Steel Panther: Heavy Metal Rules (2019) Book Cover Steel Panther: Heavy Metal Rules (2019)
Glam-Rock
Steel Panther Inc.
27.09.2019
www.steelpantherrocks.com

Tracklist:

  1. Zebraman
  2. All I Wanna Do Is Fuck (Myself Tonight)
  3. Let`s Get High Tonight
  4. Always Gonna Be A Ho
  5. I`m Not Your Bitch
  6. Fuck Everybody
  7. Heavy Metal Rules
  8. Sneaky Little Bitch
  9. Gods Of Pussy
  10. I Ain`t Buying What You`re Selling

Steel Panther, die Band die nie schläft. Erneut bringt die Band aus der Stadt der Rockstars, Los Angeles, ein Album auf den Markt. Und wie gewöhnlich handelt es sich dabei um einen Rundumschlag von Sex, Sex, noch mehr Sex, Drugs & Rock N Roll. 10 Songs, die softpornografische Themen abhandeln und diese in feinsten Glam Rock verpacken.

Das Cover von „Heavy Metal Rules“ erinnert an den Kurzfilm „Kung Fury“. Ein aufgemotzter Draufgänger-Wagen, ein schwarzer Panther (was sonst), eine sexy Lady mit einer Axt, die andere mit Tigerprint-Gitarre, Feuerwerk, Regenbogen und die Krönung des Ganzen: die Band kommt auf einem Weißkopfseeadler angeritten. Dieses Meister-Artwork an Cover ist so trashig und mit Klischees bestückt, es wurde höchstwahrscheinlich von Photoshop Philipp erstellt. Das Album umfasst knapp über 35 Minuten Spielzeit. Doch diese recht kurze Dauer erscheint wie eine halbe Ewigkeit.

Man hat nach wie vor das Gefühl, die Band würde die Songs beim Masturbieren schreiben

während sie ihre wilde imaginäre (Wunsch-) Jugend besingen und dieser offensichtlich innerlich nachtrauern. Der Jugend- und OP-Wahn von Sänger Michael Starr sprechen Bände. Dass sie musikalisch gut sind, müssen Steel Panther schon lange nicht mehr beweisen. Sie liefern solide Qualität mit schlüpfrigem Inhalt. Mehr als ein Song ist sehr catchy, allerdings nur für den Augenblick und zu einem richtigen Hit fehlt der zündende Funke.

Eigentlich fängt es gut an. Nach dem Intro ertönt die erste Single „All I Wanna Do Is Fuck (Myself Tonight)“ und überträgt gleich das Versprechen der Band, die selbst sagt: „…"Heavy Metal Rules" ist das ultimative Party-Album. Die hymnenartigen Lieder werden der Soundtrack zu deinem neuen, verdammten Heavy-Metal-Leben liefern. Die erste Single, 'All I Wanna Do Is Fuck (Myself Tonight)', ist der ultimative Track über Selbstliebe und ein positives persönliches Selbstbild. Es ist die Art von Song, die man auflegt, um sich in Stimmung zu bringen, egal ob man sich auf Sex mit sich selbst oder 17 Mädchen hintereinander vorbereitet.“ Und genau dieses Lebensgefühl vermittelt der Song. Eine Partyhymne zum Mitsingen, Aufheizen und Abfeiern. Auch das Musikvideo ist äußerst unterhaltsam. Als übergreifendes Thema spiegelt es den Film „Hangover“ wieder, spielt dementsprechend in Las Vegas und enthält u.a. Szenen aus Filmklassikern wie „Die durch die Hölle gehen“. Auch die Gastauftritte von Comedians, Musikern und Youtubern können sich sehen lassen.

Doch dann flachen die Songs ziemlich schnell ab. Es gibt leider kaum einen erwähnenswerten Earcatcher. Das Album plätschert entlang der Durchschnittslinie vor sich hin und gerät schnell in Vergessenheit. Bei „Let’s Get High Tonight“ hat man das Gefühl, man kenne es schon beim ersten Mal auswendig – und zwar nicht im guten, sondern eher im „den Song hatten sie doch schon auf dem anderen Album, nur in besser“ Sinne.

Es ist tragisch, denn die Hooks und Melodien sind grandios, doch fehlt es Steel Panther an der Kreativität sich von ihrem üblichen Teenager-Geplänkel weg- und weiter zu entwickeln. Sie scheinen auf der Stelle zu treten und nicht über die Erfolge der ersten Alben hinaus zu wachsen. Es gibt keinen Song mehr, der so richtig raussticht und erwähnenswert wäre. Das Video zur Ballade „Always Gonna Be A Ho“ erzählt die Geschichte des ersten Musikvideos weiter und wertet den Song zumindest optisch ein wenig auf, so dass man nicht völlig wegnickt.

Ewige Jugend aka nie endende Pubertät?

Steel Panther bleiben in ihrer Glam-Rock-Pubertät stecken und wollen nicht erwachsen werden. Das Publikum jedoch entwickelt sich weiter und der Sexappeal der Band geht durch diese Auseinander-Entwicklung verloren als würde man aus einem langen feuchten Traum erwachen und auf sein pickeliges, peinliches, stimmbrüchiges Ich zurück blicken. Es scheint wie die Wiederholung der Wiederholung oder wie ein Film, der eigentlich nur eine Folge haben sollte. Doch da der Film gut lief, werden noch Teil 2, 3 und 4 gedreht, die nicht mal annähernd an den Ursprung ran kommen.

Was zum Durchbruch von Steel Panther noch originell und charmant lustig erschien, bekam im Laufe der Jahre einen Bart und man ringt sich nur noch ein müdes Lächeln ab. Es ist wie bei den Liveshows, erst ist man begeistert von dem Unterhaltungsfaktor, doch irgendwann wartet man nur noch auf die üblichen Hits, denn hat man die Live-Show 2-3 mal erlebt, kann man die langatmigen Ansagen und Sprüche die zwischen den Musikern fallen bereits auswendig lipsyncen. Ich hoffe es geht der Band nicht wie der gesamten Hairmetal-Ära: nämlich dass es damit vorbei ist. Doch ich fürchte, wenn Steel Panther kontinuierlich so weitermachen und keinen neuen interessanten Twist für ihren Stil finden, halten sie die Stange wirklich nicht mehr lange hoch. Dann lieber weniger Alben aus dem Ärmel schütteln und dafür etwas länger darüber brüten und tüfteln.