IAMX: Echo Echo – (2020) Book Cover IAMX: Echo Echo – (2020)
Dark Electro
Caroline (Universal Music)
13.03.2020
https://iamxmusic.com/

Tracklist:

  1. I Come With Knives (Accoustic)
  2. Kiss And Swallow (Accoustic) [Explicit]

  3. Mercy (Accoustic) [Explicit]

  4. I Salute You Christopher (Accoustic)

  5. The Background Noise (Accoustic)

  6. You Can Be Happy (Accoustic)

  7. Bernadette (Accoustic)

  8. Spit It Out (Accoustic)

  9. Insomnia (Accoustic) [Explizit]

  10. The Power And The Glory (Accoustic) [Explizit]

  11. Surrender (Accoustic)

Mit einer schönen Regelmässigkeit von 2-3 Jahren dürfen Fans von Chris Corner alias IAMX mit einer neuen Platte rechnen. So auch diesmal. Und mit einer ebenso schönen Regelmässigkeit ist die Aufregung und Neugier gross, wenn das erste Mal die Play Taste betätigt wird. Denn Chris Corner ist dafür bekannt, unkonventionelle Wege zu gehen und dabei seine Fans zwischenzeitlich auf eine harte Probe zu stellen.

 Und auch diesmal ist Chris Corner neue Wege gegangen, indem er den Stecker gezogen und ein akustisches Album zusammengestellt hat, das ein bisschen wie ein Best of Album anmutet. Auf der Homepage ist über die Entstehung des neuen Albums folgendes zu lesen:„The awkward kid who spent a lot of time in his room became the iconoclastic artist who recently spent weeks in a converted homestead in the mojave desert staring at mountains, mining the silence around him, fastidiously regenerating the muscle memory in his fingers, and practising, and honing his new album, Echo Echo.”

Auf dieser neuen Platte finden sich insgesamt 11 Songs von den bisherigen Alben und erhalten einen neuen Anstrich, werden anders verpackt und neu interpretiert. Oder um es mit den Worten von Chris Corner zu sagen:

„A thing I always intended to do is an acoustic album. All my songs start on the guitar or the piano and only later become the monsters you hear on the records. This is about stripping them back and laying bare the origins of the songwriting.”

Nun, als Monster hätte ich seine Songs in den bisherigen Versionen nicht bezeichnet, eher als vielschichtiger und deutlich dem Elektro Genre zugehörig. Und vor allem kürzer. In der Akkustik Version werden einige Songs ein paar Minuten länger. So ist zum Beispiel «I come with knives» nun 7:42 Min. lang, «Spit it out» bringt es auf 6:31 Min. und «The Power and the glory» bieten nun 8:37 Min. Musikgenuss. Insgesamt wirkt die gesamte Platte ruhiger, geerdeter, gefühlvoller und um einiges zerbrechlicher. In dieser akustischen Version kommt die eigentliche Intention und die Message der einzelnen Songs viel deutlicher zum Vorschein, aber auch die Getriebenheit, der Schmerz und die Verletzlichkeit, die sich immer wieder durch das musikalische Werk von Chris Corner zieht.

 Bei dem Eingangssong «I come with knives» ist diese Zerbrechlichkeit, das Sehnen und Wünschen nun viel greifbarer und findet einen viel direkteren Weg zum Herz des Zuhörers. Und entführt den Hörer in andere Sphären, Klangwelten und Emotionen. Gerade durch die verlängerte Version, aber auch durch den gefühlvolleren Gesang gewinnt der Song deutlich an Tiefe, Emotionalität und Zerbrechlichkeit. Dieses Thema zieht sich durch das Album und es entsteht ein vielschichtiges, gefühlvolles, mitreissendes Album, in dem die Songs durch die akkustischen Instrumente, durch ihre Länge und insbesondere durch ihre neue Interpretation eine andere Dimension und Emotionalität erhalten.

Aber es wäre kein Album von Chris Corner, wenn sich nicht auch sein persönlicher Therapie-Aspekt in dem Album wiederfinden würde. «In loosing myself I find my true self. I am not alone in my feelings, be brave. Fear is an illusion. […] To recognize freedom is to gain it. It is allowed me to recognize my own freedom. And at the end this is what each of us is really looking for. […] After the darkest days of my life, the days of total ignorance and awareness. […] I remember what sorrow and joy are when I forgotten what love in live felt like. Like a dance with an endless lover.” So beginnt der vierte Song des Albums “I Salute You Christopher”. Klingt aber alles in allem ehre positiv und nach einem Sieg über seine persönlichen Dämonen. Und dieser ungewohnte Optimismus und Lebensfreude zieht sich durch das gesamte Album.

Chris Corner zeigt in diesem Album erneut seine Wandelbarkeit, sein musikalische Genialität und wie er seine Musik nutzt, um seine Emotionen, inneren Kämpfe und Dämonen zu kanalisieren, greifbar zu machen und im Zaum zu halten. Alles in Allem ein wiederum vollkommen anderes IAMX-Album, das den Hörer aber nicht verstört, sondern eher positiv und emtotianal berührt zurücklässt. Und vor allem lässt es den Hörer mit einem freudigen Lächeln im Hinblick auf die kommende Akkustik Tour zurück! Aber auch auf das nächste Album so in 2-3 Jahren: “The I AM in IAMX may imply stasis, a fixed state of being, but the X signifies the variable in mathematics and an unstoppable metamorphosis. IAMX will continue to evolve and is fiercely committed to deliver music that transcends genre, defies the rules of the music industry and cuts straight to the heart.”

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Judith Sander
Es gibt Sucht-Charaktere, die entsagen und es gibt andere, die setzen sich ins Epizentrum ihres Verlangens. Nein, Judith ist keine Schweizer Taschenmesserwerferin, sie ist bekennend schokoladensüchtig und metzelt ohne zu zucken für ‘ne Toblerone oder Eiscreme oder Tobleroneeiscreme oder.. na jedenfalls: Die Frau ist echt Zucker, echt hart drauf, hat ein feines Näschen, legt sich für die richtigen Dinge ins Zeug, in die Kurve und nascht am allerliebsten an kleinen, unbekannten Bands in ruhiger Atmosphäre. Wer die olle Genießerin dennoch ans Messer liefern will, sperrt sie – in einen rosa Rüschen-Alptraum gehüllt – mit stinkenden Dränglern ins Musikantenstadl und nimmt ihr das letzte Milkyway weg.