Review: Auf’m Deich gibt’s nicht nur Schafe – Das war das Deichbrand (2018)

Impressionen vom Deichbrand Festival 2018 (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Donnerstag

Der Sommer 2018 meint es gut mit Norddeutschland. Pralle Sonne und Temperaturen über der 30 Grad Marke laden zahlreiche Menschen dazu ein, an der Nordsee zu verweilen. Wer nur wenig Bock auf Ebbe, Watt und Ruhe hat, hatte vom 19.-22. Juli die Chance, sich gemeinsam mit fast 60.000 anderen Menschen die Seele aus dem Leib zu tanzen und zu schwitzen. Das Deichbrand Festival startet in die nächste Runde. Das sympathische kleine Rockfestival am Meer hat sich über viele Jahre zu einer festen Größe zwischen Deutschlands Sommerfestivals entwickelt.

Gestartet wird bereits am Donnerstag. Während an den Hauptbühnen noch gewerkelt wird, steht den Besuchern schon ein kleiner Teil des Festivalgeländes, inklusive des Palastzelts, zur Verfügung. Und dort wird es laut! Das Deichbrand Festival 2018 empfängt seine Gäste mit etwas spezielleren Bands abseits des Mainstreams.

Mr. Hurley und Die Pulveraffen (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Den Anfang machen Mr. Hurley und die Pulveraffen – auf ihrer Route quer über gefühlt alle Mittelaltermärkte der Republik haben sie sich auch nach Cuxhaven verirrt und stehen nun einem etwas moderneren und besser geduschten (hoffentlich) Publikum gegenüber. Dieses haben sie mit viel Witz und eingängigen Nummern fest in der Hand, sodass die Stimmung bei der Festivaleröffnung keine Wünsche offen lässt. Ist ja auch klar, wer im Norden „An der Nordseeküste“ in sein Set integriert, weiß, wie man Fischköppe fängt.

Versengold (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

 

Musikalisch nicht weit entfernt stehen Versengold bereits nach kurzer Zeit in den Startlöchern. Die Musiker machen einen sauberen und professionellen Job, können jedoch die Stimmung von zuvor nicht halten.

Etwas anders sieht dies nach kurzer Zeit bei Die apokalyptischen Reiter aus. Die Menge an sich ist zwar etwas geschrumpft (mittlerweile sind auch die Parties auf der Electric Island und der Jever Hafenbar in vollem Gange), aber die, die geblieben sind, haben Bock auf Reitermania und bekommen neben einer blutigen Bühnendeko am Ende des Sets auch noch ne Menge großer Bälle zum spielen. Harte Typen!

Die apokalyptischen Reiter (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

 

Ganze ohne Bälle und Schnick Schnack ziehen Kadavar das Publikum in ihren Bann und befördern die Leute auf direktem Weg in die vernebelten 70er. Der wunderbar dichte, psychedelische Sound der drei Berliner stellt an dieser Stelle bereits eines der ersten Festivalhighlights dar und hätte sicher auch auf einer der großen Bühnen funktioniert.
Wer im Anschluss noch Lust auf mehr hat, hat die Wahl zwischen allen kleinen Festivalbühnen, welche mit verschiedensten Programmen bis spät in die Nacht aufwarten. Aber die schlauen Füchse wissen: Energie sparen ist Trumpf, für das, was da noch alles kommt.

Kadavar (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Freitag

Denn am Freitag geht es erst richtig los! Wer es geschafft hat, sich aus seinem staubigen Zelt zu pellen und sich den Weg über die apokalyptisch anmutenden Zeltplätze zu Bahnen wird vor der blauen Bühne von den gutgelaunten The Subways begrüßt, die die richtigen Songs für alle Rock’n’Roll Queens and Kings dabeihaben. Junger, dynamischer Sound und zahlreiche Wasserbälle animieren die Gäste, ordentlich Staub aufzuwirbeln, sodass das Festivalgelände bereits nach kurzer Zeit Drehort für ‘nen neuen Mad Max sein könnte.

The Subways (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Das Festival ist nun offiziell gestartet und die beiden Main Stages werden abwechselnd bespielt – eine Sache, die das Deichbrand besonders macht. Durch den Timetable haben die Besucher die Chance, alle Main Acts anzuschauen, ohne etwas zu verpassen, lediglich bei den kleineren Bands im Palastzelt müssen Entscheidungen getroffen werden.

