an die Blutvorräte geht? Kann man machen, ist aber nicht zwingend notwendig. Zwingender ist aber anscheinend der Wunsch der Fans sich vorher nochmal einzukleiden. An den Merch-Ständen der Bands stehen sie davor in 4 Schlangen, die jeweils 10 Meter lang sind. Wenn man schon nix mit Plattenverkäufen verdienen kann, dann halt mit Merch-Kram in Form von T-Shirts etc. Den Künstlern sei es gegönnt. Was noch mehr ins Auge sticht, ist die Tatsache, dass viele weibliche Fans vor Ort sind. Na gut, genauer betrachtet ist es ja eine Boy-Band, das zieht bei den Ladies. Oder liegt es daran, dass sie sich, um aufzufallen, verkleiden und sich speziell schminken dürfen. Ist nur so eine Theorie.

Make Them Suffer (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)

Jetzt aber mal zur Praxis in Form der ersten Vorband. Einen sehr weiten Weg haben Make Them Suffer aus Perth in Australien auf sich genommen. Der Name ist voll fies gruselig, bezieht er sich doch auf eine Handlung andere Menschen zu leiden oder zu quälen. So fies der Name so druckvoll ist ihr Metalcore. Frontmann Sean Harmnais macht den Shouter, Gitarrist Nick McLernon, Bassist Jaya Jeffery, Drummer Jordan Mather sorgen für den Groove mit oft harten Breakdowns und für die Gegensätze ist Keyboarderin Alex Reade zuständig. Ihre klare kraftvolle Stimme bildet den Gegenpart zum Schreier Sean und somit muss hier keiner der 4800 Fans in der ausverkauften Swiss Life Hall leiden. MTS haben geliefert.

Dayseeker (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)

Weitaus ruhiger, aber nicht schlechter, nur anders, gehen Dayseeker aus Kalifornien ihren Auftritt an. Sie sind Vertreter des Post-Hardcore bei dem eher gefühlvoller Gesang auf melodisch gehaltene Instrumente trifft. Hört sich alles sehr nach Friede, Freude, Eierkuchen an, wären da nicht die Texte. Die sind düster und depressiv. Sänger Rory Rodriguez singt oft von eigenen Erfahrungen in seinem Umfeld: die Parkinson-Krankheit seines Vaters, die Alkoholsucht seiner Mutter, von sexuellem Missbrauch und auch vom Tod. Alles sehr heftig. Gut das drüber gesungen wird.

Dayseeker (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)

MTS haben den Anfang gemacht, jetzt kommen die MIB, die eigentlich MIW heißen. Ja, ne is klar. Die Band ist durchweg männlich und schwarz gekleidet, also MEN IN BLACK (MIB). Heißen tut die Truppe MIW, Motionless in White. Also schwarz gekleidete Männer mit weiß geschminkten Gesichtern spielen Metalcore in Horrorvision. Na gut, es gibt Horror und Horror. Blut fließt hier zum Glück nicht, es geht eher um subtilen Horror.

Motionless In White (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)

Afraid of the Dark („Angst vor der Dunkelheit“) heißt die aktuelle Tour, die alle Termine in Deutschland ausverkauft. Und warum ist alles ausverkauft? Weil die US-Amis hier richtig Theater machen. Metal-Core trifft auf Show mit allem Schnick und Schnack. Es beginnt schon wie bei einem Blockbuster-Film eines großen Hollywood-Studios: Motionless-Pictures presents…

Motionless In White (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)

Auf diesem Niveau, auf diesem hohen Niveau geht’s dann durch den Abend mit allem, was dazugehört. Auf drei riesigen Leinwänden werden zu jedem Lied andere Videos gezeigt, mit hin und wieder eingestreuten Live-Bildern begeisterter, laut mitsingender weiblicher Groupies in der ersten Reihe. Very hot. Noch heißer sind da nur die Flammenwerfer, die perfekt choreographiert die Songs zum „Brennen“ bringen. Keine US-Show ohne Ladies. Die Cherry Bombs sind als „Funkenmariechen“ im Einsatz. Das Wort erhält hier eine ganz neue Bedeutung, erzeugen sie doch mit Schleifmaschinen über die Bühne sprühende Funken.

