Review: Element of Crime bringen Delmenhorst nach Bremen (17.05.2019, Bremen)

Element of Crime (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Element of Crime und die Metropolenregion Oldenburg-Delmenhorst-Bremen, das gehört irgendwie zusammen. So überrascht es kaum, dass Sven Regner als gebürtiger Bremer an zwei aufeinanderfolgenden Abenden ins Pier 2 einlädt. Im Gepäck das mit ihm gealterte Publikum und den Nachwuchs in Form von Isolation Berlin.

Isolation Berlin (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Schön jung und stark, so will ich euch gefallen.

Isolation Berlin (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Element of Crime und Isolation Berlin – diese Kombination ergibt Sinn (zumindest im Kopf der Redakteurin), denn im Sound Isolation Berlins sind die Einflüsse der Gastgeber kaum zu überhören. Daher ist es umso verwunderlicher, dass sich im Publikum keine Miene regt, als die Berliner ihr Set mit „Produkt“ beginnen. Und auch im späteren Verlauf scheint die Menge eher irritiert von dem Treiben, oder Nicht-Treiben, auf der Bühne. Die ersten drei Songs ziehen schleppend gemütlich vor sich hin und sollten prinzipiell auch jedem Element of Crime Fan gefallen.

Isolation Berlin (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Als diese Masche nicht zieht schaltet die Band einen Gang hoch und gipfelt mit „Kicks“ und „Wahn“ in einer Performance, die ihres Gleichen sucht. Tobias Bamborschke ist aufgetaut und wirbelt über die Bühne wie besessen. Das einzige was in der Menge wirbelt, sind hochgezogene Augenbrauen. Schwieriges Publikum, schade, denn am halbstündigen Auftritt der Band gibt es nichts zu bemängeln, außer der kurzen Dauer.

Isolation Berlin (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Setlist Isolation Berlin:

  1. Produkt
  2. Serotonin
  3. Antimaterie
  4. Alles grau
  5. Ich wünschte ich könnte
  6. Kicks
  7. Wahn

Als schließlich die Herren von Element of Crime die Bühne betreten erhellen sich die Mienen im Publikum. Eröffnet wird das Konzert, welches schlussendlich sagenhafte 25 Songs umfassen wird, mit „Am ersten Sonntag, nach dem Weltuntergang“ des aktuellen 14. Studioalbums „Schafe, Monster und Mäuse“. Aber ob nun neuer oder alter Song. Die Rezeption im Publikum ist immer positiv, was daran liegen mag, dass der Sound von Element of Crime sich über die vergangenen 20 Jahre kaum hörbar verändert hat. Die Songs sind mal melancholisch tranig, mal treibend und fast immer getoppt von Regners tollem Trompetenspiel.

Element of Crime (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Grausam ist das Leben als der einzige
Vernünftig denkend eingestellte Mensch
Zwischen lauter asozialen und totalen
Verrohten Vollidioten eingeklemmt

Aber neben den überwiegend neuen Stücken gibt es natürlich auch Begegnungen mit den altgeliebten Charakteren „Deborah Müller“ und „Robert Zimmermann“, bei welchen der Applaus gefühlt immer etwas lauter ausfällt. So auch bei „Wer ich wirklich bin“, welches es erst dank Gisbert zu Knyphausen wieder ins Liveprogramm von Element of Crime geschafft hat.

Element of Crime (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

„Warum kann der das und wir nicht“

, fragt Regner. Das wüssten wir auch gern, denn Live scheint die Nummer doch super zu funktionieren. Generell verläuft der gesamte Auftritt pannenlos und musikalisch nahezu perfekt, dennoch hat der Abend, auf Grund der besagten Ähnlichkeit vieler Nummern, seine Längen und wird nur hier und da von Liedern wie dem absurd ins Musikantenstadl abgleitende „Da ist immer noch Liebe in mir“ oder dem ewig geforderten „Delmenhorst“ unterbrochen.

Element of Crime (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Letzteres bekommen die bettelnden BremerInnen erst bei der ersten Zugabe. Die erste von dreien! Denn nur eine ist bei 33 Bandjahren und diesem Repertoire natürlich nicht genug. Das verdient einerseits massiven Respekt, andererseits wird in den hinteren Reihen schon gemeckert: „Jetzt macht doch endlich mal Schluss, ich will noch inne Kneipe!“

Kneipe und Element of Crime, das passt auch zusammen wie Arsch und Eimer und so wird das Publikum schlussendlich nach „Lieblingsfarben und Tiere“ in die Freiheit entlassen.

Galerien (by Thea Drexhage bs! 2019):

Setlist Element of Crime:

Element of Crime (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)
  1. Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang
  2. Schafe, Monster und Mäuse
  3. Ein Brot und eine Tüte
  4. Deborah Müller
  5. Liebe ist kälter als der Tod
  6. Nur so
  7. Wer ich wirklich bin
  8. Immer noch Liebe in mir
  9. Gewitter
  10. Stein, Schere, Papier
  11. Bevor ich dich traf
  12. Im Prinzenbad allein
  13. Immer da wo du bist bin ich nie
  14. Robert Zimmermann
  15. Die Party am Schlesischen Tor
  16. Karin, Karin (mit Alexandra Regner)
  17. Am Ende denk ich immer nur an dich
  18. Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin
    Encore 1:
  19. Weißes Papier
  20. Delmenhorst
    Encore 2:
  21. Schwere See
  22. Geh doch hin
    Encore 3:
  23. Warte auf mich
  24. Draußen hinterm Fenster
  25. Lieblingsfarben und Tiere

Links:
www.element-of-crime.de
www.facebook.com/isolationberlin

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Thea Drexhage
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 100 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Satre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.