Auf der roten Bühne zündet Chefboss ihre „Blitze aus Gold“ – Dancehall beim Deichbrand –

Chefboss (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

funktioniert bei dem Wetter super, löst jedoch in Publikum auch angeregte Diskussionen darüber aus, wohin der musikalische Weg des einstigen „Rockfestival am Meer“ noch führen wird. Untermauert wird diese Diskussion vom nachfolgenden Act SSIO – wer auf testosterongeladenen, nicht immer korrekten Rap steht, kann sich das antun, oder nutzt die Zeit, um das immer größer werdende Festivalgelände zu erkunden.

Alles wirkt modern, jung und frisch. Statt ewiger Reihen von Dixieklos, die sich nur noch vereinzelt antreffen lassen, gibt es überall verteilt Containerblöcke mit Spültoiletten. Ein Glücksfall bei diesem Wetter! Auch die Fressbuden bieten keine lauwarme 0815 Pizza oder fragwürdige Dönergerichte mehr an, sondern gleichen einem Streetfoodfestival. Alles ist frisch, abwechslungsreich und sündhaft teuer.

Impressionen vom Deichbrand Festival (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Festivals sind schon lange nicht mehr der ranzige Rock’n’Roll Scheiß, den wir so lieben, aber gleichzeitig auch so hassen.

 

Ok Kid (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Zurück zu den Bühnen­. Auf der Fire Stage positionieren sich OK Kid, mit ‘ner ganz okayen Pop-Hip Hop Nummer, die vermutlich im Palastzelt besser gezündet hätte, als bei den Halbwachen in der prallen Sonne.

In eben diesem Zelt lohnt es sich, einen Blick auf Nothing but Thieves zu werfen. Wenn sie denn kommen. Nach einer halben Stunde Verspätung bedingt durch Gesundheits- sowie Verkehrsprobleme, schaffen sie es zum Glück doch noch auf die kleine Zeltbühne und verzaubern mit ihrem ungewöhnlichen Indie-Sound.

Amy MacDonald (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Zurück in der erbarmungslosen Sonne spielt bereits die charmante Schottin Amy MacDonald samt Band auf der Fire Stage ihre Ohrwurmhits wie „Mr. Rock’n’Roll“ & „This is the life“ und überzeugt auf voller Länge.

Allerdings ist es nun auch an der Zeit für etwas mehr Action. Hinter der blauen Bühne werden noch fleißig Anzüge gebügelt und Schuhe poliert. The Hives werfen sich wie gewohnt in Schale, um die eh schon schwitzenden Massen endgültig auszupowern. Auch nach über 20 Jahren merkt ma,n bei den übermäßig von sich selbst überzeugten Herren um den wild über die Bühne wirbelnden Pelle Almqvist, keine Müdigkeit.

The Hives (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Und das steckt an. Große Staubwolken ziehen aus der tanzenden Menge gen Bühne und färben die feschen schwarz-weißen Anzüge in ein mattes braun, bevor sich die Band mit den Worten:

 „You’re welcome for this great show. This place is fucking filthy!“

vom Norddeutschen Publikum verabschiedet.

Wolfmother (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Fröhlich schwitzend ziehen die Menschen rüber zur Fire Stage und warten auf Wolfmother. Die Australier sind immer Garant für eine gute Show, doch an diesem Abend ist etwas anders. Zwar sitzen alle Songs von „Woman“ bis „Joker and the Thief“ perfekt und bringen das Publikum in Bewegung, aber auf der Bühne ist Stillstand. Die Musiker wirken energielos. Vielleicht liegt es an der Abwesenheit von Wirbelwind Ian Peres, welcher derzeit mit seiner anderen Band auf Tour ist.

 

Clueso (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Beim gewohnt routinierten Clueso gibt es eine kurze Verschnaufpause für die tanzwütigen. Aber wer glaubt, dass der Abend an dieser Stelle ein entspanntes Ende nimmt, hat nicht an den Headliner gedacht.

