Balthazar: Fever (2019) Book Cover Balthazar: Fever (2019)
Independent, Rock
Play It Again Sam (Rough Trade)
25.01.2019
http://balthazarband.com/

Tracklist:

  1. Fever
  2. Changes
  3. Wrong Faces
  4. Whatchu Doin’
  5. Phone Number
  6. Entertainment
  7. I’m Never Gonna Let You Down Again
  8. Grapefruit
  9. Wrong Vibration
  10. Roller Coaster
  11. You’re So Real

 

Nachdem Balthazar ihre ersten drei Alben Applause (2010), Rats (2012) und Thin Walls (2015) veröffentlicht hatten, wurde es ruhig um die belgische Band. Die Band ging eher getrennte Wege und drei Bandmitglieder veröffentlichten Soloalben: der Leadsänger Maarten Devoldere unter dem Namen Warhaus, der weitere Leadsänger Jinte Deprez verbirgt sich hinter J.Bernardt und der Bassist Simon Casier veröffentlicht seine Musik unter Zimmerman. Alle drei Soloalben lassen den Einschlag des balthazarschen Stils erkennen und sind doch ganz eigenständige Projekte, in denen die Künstler sich verwirklicht haben.

Im Jahr 2018 passiert dann wieder was bei Balzthazar: es gibt einen personellen Wechsel und als nun reine Boyband und inspiriert durch ihre Soloarbeiten machen sich die Belgier an die Arbeit für ihr viertes Studioalben. Anfang 2019 ist es dann soweit: Fever ist erhältlich. Und in Form dieser elf neuen Songs schaffen es Balthazar auf ihren bisherigen Alben noch ordentlich eins drauf zu setzen!

Der Opener des Albums ist der gleichnamige Song Fever, ein eingänger Song, der durch experimentiellen Instrumenteneinsatz und einem groovigen Sound den Zuhörer sofort in seinen Bann zieht. Wenn ein Album so stark beginnt, ist der Zuhörer zwischen der Hoffnung, dass es auf dem Level weitergeht und der Befürchtung, dass das Pulver hiermit verschossen ist ein wenig hin und her gerissen. Bei Balthazar braucht der Zuhörer weder zu hoffen noch zu bangen: Das Album hält das Niveau des ersten Songs spielerisch und experimeniert mit verschiedenen Musikrichtungen, Instrumenten, Klängen und Vocals. So beginnt beispielsweise Wrong Faces, der dritte Song des Albums, mit einem eingängigen Basssolo. Eher ungewöhnlich. Aber gut! Und um diesen Basslauf baut sich der Song auf, ein groovig angehauchter Song über eine Frau und natürlich über Herzschmerz. Ein Thema, das sich in den unterschiedlichsten Facetten durch das gesamte Album zieht. Ebenso wie die Spielerei mit zwei Leadsängern und je nachdem mit bis zu 4 Backgroundsängern. Mutet teilweise nach Boyband an, ist es aber nicht. Es ist mehr ein Spielen mit der Stimme von Maarten Devoldere, der das Crooning in seinem Soloprojekt Warhaus perfektioniert hat, und es auch bei Balthazar nicht sein lassen kann. Seine Gesangseinlagen als Leadsänger tragen immer den Stempel der Verruchten, des Verbotenen, einer kurzen schmutzigen Affäre, durchzogen von einer düsteren Sinnlichkeit und immer mit einer gehörigen Portion Sexappeal. Kontrastiert werden diese lassziven Gesangsparts mit der Stimme von Jinte Deprez: eine klare angenehme Stimme mit einem Versprechen von Mehr, die den Zuhörer umschmeichelt, aber ohne den schmutzig-lassiven Unterton. Und beide Leadsänger werden durch die übrigen Bandmitglieder, aber auch durch den Einsatz von Trompeten, Posaunen, Violinen oder Saxophon im Hintergrund unterstützt, untermalt und verstärkt.

Und mit diesen Zutaten entsteht eine Mischung aus Rock, groovigen Sounds mit einer Prise R’n’B mit einem guten Schuss Independent, garniert mit Boybandaspekten und gespickt durch den experimentiellen Einsatz unterschiedlicher Instrumente. Insgesamt ein rundes viertes «Gute-Laune» Album, in dem die Band reifer, abgeklärter und stilsicherer geworden ist und den Hörer lässig durch das Album führt. Das Warten hat sich ganz klar gelohnt!

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Es gibt Sucht-Charaktere, die entsagen und es gibt andere, die setzen sich ins Epizentrum ihres Verlangens. Nein, Judith ist keine Schweizer Taschenmesserwerferin, sie ist bekennend schokoladensüchtig und metzelt ohne zu zucken für ‘ne Toblerone oder Eiscreme oder Tobleroneeiscreme oder.. na jedenfalls: Die Frau ist echt Zucker, echt hart drauf, hat ein feines Näschen, legt sich für die richtigen Dinge ins Zeug, in die Kurve und nascht am allerliebsten an kleinen, unbekannten Bands in ruhiger Atmosphäre. Wer die olle Genießerin dennoch ans Messer liefern will, sperrt sie – in einen rosa Rüschen-Alptraum gehüllt – mit stinkenden Dränglern ins Musikantenstadl und nimmt ihr das letzte Milkyway weg.