Review: Auf. Takt. Spiel. – Grossstadtgeflüster im Capitol (06.03.2026, Hannover)

Bald ist es wieder soweit. Die ganze Welt fiebert diesem Ereignis schon entgegen. Fußball-WM auf dem amerikanischen Kontinent. Und jeder Mensch und jede Mannschaft fragt sich , wer ist wie in Form, kann ich die Gruppenphase überstehen, wie stelle ich mich auf, wie gehe ich taktisch vor. So was halt. Dies, Das, Ananas. Einen ganz besonderen Aspekt hat hierbei das allererste Spiel des Turniers, das Eröffnungssspiel. Bloß nicht verlieren, sonst hat man möglicherweise gleich richtig Druck. Das Ganze kann man durchaus auch auf die Konzertbranche projizieren. Wenn man vielleicht länger keine Scheibe raus gebracht hat und jetzt wieder auf Tour geht, stellt sich natürlich auch die Frage: Funzt alles, wollen die Leute uns sehen? Solche Dinge halt. Dies, Das , Ananas. Aber Angst sollte man als Band niemals haben. Geht´s raus und spielts…

Auf. Takt. Spiel.

Völlig unbefangen ist die Frau, die den Support gibt. „Ihre Songs sind feministisch, ehrlich, selbstbewusst, manchmal feinfühlig und leise, manchmal wütend und laut“, urteilt die Westfälische Rundschau über Liser.

Liser (Foto: Michael Lange bs! 2026)

Wer bitte schön ist Liser? Wird das nicht mit „a“ am Ende geschrieben. Japp, aber im Showgeschäft muss man sich sich halt absetzen von der großen Masse. Wäre der Künstlername nur Lisa, dann wäre das gefühlt schnarch langweilig. Nichts gegen alles Lisas dieser Welt (ist ein schöner Name), aber man muss von Anfang an neugierig machen. Lisa Klingler alias Liser ist eine fröhliche, selbstbewusste Frau, die über den Poetry Slam zum Rap gekommen. Kein schlechter Weg. „Meine Musik ist politisch, aber nicht freiwillig“ beschreibt die Kölnerin ihre Songs. Es geht also nicht um Liebe, Romantik, Tralala? Wäre schön, dann wäre die Welt ein Stückchen heiler. Ist aber nicht so. Bei Liser geht es um Themen wie Anfeindungen im Internet, Sexismus oder Fatshaming. Gut, das das thematisiert wird. Dranbleiben, nicht nachlassen. Niemals Leiser, öfter wie Liser. Und die Welt wird besser und bunter .

Ab heute gelten andere Regeln
Keine Ahnung welche, aber andere Regeln
Also streicht die Segel blau
Wie das blau in meinen Venen

Grossstadtgeflüster (Foto: Michael Lange bs! 2026)

Eigentlich können sie Ihr Jubiläum ja gar nicht mehr erwarten. Warum nennen Sie ihre Tour denn sonst 23 2/3 Jahre? Also nur noch 1,33333 Jahre bist zur Silberhochzeit. Aber hat die Beziehung zum Publikum gehalten? Ist da noch die prickelnde Leidenschaft, die Erotik des gemeinsamen engen, körperbetonten Abfeierns, die enge Beziehung zum Publikum? Nun ja Zahlen lügen nicht. Das Capitol in Hannover ist mit 1.400 Fans ausverkauft. Da kann man als Band schon mal Muffensausen kriegen. Funktioniert alles und so weiter. Ist das erste Konzert der Tour. Aber so als Generalprobe will Grossstadtgeflüster den Abend nicht sehen. Das kauft man der Band auch von Beginn an ab. Das Trio aus Jen Bender (Vocals), Raphael Schalz (Synthesizer, Vocals) und Chriz Falk (Drums) haben bewusst Hannover als Tourstart gewählt, weil sie wissen, dass ist hier der Ort zum Reinkommen, zum Ankommen, zum Wohlfühlen, zum Abgehen. Mit „Wenn ich deine Eltern wär“, „Ich rollator mit meim Besten“ und „Mein Bier“ gelingt das Warm Up und bringt nicht nur die Fans auf dem Balkon, sondern auch selbigen zum Schwingen. Jen Bender kann ihr Glück gar nicht fassen. Dauergrinsen. Also Stufe 2 und mal was Neues wagen. Was kann das sein? Warum nicht einfach mal ruhiger werden frei nach dem Motto „Alte Songs in neuem Gewand“ werden akustische Versionen einiger Titel gespielt. Frau Bender wollte schon immer mal mit dem Ellenbogen auf einem Klavier lehnen und Songs akustisch performen. Macht Spaß.

