Review: Bruecken feiern Album-Release (27.02.2026, Oldenburg)

Für die Band Bruecken gehört es zum guten Ton, neue Platten ersteinmal in der Heimatstadt vorzustellen und so kommt es, dass sich Familie, Freunde und Fans am Abend des 27.2.2026 vor dem Jugendzentrum Cadillac einfinden, um die Veröffentlichung von Years That Answer zu feiern.

Wax Minds (Foto: Thea Drexhage bs! 2026)

Zur Einstimmung wurden Wax Minds aus Bremen eingeladen. Eine interessante Entscheidung, denn der schroffe, verzerrte Garagenpunk des Quartetts um Frontfrau Claude Cool passt nicht ganz zum melancholischen Post-Rock der Gastgeber. Während die Band ein energiegeladenes, wirklich gutes Set abliefert, spart man sich im Publikum, bis auf ein paar mutige Vorreiter*innen in der ersten Reihe, die Energie noch auf. Das hätte vielleicht besser geklappt, hätte man den Lautstärkeregler noch einen µ hochgedreht. Einen gehörigen Applaus gibt’s am Ende immerhin doch.

Die Umbaupause wird für den guten Zweck genutzt. Beide Bands und die ebenfalls anwesende Non-Profit-Organisation Second Bandshirt haben ein paar Gewinne für eine Tombola locker gemacht, deren Erlös dem Autonomen Frauenhaus in Oldenburg zugutekommt.

Bruecken (Foto: Thea Drexhage bs! 2026)
Bruecken (Foto: Thea Drexhage bs! 2026)

Der Wink mit der Lautstärke muss bei Bruecken angekommen sein. Der Sound nimmt schon beim ersten Song den ganzen Raum ein und schafft eine immersive Erfahrung. Gespielt wird die erste Hälfte der neuen Platte am Stück, bevor ein paar ältere Nummern eingeworfen werden, auf welche dann der Rest von Years that answer folgt. Die Übergänge gestalten sich nahtlos, sind Bruecken doch trotz zunehmender Synthies ihrem Sound treu geblieben. Natürlich ist eine Post-Rock Show kein Ort für wildes tanzen oder Moshpits, aber die Menge steht zufrieden wippend und wankend im Raum und hört gespannt zu. Während die Songs, die überwiegend ohne Text auskommen, vielleicht eine gewisse Form von Weltschmerz spüren lassen, zeigt die Band sich in den Songpausen politisch. Es gäbe so viel, über das man sich in diesen Zeiten aufregen könnte und es wäre dennoch wichtig, ein wenig Optimismus zu bewahren.

Signs of spring appear
And the darkness clears
Look and you will see
that ends become a spark
Even if the
silence’s loud
there will be years that
answer

Heißt es im Album-Closer Signs Of Spring – es gibt ihn also doch, den Text. Bei der Darbietung gibt’s, wie auch auf Platte, tatkräftige Unterstüzung vom Emder Kneipenchor. Ein gelungener Abschluss für einen gelungenen Abend – und eine gelungene Platte.

Bruecken (Foto: Thea Drexhage bs! 2026)

Galerien (by Thea Drexhage bs! 2026)

Wax Minds
Bruecken

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Wax Minds
Bruecken

Thea Drexhage
Thea Drexhagehttps://www.be-subjective.de
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 10 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Sartre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.

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