Murderdolls: Women & Children Last (2010) Book Cover Murderdolls: Women & Children Last (2010)
Roadrunner Records
27.08.2010
www.murderdollsband.com

Tracklist:

  1. The World According To Revenge
  2. Chapel Of Blood
  3. Bored 'Til Death
  4. Drug Me To Hell
  5. Nowhere
  6. Summertime Suicide
  7. Death Valley Superstars
  8. My Dark Place Alone
  9. Blood Stained Valentine
  10. Pieces Of You
  11. Homicide Drive
  12. Rock N Roll Is All I Got
  13. Nothing's Gonna Be Alright
  14. Whatever You Got, I'm Against It
  15. Hello, Goodbye, Die

Totgesagte leben länger. Nachdem man kaum noch zu hoffen wagte – sofern dies überhaupt jemals zur Debatte stand - dass die Murderdolls zurück kommen würden, stehen sie nun mit einem neuen Album vor den Toren der Musikwelt. Die „Fuck“-Phase haben sie hinter sich gelassen, Frontmann Wednesday 13 kämpfte sich musikalisch 8 Jahre im Alleingang durch Zombiewelten, rang mit Werwölfen und flüsterte Zaubersprüche mit den Hexen, um nun von diesen düsteren Gestalten gestählt, eine Mission zu erfüllen. Der Plan klingt simpel, dürfte aber gewiss alles andere als einfach sein, denn nach eigenen Aussagen sind die Murderdolls im Auftrag „den Rock N Roll zu retten“ unterwegs.

Erklingen die ersten Töne des Albums mit Mission, das auf den Namen „Women & Children Last“ hört, fällt es einem schwer zu glauben dass dies in irgendeiner Weise den Rock N Roll retten könne. Der Gesang klingt sauberer, es fehlt es ein wenig an der Energie und Wut, mit denen Wednesday 13’s Soloalbum vollgepackt waren. Die gesamten Aufnahmen haben ihren Rotz und Schmutz verloren, sind dafür aber natürlich qualitativ immens gestiegen. Hat man diesen ersten Schock überwunden, gewöhnt man sich ganz schnell an den etwas erwachseneren Sound der Murderdolls.

Eine gute Portion Mötley Crüe, zu der Mötley’s Sologitarrist Mick Mars höchstpersönlich auch ein wenig beisteuert. Hinzu kommen in großem Maße Horrorpunk und speziell Misfits Einflüsse. Alles gepaart mit Wednesday 13’s Stimme ergibt dies eine großartige Mischung, in die ein Fan mit Murderdolls-Vorkenntnissen zwar erst reinfinden muss, es aber am Ende hoffentlich lieben wird.

Joey Jordisons Schlagzeugspiel hat hier in keinster Weise etwas mit seiner Hauptband (oder Nebenprojekt? 😉 Slipknot zu tun. Doch knackig und druckvoll kommen sie trotzdem rüber. Auch in Sachen Gitarre wird nun ein breiteres Spektrum genutzt – das ein oder andere Riff lässt aufhorchen und begeistert den Zuhörer. Und auch wenn beim ersten Hinhören der Gesang stellenweise nicht gar so wütend wie gewohnt klingt, so bleiben doch die Texte voll Zynismus, schwarzem Humor und einer Prise harmloser Gewalt. Songs zu denen man sich eher mit dem ganzen Körper bewegt statt nur mit dem Kopf zu bangen. Eine ganz neue Seite der Murderdolls, wie es auch bereits angekündigt wurde. Auch wennn die Murderdolls bei Songs wie „Drag Me To Hell“ oder „Bored Till Death“ ordentlich rocken,  geht es meist nicht über guten alten L.A. Rock N Roll im Mötley Crüe Stile hinaus. Wer sich damit abfinden kann ist mit dem neuen Album gut bedient.

Zwar knüpfen Murderdolls an die 8 Jahre zurückliegende Vergangenheit an, doch haben sie sich auch so stark weiterentwickelt, als hätten sie die ganzen Jahre Album für Album veröffentlicht – von den Kinderschuhen quasi an der Pubertät vorbeigerauscht und direkt in der Erwachsenenwelt angekommen. Die Auf‘s und Ab‘s, die viele Bands durch ihre „Mindestens-Ein-Album-Pro-Jahr“-Plattenverträge durchmachen müssen, bleiben dem Fan hier erspart. Ob das gut oder schlecht ist, ist bei diesem Werk ganz stark vom Geschmack als auch der Flexibilität der Fanwelt abhängig.