Thirty Seconds To Mars: Love Lust Faith + Dreams (2013) Book Cover Thirty Seconds To Mars: Love Lust Faith + Dreams (2013)
Capitol (Universal)
17.05.2013

Tracklist:

  1. Birth
  2. Conquistador
  3. Up In The Air [Explicit]
  4. City Of Angels
  5. The Race
  6. End Of All Days
  7. Pyres Of Varanasi
  8. Bright Lights [Explicit]
  9. Do Or Die
  10. Convergence
  11. Northern Lights
  12. Depuis Le Début

 

Gut elf Jahre nach dem Release ihres Debüt-Studioalbums brachten 30 Seconds To Mars im Mai dieses Jahres ihre vierte Scheibe mit dem Titel "Love, Lust, Faith and Dreams" heraus. 

Starke, emotionsgeladene Worte, die bereits erahnen lassen, worauf man sich bei diesem Album einlässt. Oder zumindest erwartet, sich darauf einzulassen.

Schon der Einstieg ins Album beginnt mit einer gehörigen Portion Dramatik. “Birth” ist der erste Track der Platte. Dramatische Beats und ein leidend dahingeschluchztes "I will save you from yourself" zielen gleich darauf ab, den Weg zu weisen. Nämlich hinab, in die finsteren Tiefen von Herz, Schmerz, und Seele. Diese gleich am Anfang effektvoll kreierte Atmosphäre zieht sich auch weiterhin durch das ganze Album. Oder soll sich hindurchziehen, wenn man nach den Lyrics geht. Denn nach einem derartigen Intro würde man eher finsterere Klänge erwarten, als die, die dann tatsächlich folgen.

Ernüchtert wird man spätestens mit der Single-Auskopplung “Up In The Air”, die - natürlich radiotauglich produziert - eher an einen Stadion-Mitgröl-Song erinnert, als mit der mit apokalyptischer Inbrunst gesungenen Frage "Is this the end?" zu harmonieren. Das darauffolgende “City Of Angels” macht die Sache leider auch nicht viel besser. Zugegeben, “Up In The Air” ist als Single-Auskopplung im Grunde gar keine so schlechte Wahl. Die Radiotauglichkeit stimmt, der Song geht ins Ohr. Als Stand-Alone-Nummer funktioniert das Ganze durchaus. Als repräsentativer Song für eine Scheibe, die zumindest von den Texten her einen düsteren Inhalt hat, taugt der Track allerdings nicht wirklich. Andererseits scheinen die zwei eben genannten Songs von der Stimmung her vor dem nun folgenden düsterrockigen, und eindeutig besser zum Intro passenden "The Race" ohnehin deplaziert. Man merkt, der rote Faden auf diesem Album zieht sich lediglich durch die Lyrics; musikalisch ist er nicht unbedingt erkennbar.

Doch zumindest inhaltlich bleibt die Band konsistent. Frontman Jared Leto besingt den Weltschmerz, und obwohl zwischenzeitlich Augenblicke der Hoffnung und die durchgängig schwermütige Atmosphäre durchziehen, hat man manchmal fast schon den Eindruck, als wäre der Weltuntergang Teil dieser Träume, der Erlösung verspricht. Das beste Beispiel hierfür sind “End Of All Days” und “Pyres Of Varanasi”. Während in "End Of All Days" noch ein Schimmer Hoffnung übriggeblieben zu sein scheint, wirkt das instrumentale “Pyres Of Varanasi” wie ein Gang zum Schafott.

Der letzte Teil des Albums kommt dann wieder ein wenig optimistischer rüber. “Bright Lights” und “Do Or Die” lassen vermuten, dass die sprichwörtliche Hoffnung wider aller Erwartung doch immer zuletzt stirbt. Um der Doomsday-Thematik aber treu zu bleiben, legen 30 Seconds To Mars mit “Convergence” und “Northern Lights” noch mal düstereres Material nach. Erfreulicherweise klingt "Northern Lights" genauso, wie man es sich vom "Birth"-Intro ausgehend für die ganze Scheibe gewünscht hätte. Dramatisch, emotionsgeladen, effektiv arrangiert, und die Grundstimmung der CD widerspiegelnd, hätte diese Nummer das Zeug zum Titeltrack für einen Fantasyfilm - und Hitpotential obendrein. Insgesamt findet man auf der ganzen Platte keine harten Klänge, aber dafür Melancholie satt. Wenn auch nicht immer musikalisch.

Nach dem Vorgänger-Album "This Is War" (2009) schien es Hoffnung zu geben, dass 30 Seconds To Mars mehr sind als nur eine radiotaugliche Pop-Band. Als sich die Band dann aber mit Kanye West zusammentat, um die Single "Hurricane" von jenem Album einzuspielen, schwanden die Hoffnungen bereits wieder dahin. Nicht unberechtigterweise, wie man mit "Love, Lust, Faith, and Dreams" feststellen muss. Der Versuch, auf ihrer neuesten Scheibe übertriebene Dramatik, Weltuntergangsstimmung und Dance/Pop-Elemente miteinander zu verknüpfen, scheitert leider kläglich. 30 Seconds To Mars fahren weiterhin eine Schiene, die an Bands wie My Chemical Romance oder Muse erinnert. Teilweise kommen einem sogar Bon Jovi oder U2 in den Sinn, wenn man Songs wie "City Of Angels" hört.

Was man dem Album dennoch nicht absprechen kann, sind die fetten Beats, die dem ganzen doch noch Leben einhauchen. Jared Leto spielt die Überdramatisierungskarte etwas zu oft aus, was leider auf Kosten der Songs geht. Weniger wäre mehr gewesen.