Auf der Fire Stage verteilt sich bereits der Nebel, das Strobo zuckt und Bässe wummern, kurz bevor Casper nicht nur die Bühne, sondern das ganze Festivalgelände für sich einnimmt. Nicht zuletzt dank seiner großartigen Live-Band und zahlreicher Genrebrüche schafft der deutsche Rapper es an diesem Abend einen dichten und gewaltigen Sound zu erschaffen, welchen es in dieser Form während des gesamten Wochenendes so nicht nochmal zu hören geben wird. Die Show an sich kommt im Gegensatz zu zahlreichen späteren Hauptacts ohne viel Bühnendeko oder anderem Showgehabe aus und ist trotzdem alles andere als langweilig. Den Headliner Slot hat er sich somit fest verdient.

 

Casper (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Samstag

Die Ohren klingeln noch immer von der Casper Show. Während die einen schon ordentlich mit Le Fly feiern, stehen die anderen noch im Stau. Auch der Samstag hat es musikalisch in sich.

Impressionen vom Deichbrand Festival 2018 (Foto: thea Drexhage bs! 2018)
Rogers (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Die Rogers wecken mit klassischem Deutschpunk auch die letzten, die noch in ihren Zelten brüten und finden klare Worte für das, was es im Moment in unserem Land zu kritisieren gibt. Das ist wichtig und richtig und sollte gerade im Rahmen solch großer Festivals öfter geschehen.

Etwas weniger ernst geht es bei Skinny Lister Zur Sache. Bewaffnet mit rauhem britishen Folk und einer Menge Bier wirbeln die sechs MusikerInnen aus London über die Bühne, als wäre es ganz normal, um 14:00 Uhr schon so gut drauf zu sein.

Skinny Lister (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Durch den immer wiederkehrenden aufgewirbelten Staub schweifen die Blicke jedoch

Von wegen Lisbeth (foto: Thea Drexhage bs! 2018)

immer wieder weg von der Band auf die Bühne neben an. Eine tropische Szenerie. Flamingos, wilde Pokemon und sich drehende Palmen. SO sieht Sommer ohne Staub aus. Das wollen alle. Jedoch kriegen es nur die Jungs von Von wegen Lisbeth, die sich quer durch das Grünzeugs ihren Weg auf die Bühne schlagen und mit ihrer frischen Indie-Pop Show vor allem das jüngere Publikum anziehen.

 

Im schützenden Schatten des Zelts haben es sich derweil die Monsters of Liedermaching beim Soundcheck bequem gemacht, welcher bereits eine Show an sich darstellt. Das Publikum bleibt jedoch überschaubar. Die meisten braten lieber in der Prallen Sonne mit Kontra K. Die Wahl ist natürlich jedem freigestellt, doch wer freiwillig ein bahnbrechendes Nasenflötensolo verpasst, hat irgendwie auch selbst schuld.

Monsters of Liedermaching (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
Editors (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Draußen dürfen dann endlich auch die lichtscheuen Briten von den Editors etwas Vitamin D tanken und das bekommt ihnen anscheinend ganz gut. Die eigentlich nicht so sonnigen Indie-Nummern der charmanten Editors funktionieren auch abseits der dunklen Clubs und Hallen ganz wunderbar. Vor allem ältere Songs wie „An end has a start“ genießen die Gunst des Publikums.

Zu den wundervollen Herren von Kettcar gibt es kaum etwas zu sagen, was in den letzten Monaten nicht schon geschrieben wurde. Die Hamburger Kultband veröffentlichte im letzten Jahr mit „Ich vs.Wir“ ein unglaublich wichtiges, deutschsprachiges Album und präsentierten es auf ausführlicher Tour. Umso schöner, dass sie noch ein Plätzchen für ihren klasse Auftritt beim Deichbrand freischaufeln konnte, die Menge weiß es zu schätzen!

Kettcar (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

 

Die erste richtige Enttäuschung wartet auf der Fire Stage gegenüber bei Mando Diao. Klar, die großen Hits wie „Gloria“ und „Down in the Past“ sitzen und werden gut angenommen, aber ansonsten schwächeln sowohl Performance als auch Gesang der Schweden. Hätten sie sich al ein paar Tipps von ihren Kollegen The Hives geholt.

