Review: Der nasse Aspekt – Massendefekt und Olympya (24.07.2021, Hannover)

Endlich, endlich Sommer. Rausgehen, Sitzen, Trinken, Quatschen und natürlich Musik hören. Aber keine Retorten-Musik aus dem Radio oder vom Streamer des Vertrauens, nein, richtige handgemachte Musik mit Menschen auf und Menschen vor der Bühne. Was gibt es Schöneres? Das haben sich auch hannoversche Veranstalter gedacht, nicht der oder die Platzhirsche der Landeshauptstadt, sondern die kleinen der Szene. Das Kulturzentrum Faust, Indiego Glocksee, Béi Chéz Heinz, Kulturzentrum Pavillon, MusikZentrum Hannover und das Cafe Glocksee haben sich zusammengeschlossen zum Kollektiv Kulturbande und die Veranstaltungsreihe „Komm Raus“ ins Leben gerufen. Super Idee, Super Name, Super Location. Also los Leute, Komm(t) raus.

Wie gesagt, es ist Sommer, aber ausgerechnet nicht an diesem Tag. Regen ist nicht nur angekündigt, er ist auch da, pünktlich 19:00 Uhr und genau über dem Ricklinger Bad. Na super. Komm Raus? Mensch weiß nicht , ob das jetzt die Top-Idee des Tages war. Aber der Veranstalter beruhigt etwas, halbe Stunde warten, dann geht das Ding hier ab. Recht hat er. Der Regen nimmt ab, hört auf, die Show beginnt.

Ich will noch einmal mit dir träumen
Nur noch dieses eine Mal!
Ich will noch einmal mit dir im Regen stehen
Denn das Hier und Jetzt war uns doch schon immer so egal!

Olympya (Foto: Michael Lange bs! 2021)

Olympya eröffnen den Abend und bekennen sich gleich schuldig. Sie haben das schlechte Wetter aus Hamburg mitgebracht. Alles klar. Jetzt tut mal was für gute Laune. Kein Ding. Die Olympyschen Spiele beginnen. Was sofort auffällt? Die Band hat mit Marcus, Andi und Lucas gleich drei Frontsänger. Das ist mal richtig fett. Hinzu kommen noch Kay an der Gitarre, Tim am Bass, Timo an den Drums und Quotenfrau Ari an den Keys. Die drei Frontsänger waren früher u.a. Teil der BoomBap-Rap Formation „die Funkverteidiger“. Irgendwann wurde ihnen die Schublade des BoomBaps zu klein und sie entschlossen sich, nochmal was Neues zu machen. Jetzt also Olympya und mit New Wave/Postpunk/NDW/Pop bespielen sie ein breites Musikspektrum.

Mit „Auto“ haben sie am 26.2.2021 ihr Debüt Album über Audiolith raus gebracht. Und heute hier im Ricklinger Bad geben sie erst ihr drittes Live-Konzert. Was soll mensch sagen? Das Ding funzt. Regen? Egal. Die Energie auf der Bühne geht direkt runter zu den 150 Fans. Die Musik ist tanzbar, die Texte mit Aussagekraft, die Ansagen machen Spaß. Songs wie „Tabletten“, das punkige „Drohne“ oder „Bei dir“ sind absolut hörenswert. Die Hamburger dürfen gerne wiederkommen, den Regen können sie oben im Norden lassen.

Olympya (Foto: Michael Lange bs! 2021)

Die Headliner sind jetzt dran. Und die Feuchte des Abends spielt keine Rolle mehr. Jetzt ist alles egal.

Kein nasser Aspekt bei MASSENDEFEKT.

Massendefekt gibt es bereits seit 2001 und wie langweilig, sie spielen nur eine Musikrichtung: Punk´n´Roll. Aber das reicht vollkommen. Das geht, das geht ab, das kann man Hören, Schmecken, Fühlen. Nico Jansen (Gitarre), Mike Duda am Bass, Alex Wolfart an den Drums und Frontmann Sebastian“Sebi“ Beyer (Gitarre und Gesang) haben das Jahr 2020 genutzt und mit „Zurück ins Licht“ eines ihrer wohl authentischsten aller MASSENDEFEKT-Platten gemacht.

Einfach mal wieder die Birne frei kriegen. Der Titel ist Programm und steht für einen weiteren Neuanfang und dafür, dass es immer irgendwie weitergeht. MASSSENDEFEKT prangern an, mit der gebotenen Deutlichkeit um mit den Missständen der jetzigen, durchgeknallten Zeit abzurechnen. Da weiß jeder was gemeint ist. Politik, Umwelt, Rassismus und so weiter und so weiter. Und natürlich Beziehung, Liebe, Partnerschaft. Die ganze Palette. Mit aller Wucht.

Massendefekt (Foto: Michael Lange bs! 2021)

Punk ist immer auch Pogo. Mit Kontakt und so. Geht das in diesen Zeiten? Natürlich. Mit Abstand. Pogo am Platz. Das ist ganz neu. Platz-Pogo. Am besten noch im Platzregen. Der kommt später noch mal. Aber erst kommen Hits wie „Der Weg“, „Pazifik“, „Der Hoffnung entgegen“ oder einfach nur „Glücklich sein“. Das sind die Fans. Schon lange und ganz besonders beim letzten Lied des Abends: „Wellenreiter“. Authentisch, da mit viel Wasser von oben. Aber letztendlich so was von egal. Das war ein ebenso feuchter wie fröhlicher Abend. Hat Spaß gemacht.

Galerien (by Michael Lange bs! 2021):

Massendefekt (Foto: Michael Lange bs! 2021)

Setlist:

  1. Schiffbruch
  2. Der Hoffnung entgegen
  3. Tonne
  4. Pazifik
  5. Bruder Hymne
  6. Glücklich sein
  7. Nimm mich mit
  8. Der Weg
  9. Freier Fall
  10. Taschenland
  11. Tanz im Nebel
  12. Wo ich dich finde
  13. Schwarz Weiss Negativ
  14. Frei von Dir
  15. Spuck in die Luft
  16. Der Augenblick
  17. Überlebt
  18. Mauern
  19. Schlechter Optimist
  20. Ein Gruß gen Himmel
  21. Mehr!
  22. Wellenreiter

Links:

www.olympya.de

www.massendefekt.de

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Michael Langehttps://www.be-subjective.de
Michael Lange. MichaL ist der Methusalix in unserem Team. Ein Original, ein Sympath, ein Genießer von A wie Abba bis Z wie Zabba und im realen Leben ein Stepptänzer. »Jawohl, das mit dem KlackerdiKlack.« MichaL hat schon Rock’n’Roll gehört, da waren die Little Boy Blue and the Blue Boys noch grün hinter den Ohren. Man munkelt er konnte schon einparken, da gab es noch nicht mal Rückspiegel, geschweige denn Einparkhilfen. Dennoch ist die MichaL noch lange kein Oldy oder darauf fokussiert. The big L war plötzlich da. Zeitlos. Unerwartet und doch völlig freiwillig tauchte er in unserem Universum auf und bereichert es. KlackerdiKlack.