Long Distance Calling: Ghost (EP) (2021) Book Cover Long Distance Calling: Ghost (EP) (2021)
Postrock
Avoid The Lights Records
26.02.2021
www.longdistancecalling.com

Tracklist:

  1. Dullahan
  2. Old Love
  3. Black Shuck
  4. Seance
  5. Fever
  6. Negative Is The New Positive

 

In diesen derzeitigen teils verzweifelten Zeiten ist Musik stets ein Anker, der einem hilft, die aktuelle Situation besser zu verarbeiten, sich wohliger in seine eigenen vier Wände zurück zu ziehen oder aber auch sich neue Traumwelten mit einem anderen Realitätsgefühl aufleben zu lassen. Um dies aber auch verwirklichen zu können, benötigt man dafür die passende musikalische Grundlage. Das dies die Münsteraner Long Distance Calling bieten, steht ganz klar außer Frage, denn mit ihrem letztjährigen Album „How Do We Want To Live?“ haben sie es erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie man durch Eintauchen in deren Musik in eine völlig andere Welt gelangen kann. Für mich war diese Platte eines der absoluten Jahreshighlights und umso erfreulicher ist es, dass nun ein kleiner feiner Nachschlag in Form der EP „Ghost“ serviert wird.

Doch, halt! Wer nun denken mag, dass diese EP ist nur eine Art „Resteverwertung“ aus der vorherigen Album-Session ist, der irrt gewaltig. Im Gegenteil: „Ghost“ ist der „Quasi-Nachfolger“ zur 2014er „Nighthawk“- EP, die aus einer Jam-Session heraus entstanden und für die treusten Fans in geringer Stückzahl gepresst wurde. Die vier Jungs fühlten sich aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen eingeschränkten Auftrittsmöglichkeiten höchst kreativ und verschanzten sich für drei (!) Tage, ohne irgendeiner Songidee oder sonstigen musikalischer „Skizzen“ (!!), in ein größeres Haus und spielten drauf los. Das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen: Rund 33 Minuten Long Distance Calling und in einer Form, die hier ungeschliffener, direkter und auf eine gewisse Art „lebendiger“ klingt, zeugen nicht nur vor der spielerischen Kunst der Herren, sondern auch welch Kreativleistungen in ihnen schlummerten (wobei sie scheinbar nochmal produktiver und angespornter waren, als sie unter Zeitdruck gerieten).

„Ghost“ (der Titel bezieht sich auf den aktuellen Zeitgeist der Pandemie) trifft bei mir wieder einen musikalischen Nerv, der die verschiedensten Kopfkino-Szenarien auslöst. Umso treffender ist nicht nur das passende Artwork dazu (das Bild von dem Hund auf dem Dach stammt von Drummer Janosch Rathmer, der eines Morgens, als er mit seinem eigenen Hund spazieren war, ihn erblickte und mit seinem Handy dieses Foto knipste), sondern auch die cleveren (sowie passenden) Songtitel zu den jeweiligen kleinen Klangwelten. Besonders möchte ich „Fever“ hervorheben, der mich jedes Mal so mitreißt und dann mich staunen lässt, dass dieser Song „nur“ aus einem kurzzeitigen Jam und nicht über Wochen hinweg entstanden ist. Zutiefst beeindruckend!

Genau aus diesen Gründen finde ich, dass man Musik als nicht selbstverständlich erachten und als allgemeines „Massenprodukt“ abstempeln sollte. Diese EP ist erneut feinste Kunst der besten Instrumental-Postrock-Bands Deutschlands und verdient den Support der Fans. Daher ist „Ghost“ in physischer Form nicht im regulären Handel zu beziehen, sondern nur über das bandeigene Label Avoid The Light Records via www.longdistancecalling.merchcowboy.com. Aber seid schnell, denn auch wenn zwei weitere neue Vinyl-Varianten gepresst werden (die ersten drei Farben waren zu je 200 Stück und die neuen in derselben Anzahl aufgelegt worden), die CD-Version ist auch nur auf 1000 Stück limitiert. Streamen kann jeder, aber wahre Kunst muss man in den Händen halten können!

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Bei Mike handelt es sich im Einzelnen um allerhand mittelfränkische Verhandlungsmasse, ein wahrer Gentleman, ein wahrer Poet Den Löwenanteil seiner irdischen Sternzeit fristet Metalmike, wie wir ihn nennen, auf 49°17`60" N, 10°33`34" O in der Multi Media Abteilung eines Glücksgefühl-Sortimentas. In den 90ern war Gentlemicha der erste, der sich “Musik ist (mein) Leben!” auf die Pommesgabel hat tätowieren lassen, deswegen reichte das Taschengeld auch nicht für ‘ne Baumpatenschaft. Weil Metalmike jeden Tag einen Clown frühstückt, sperren wir ihn in der Regel statt Jack in die Box und füttern ihn für den Rest des Tages hauptsächlich mit Rock- und Metalscheiben, von Weichspülern bis hin zum richtig steilen Zeug à la Mgla, Lifelover und Co.