Große Freude lösen jedoch die wiedervereinten MusikerInnen von Freundeskreis bei den Kindern der 90er aus. Max Herre, Joy Denalane, Afrob und zahlreiche andere MusikerInnen performen, als wären sie nie weg gewesen. Und auch im Gedächtnis der ZuschauerInnen sind Klassiker wie „Esperanto“ oder „A-N-N-A“ noch immer fest verankert.

Sind wir Menschen oder sind wir Tänzer?

Auch The Killers aus Las Vegas sind schon ein Weilchen im Geschäft und bereiten auf der Fire Stage ihre gewaltige Show vor.

Zahlreiche bunt blinkende Lichter, Videoleinwände, Laserprojektionen und die größten Konfettikanonen, die das Deichbrand je gesehen hat, umschmücken den sonst eher kargen Auftritt der Musiker. Der Sound ist irgendwie off, der Gesang von Brandon Flowers schwächelt und die ewigen Kunstpausen versteht auch keine Sau. Als sie endlich „Mr. Brightside“ spielen, wird ihnen jedoch alles verziehen.

Impressionen vom Deichbrand Festival 2018 (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Erste Gedanken zur Festivalentwicklung machen sich breit. Warum brauchen die Bands immer mehr Konfetti, Bühnendeko oder metergroße Luftballons, wenn es doch eigentlich um die Musik gehen sollte?

Bilderbuch (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Bilderbuch scheißen als letzte Band des Abends auf diese Frage und verwandeln ihre Bühne in einen riesigen Knast. Meterlange Metallstangen stehen zwischen Bühnenboden und -decke. Dahinter die Musiker. Was sie verbrochen haben, weiß keiner so genau. Lediglich Sänger Maurice Ernst kann sich zwischen den schwedischen Gardinen hindurchschlängeln, um Kontakt mit dem Publikum aufzunehmen. Ein gelungen kunstvoller Abschluss des Samstags, der über die Schwächen von The Killers hinweg tröstet.

Sonntag

Alles bestuhlt bei Alligatoah (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
Alligatoah (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

The Final Countdown. Das Infield vor der Fire Stage ist bestuhlt. Mit richtigen Stühlen,

 

…nicht was ihr denkt, ihr Ferkel!

Auch wenn es beim Rapper Alligatoah naheliegend wäre. Dieser schlängelt sich bei seinem kabarettistischen Akustikprogram durch eine exakte Replikation einer Kanalisation und nutzt selbst jede Gelegenheit, um einen Fäkalwitz zu zünden. Textlich schrammt Alligatoah an jeder Grenze des guten Geschmacks, und das scheint genau das richtige, um die verstaubten Camper alle gleichzeitig auf’s Festivalgelände zu locken. Es ist brechend voll, an einem Sonntag um 12 Uhr. Respekt.

Ganz ohne Stuhl aber dafür auch ohne Stimme kommen Itchy (ehemals Poopzkid) auf der Bühne gegenüber aus. Statt den Auftritt wegen der Stimmprobleme von Sänger Sibbi abzusagen, leihen sich die Jungs einfach die Säner anderer Bands, die an diesem Tag auftreten, wie z.B.  Smile and Burns Phillip Müller. Gute Idee!

Itchy/Phillip Müller (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Eisbrecher (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Auf der Fire Stage wird’s dunkel. Der Eisbrecher mit Kapitän Alex Wesselsky läuft ein. Die alten neue deutsche Härte Pioniere sind zwar über die Jahre etwas zahm geworden, trotzdem ist es verwunderlich, dass sie zwischen dem sonst so gefälligen Line Up auf den Hauptbühnen gelandet sind. Generell hätten solche drastischen Stilbrüche öfter passieren dürfen, denn es funktioniert. Der Checker wickelt alle ZuschauerInnen mit seinem Charme um den kleinen Finger, sodass den meisten gar nicht auffällt, dass da mal kein Weichspül-Indie auf der Bühne läuft.

 

Etwas übernächtigt schlurfen die Jungs von Heisskalt auf die Water Stage, wachen jedoch mit den ersten Tönen ihrer eigenen Instrumente auf und liefern eine tolle, schnörkelfreie Rockshow, die im Publikum ein andauerndes Moshpit inspiriert. Rettung vor dem dabei aufgewirbelten Staub gibt’s nur im Palastzelt.

