Midnattsol: Where Twilight Dwells (2005) Book Cover Midnattsol: Where Twilight Dwells (2005)
Nadine Schmitt
Napalm Records
31.01.2005
www.midnattsol.com

Tracklist:

  1. Another Return
  2. Lament
  3. Unpayable Silence
  4. Haunted
  5. Desolation
  6. Enlightenment
  7. Tarefall
  8. Infinite Fairytale
  9. Pa Leting
  10. Dancing with the Midnight Sun
  11. Tapt Av Hap

 

Midnattsol ist norwegisch und heißt Mitternachtssonne und schon der Name der 2002 gegründeten deutsch-norwegischen Band klingt mystisch und viel versprechend.

Sängerin Carmen Elise Espanaes und Gitarrist Chris Hector riefen das Projekt ins Leben und bezeichnen ihre Musik in der nunmehr kompletten Band-Formation als Nordic Folk Metal. Natürlich interessierte man sich einerseits für die alten, nordischen Mythen und Geschichten, andererseits geht es in den Songs aber auch um Liebe, Natur und Verlust.

Die klare, weiche Stimme von Carmen Elise Espanaes gibt den Tracks etwas Geheimnisvolles, teilweise etwas Kühles und Gespenstiges, teilweise etwas Betörendes und Sanftes, während Chris Hector und Daniel Droste an den Gitarren und Birgit Ölbrunner am Bass rocken. Dieser Zusammenklang macht aus dem Album „Where Twilight Dwells“ eine interessante Mischung aus typischem Melodic-Metal und fast altertümlichen Folk-Klängen.

Eines der eindrucksvollsten Stücke auf „Where Twilight Dwells“ ist der fünfte Song, „Desolation“, eine sehr einfühlsame und bewegende Ballade über Einsamkeit und den Wunsch nach Liebe. Carmen Elises Stimme ist bei diesem Track besonders bezaubernd, da sie so eine separate, minnesangähnliche Melodie erzeugt.

So abwechslungsreich wie beeindruckend ist auch „Tarefall“, ein ruhiger aber melodisch eingänglicher Song, bei dem die Künstler auf harte Metal-Klänge völlig verzichten und Akustikgitarren das instrumentale Kernstück bilden. Hier kommt das „Folk“ aus der Stilrichtung-Bezeichnung Nordic Folk Metal wohl am besten zur Geltung.

Mit 7:55 Minuten ist „Tapt Av Hap“ der längste Track und neben „Pa Leting“ der einzige, der in der norwegischen Sprache gesungen ist. „Tapt Av Hap“ lehnt sich melodisch an die Hintergrundmusik der Eichbaum - Werbung, wobei ich leider nicht sagen kann, wer diese Melodie ursprünglich komponiert hat. Klanglich ist der Song wunderschön, gerade weil die Lyrics norwegisch sind – auch wenn unsereins nicht versteht, worum es geht (zumindest diejenigen, die der norwegischen Sprache nicht mächtig sind).

Als Newcomer zeigen Midnattsol viel Potential und eine Facettevielfalt und greifen zwar Elemente des Melodic- oder Symphonic-Metal auf, lassen ihre Musik jedoch trotzdem neuartig und individuell klingen. Teilweise könnten die Songs etwas mehr Pepp vertragen, hören sich zwar insgesamt sehr sinnlich an, haben aber leider noch keine „Umhau-Qualität“.

Und übrigens: Unbedingt mal auf der Homepage von Midnattsol vorbei schauen. Ist wirklich toll und fantasievoll gemacht, mit sehr schönen Bildern.

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Torsten Volkmer
Volkmr, der Gründer des ehemaligen Goth-Zine.de, verdingt sich „selbst und ständig“ als Linsenputzer bei volkmr fotografie ihm seine Knipsklitsche, hat sich als Chefredakteur 2.0 selbst recycelt, die Metalfriese abgeschüttelt und kämpft mit be subjective! erfolgreich gegen hausgemachte Langeweile, Schubladendenken und seine Profilneurose an. Manchmal darf er auch die RedakteurInnen rumfahren oder Wassereis abstauben.