Grossstadtgeflüster (Foto: Michael Lange bs! 2026)

Aber noch mehr Spaß machen die Mitgrölnummern. „Feierabend“ ist schon ziemlich früh und der Refrain wird lauthals mitgesungen. Und als Herr Schalz ein paar technische Probleme mit dem Synthesizer hat, überspielt Jen Bender die Zeit und lässt diesen Refrain vom Publikum nochmals vom Publikum intonieren. Perfekt, hier sind erfahrene Profis am Werk. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Ein Punkmädley (Die Einigung / Lebenslauf / Kann ich auch) führt das Publikum auf die Party-Strasse des Pop-Punk-Trios. Das energiegeladene „Ich kündige“, das ruhige „Huckepack“ und dann wird auf die allseits bekannte Straße mit den Bäumen („Fickt-euch- Allee“) eingebogen. „Matrjoschka“ ist beschwingt, wütend ist „Haufenweise Scheisse“. Und der perfekte Abschluss kann nur ein Lied sein, das sich alle zu Herzen nehmen sollten („Ich muss gar nix“) und auch tun.

So, ihr lieben Tourstädte, die jetzt noch folgen, hier die Kurzzusammenfassung: das Auftaktspiel in Hannover hat Grossstadtgeflüster mit 7:0 gewonnen. Kantersieg und klare Tabellenführung. Besser geht es nicht. Was soll jetzt noch kommen?

Grossstadtgeflüster (Foto: Michael Lange bs! 2026)

Galerien (by Michael Lange bs! 2026):


Setlist Liser:

  1. Freixenet mit Monster
  2. Ich hasse alles
  3. Für immer falsch
  4. Alle meine Freundinnen
  5. Hübsche Mädchen
  6. Gurlies sauer
  7. FETT

Setlist Grossstadtgeflüster:

  1. Intro
  2. Wenn ich deine Eltern wär
  3. Ich rollator mit meim Besten
  4. Mein Bier
  5. Ende Gelände
  6. Neue Freunde
  7. ICKE!
  8. Weil das morgen noch so ist
  9. Meine Couch / Kartoffelsuppe (Acoustic)
  10. Feierabend
  11. Hallus
  12. Keiner fickt mich
  13. Die Einigung / Lebenslauf / Kann ich auch (Punkmädley)
  14. Diadem
  15. Ich boykottiere dich
  16. Verschenktes Potential
  17. So viel Talente
  18. Ich kündige
  19. Huckepack
  20. Fickt-Euch-Allee
  21. Matrjoschka
  22. Haufenweise Scheisse
  23. Ich muss gar nix

Links:
www.kingstar-music.com/portfolio-items/liser/
www.grossstadtgefluester.de

Michael Lange
Michael Langehttps://www.be-subjective.de
Michael Lange. MichaL ist der Methusalix in unserem Team. Ein Original, ein Sympath, ein Genießer von A wie Abba bis Z wie Zabba und im realen Leben ein Stepptänzer. »Jawohl, das mit dem KlackerdiKlack.« MichaL hat schon Rock’n’Roll gehört, da waren die Little Boy Blue and the Blue Boys noch grün hinter den Ohren. Man munkelt er konnte schon einparken, da gab es noch nicht mal Rückspiegel, geschweige denn Einparkhilfen. Dennoch ist die MichaL noch lange kein Oldy oder darauf fokussiert. The big L war plötzlich da. Zeitlos. Unerwartet und doch völlig freiwillig tauchte er in unserem Universum auf und bereichert es. KlackerdiKlack.

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