Triggerfinger: Colossus (2017) Book Cover Triggerfinger: Colossus (2017)
Independent, Rock
Mascot Label Group (Rough Trade)
25.08.2017
www.triggerfinger.net

Tracklist:

  1. Colossus
  2. Flesh Tight
  3. Candy Killer
  4. Upstairs Box
  5. Afterglow
  6. Breathlessness
  7. That’ll Be The Day
  8. Bring Me Back A Live Wild One
  9. Steady Me
  10. Wollensak Walk

Nach drei Jahren verwöhnen die gut gekleideten Herren aus Belgien ihre Fans mit einem neuen Album. Colossus heisst es, ist das fünfte Album der Band und umfasst in insgesamt 36 Minuten zehn gewöhnungsbedürftige Songs Spielfreude. Aufgenommen mit Produzent Mitchell Froom in Santa Monica in altbewährter Besetzung: Ruben Block (Gesang, Gitarre), Paul Van Bruystegem (Bass) und Mario Goossens (Schlagzeug). Als Gast unterstützt Saxofonist Steve Berlin bei drei Songs. Soweit erstmal zu den Rahmendaten.

Und sonst? Nachdem die drei Herren aus Antwerpen sich auf vielen Festivals und Konzerten das Prädikat die lauteste Band Antwerpens zu sein hart erarbeitet haben, setzen sie mit Colossus einen neuen Punkt in ihrem künstlerischen Schaffen. Und der ist etwas gewöhnungsbedürftig und ruft zumindest beim ersten Hören Überraschung hervor. Und einen irritierten Sicherheitscheck, ob das auch wirklich das neue Album von Triggerfinger ist. Aber nein, eindeutig, es ist das neue Album von Triggerfinger. Zurück bleibt eine Unsicherheit, ob dieses Album nun in die Schublade gut, schlecht, gelungen, gefällt oder gefällt nicht passen könnte. Oder was das jetzt eigentlich für eine Entwicklung ist, die die Band da auf Disk gebannt hat?

Aber vielleicht gehört das Album auch in gar keine Schublade. So wie die Band selber auch. Seit ihrem Überraschungshit 2012 haben die Belgier einen Stempel bekommen, der ihnen nicht gerecht wird und der auch nicht ihre musikalische Ausrichtung und ihr musikalisches Können widerspiegelt. Die Rede ist von dem brillanten Cover von "I Follow Rivers" der Schwedin Lykke Li. Aus dieser Schublade sind Triggerfinger bereits mit dem Vorgängeralbum By Absence Of The Sun ausgebrochen. Und wenn dieses Album die durch den „I Follow Rivers“ - Hit angezogene Fans noch mit einer hochgezogenen Augenbraue zurückgelassen hat, so sind diese Fans mit dem aktuellen Album sicherlich endgültig verschreckt.

Collossus steht auf einer Triggerfinger-typischen soliden rockigen Basis mit donnernden Gitarren Riffs, klaren Drums, eingängigen Bassläufen und der markanten Stimme Ruben Blocks. Garniert wird diese Basis mit diversen Soundeffekten, musikalischen Spielereien und mit verschiedenen Ausflügen in unterschiedliche musikalische Genres. Diese soundtechnische Gesamtheit lässt viele Songs überlagert erscheinen und das Zuhören wird dadurch schnell anstrengend.

Der Einstieg in das Album bildet der Song "Colossus" und der verheißt zunächst viel: rockig, sperrig, mitreißend. Ein Song zum laut hören. Und mit allen Triggerfinger-typischen Prädikaten: derbe Gitarren, eingängige Riffs, knackiger Beat, markante Stimme. Der darauffolgende Song "Flesh Tight" knüpft an diesen gesetzten Einstieg an. Rockig, eingängig, die Hand zuckt zum Lautstärkeknopf, ein Lächeln umspielt die Lippen. Auch das nächste Lied lässt den Zuhörer noch positiv gestimmt zurück. Zumindest zunächst. Leider verliert sich "Candy Killer" sehr schnell in irgendwelchen Soundeffekten, der Gesang wird verzerrt, die Disharmonien häufen sich und ein erstes Irritiertsein macht sich breit. Diese Irritiertheit wird durch den Folgesong "Upstairs Box" nicht besser. Eine Mischung aus James-Bond-Titelsong mit seichten Soundeffekten. Gäbe es ein Video würde jetzt ein Einhorn unter einem leuchtend bunten Regenbogen über eine quietschgrüne Wiese springen.

Daraufhin folgt ein kurzes Atemholen bei der Quoten-Ballade des Albums "Afterglow". Aber auch dieser Song wirkt wie eine seltsame Mischung verschiedenster Genres. Immerhin schmerzt die Musik nicht in den Ohren und die Soundeffekt-Spielereien halten sich auch in Grenzen. Die darauffolgenden Songs stehen wieder eher in der rockigen Triggerfinger-Tradition, erreichen aber nicht die musikalischen Höhepunkte, die Triggerfinger ausmachen. Die Songs wirken etwas lahm, abgedroschen und einfallslos. Erst mit "Bring Me Back A Live Wild One" gelingt Triggerfinger noch ein eingängiger Rocksong, der aber leider durch die verzerrte Stimme Ruben Blocks gleich wieder an Klasse verliert.

Den Abschluss des Albums bilden "Steady Me" oder auch ein Ausflug auf den Rummelplatz. Ein irritiertes Stirnrunzeln übernimmt wieder die Oberhand. Und wird mit dem letzten Song des Albums "Wollensak Walk" noch verstärkt. Diesen Song würzt Triggerfinger mit einer derben Prise Country, greift aber eindeutig zu tief in die Wüstensand – Kiste, so dass der meiste Sand im Getriebe landet und der Song leiernd, quietschend und holpernd die CD beendet.

Daher lautet das zusammenfassende Resümee: Kein leicht verdauliches Album, Prädikat gewöhnungsbedürftig mit einem Hang zur Besserung durch mehrfaches Hören. Und es schleicht die leise Hoffnung mit, dass Triggerfinger diese ganzen Soundeffekte live bestimmt nicht reproduzieren können. Wir werden sehen!