Heisskalt (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Dort spielen die Intergalactic Lovers aus Belgien. Kunstvoller Indie-Rock. Unaufgeregt.Schön. Atmosphärisch. Sängern Lara Chedraoui kriegt sie alle rum. Im Prinzip müsste Mensch sich jetzt die 5 Sterne Deluxe anschauen, aber bei den Intergalactic Lovers ist es so friedlich, dass man gern länger verweilt.

Intergalactic Lovers (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

…außerdem spielen direkt im Anschluss die fantastischen Gurr. Frech. Innovativ. Energievoll. Unangepasst. Aus Berlin. Von dem was hier im Zelt passiert könnten sich einige der großen draußen ‘ne Scheibe abschneiden…oder zwei…vielleicht 3.

Gurr (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Dein Zelt kann ein Zuhause sein, dein Schlafsack kann Leben retten.

 

Aber irgendwann muss jeder Mal das Zelt verlassen. Draußen spielt Bosse mit riesiger Kapelle. Auf dem Backdrop hinter ihm prangt ein riesiges Wassereis. Wie soll man sich da auf die Musik konzentrieren? Was hängen bleibt ist sein Engagement für Hanseatic Help und die Aufforderung, Zelte, Schlafsäcke und Ähnliches, was sonst wahrscheinlich zurückgelassen werden würde, für Hamburger Obdachlose zu spenden. So kamen nach dem Festival über 1000 Zelte, Isomatten und Schlafsäcke zusammen.

SDP haben sich in den letzten Jahren zu einer beliebten Festivalband gemausert. Der Song „Wo war ich in der Nacht von Freitag und Montag“ für viele Gäste sicherlich nachvollziehbar. Um sich wenigstens an etwas erinnern zu können, befördern die Musiker metergroße Bälle ins Publikum, die quer über das gesamte Festivalgelände befördert werden.

Atmo/SDP (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
Gloria (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Mit den Bällen zusammen bewegen wir uns noch einmal in Richtung Palastzelt. Gloria, die Band um Pro7 Phänomen Klaas Heufer-Umlauf spielt. Und auch dieser hat eine wichtige Nachricht für die Gäste dabei und kommt in Schwimmweste auf die Bühne. Im Anschluss an den ersten Popsong gibt es eine leidenschaftliche Rede für die Seenotrettung und gegen die, die diese Ablehnen. Danke dafür.

Und dann kommen sie. Die letzten Headliner. Die Toten Hosen. Campino hat sich glücklicherweise von seinem Hörsturz erholt und gibt auf der Bühne wie gewohnt 100%. Die Hits, wir kennen sie alle.

Das war es also. Das Deichbrand. Ein schönes Festival. Harmonisch, entspannt. Nicht zuletzt dank der hervorragenden Securities, die mehr können, als nur böse gucken. Man sieht sie tanzen, klatschen, und vor allem das ausgetrocknete Publikum mit Wasser versorgen, egal ob mit Flaschen, Eimern oder bunten Wasserpistolen.

Impressionen vom Deichbrand Festival 2018 (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Auch die Versorgung und das Programm rund um die Musik lässt beim Deichbrand keine Wünsche offen, abgesehen von den Werbepartnern, die Heliumballons verteilen, welche man in regelmäßigen Abständen in den Himmel steigen sieht. Neben dem üblichen Müll, der auf einem Festival dieser Größe anfällt und dem Mikroplastik, dass sich 50% der BesucherInnen in Form von Glitzer ins Gesicht schmieren, stellen diese gerade wegen der Nähe zur Nordsee einen besonders großen Wermutstropfen da, denn was diese in der Umwelt anrichten können, sollte dank der aufklärenden Arbeit von Sea Shepherd und anderen Umweltschutzorganisationen, die sich auf häufig auf Festivals antreffen lassen, kein Geheimnis mehr sein. Es wäre schön, wenn solche Details in den Folgejahren besser durchdacht werden würden, denn davon abgesehen, ist das Deichbrand Festival ein tolles und friedvolles Event für die Region.

Impressionen vom Deichbrand Festival 2018 (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

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