Motionless In White (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)

Aber Fackeln und Flammenwerfer können Sie auch. Und sich bewegen sowieso. Zum Element Feuer kommt noch Wasser, auch als Schnee, und Konfetti. Also alles, was visuell Eindruck macht. Nicht nur Eindruck sondern auch mächtig Druck machen die Motionlessies (niemals falsch schreiben: Emotionless (gefühllos) wäre fatal) mit ihrem knackigem, kraftvollem Metalcore. Allen voran Sänger Chris „Motionless“ Cerulli, der in seinen Texten schon immer dafür gekämpft hat, die Underdogs zu vertreten. Kleiner Auszug aus der neuen Single gefällig?

Motionless In White (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)

Du wirst dich selbst nie kennen,
bis du alleine gehst
Mit blindem Vertrauen
und gebrochenen Knochen
Also folge dem Licht in deinem Herzen
Und hab keine Angst vor der Dunkelheit

Oft geht es auch um Kritik gegenüber der Kirche oder dem Staat. A-M-E-R-I-C-A aus 2012 hat nichts an Aussagekraft verloren. Kleiner Auszug gefällig?

Motionless In White (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)

We take medication to be someone else
And we take off our clothes to pay for the bills
Where downloading content will buy you a sentence
And murder is free in the Hollywood Hills

Motionless In White (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)

Das ist der Horror des wahren Lebens, der hier auf martialische Art benannt wird. Dieser Horror und das Böse was dahintersteckt, bedroht uns immer und überall. Überall auf diesem Planeten. Gut, dass es Bands gibt, die diese Missstände benennen. Die Show dazu ist hollywoodmäßig aufgezogen, bunt und laut. Wahrscheinlich gerade deswegen bleibt die Botschaft darin nachhaltig in Erinnerung.

Galerien (by Torsten Volkmer bs! 2026):

Make Them Suffer (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)

Setlist Make them Suffer:

  1. Ghost of Me
  2. Bones
  3. Epitaph
  4. Mana God
  5. Oscillator
  6. Erase Me
  7. Doomswitch

Setlist Dayseeker:

Dayseeker (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)
  1. Pale Moonlight
  2. Shapeshift
  3. Burial Plot
  4. Crawl Back to My Coffin
  5. Bloodlust
  6. Without Me
  7. Crying While You’re Dancing
  8. Sleeptalk
  9. Neon Grave
  10. Creature in the Black Night
Motionless In White (Foto: Torsten Volkmer bs! 2026)


Setlist Motionless in White:

  1. Meltdown
  2. Sign of Life
  3. A-M-E-R-I-C-A
  4. Thoughts & Prayers
  5. Voices
  6. Afraid of the Dark
  7. Werewolf
  8. Hollow Points
  9. Necessary Evil
  10. Slaughterhouse
  11. Rats
  12. Disguise
  13. Nothing Ever After (ILLENIUM cover)
  14. Scoring the End of the World
  15. City Lights
  16. Not My Type: Dead as Fuck 2
  17. Cyberhex
  18. Another Life
  19. Eternally Yours

Links:
www.facebook.com/makethemsufferau
www.dayseeker.band
www.motionlessinwhite.net

Michael Lange
Michael Langehttps://www.be-subjective.de
Michael Lange. MichaL ist der Methusalix in unserem Team. Ein Original, ein Sympath, ein Genießer von A wie Abba bis Z wie Zabba und im realen Leben ein Stepptänzer. »Jawohl, das mit dem KlackerdiKlack.« MichaL hat schon Rock’n’Roll gehört, da waren die Little Boy Blue and the Blue Boys noch grün hinter den Ohren. Man munkelt er konnte schon einparken, da gab es noch nicht mal Rückspiegel, geschweige denn Einparkhilfen. Dennoch ist die MichaL noch lange kein Oldy oder darauf fokussiert. The big L war plötzlich da. Zeitlos. Unerwartet und doch völlig freiwillig tauchte er in unserem Universum auf und bereichert es. KlackerdiKlack.

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