Amorphis: Silent Waters (2007) Book Cover Amorphis: Silent Waters (2007)
Wiebke Essert
Nuclear Blast
31.08.2007
www.amorphis.net

Tracklist:

  1. Weaving The Incantation
  2. A Servant
  3. Silent Waters
  4. Towards And Against
  5. I Of Crimson Blood
  6. Her Alone
  7. Enigma
  8. Shaman
  9. The White Swan
  10. Black River
  11. Sign (Bonustrack)

Amorphis beglücken mit der mittlerweile achten Studiolangrille. Dabei blicken die Finnen auf eine bewegte Geschichte zurück, die neben zwei Sängerwechseln, Ärger mit Plattenfirmen auch viele Hochs in Form von wunderschöner Musik beinhaltet. Thematisch bewegen sich die Finnen weiterhin in angestammten Gewässern und verwenden auch diesmal wieder Texte aus dem Nationalepos Kalevala.

Mit leicht dramatischem Beginn eröffnen Amorphis den Reigen mit „Weaving The Incantation“, bei dem Vocalist Tomi sofort unter Beweis stellt wie kraftvoll seine Stimme ist. Akzentuiert kommen seine Einsätze und auch die weiblichen Backgroundgesänge fügen sich stimmig ins Bild, so das Mitwiegen zum Takt der Musik schon vom ersten Augenblick an unvermeidlich ist. „A Servant“ beginnt mit mitreißenden Gitarren und mutiert durch die klangvollen Growls zum Nackenbrecher, ehe die klaren Gesangsparts in den Zwischenstücken die Schwermut unterstreichen. Das rasante Solo ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. „Silent Waters“ – nicht nur Titelgeber sondern auch eine wunderschöne Ballade – entpuppt sich als richtiger Ohrwurm, bei dem vor allem der wunderbar sanfte Gesang zum Träumen einlädt. „Towards And Against“ erinnert an alte „Am Universum“-Zeiten, da der gute, alte Gitarrensound ausgepackt wird, und auch „I Of Crimson Blood“ und „Her Alone“ tendieren vom Sound her in diese Ära. „Enigma“ weist einen recht folkigen Anstrich auf, während „Shaman“ ein rockiger aber gleichzeitig auch nachdenklicher Song ist. „The White Swan“ ist ein Wechselspiel zwischen Aggressivität und Gefühlsintensität. Und mit „Black Swan“ wird das Album rockend ausgeleitet, wobei Amorphis erneut ihre Liebe für verschachtelten 70ies Rock unter Beweis stellen.

Auf „Silent Waters“ machen Amorphis es und wieder ein bisschen schwerer, die „Hits“ sind mit Ausnahme von „Silent Waters“ nicht sofort herauszuhören. Stattdessen will das Album entdeckt werden: Feinsinnige Melodiebögen, verspielte Gitarren im Sinne von „verspielt, lebhaft sein“ nicht „sich verspielt haben“, abwechslungsreicher Gesang und die akzentuierte Verwendung der Sitar. Hinzu kommen die jeweiligen Stimmungen der Texte, die die Finnen in ihren Songs sehr gut umsetzen können. Womit man unweigerlich bei dem Sprichwort „Stille Wasser sind tief“ angelangt ist: Amorphis bescheren uns ein abwechslungsreiches, tiefgründiges Album, auf dem die Herren nicht nur zeigen, dass ein stilles Wasser ordentlich aufgewühlt werden kann, sondern dass sie auch die Entspanntheit besitzen, die zu einer Band mit ihrer Erfahrung, Können und Freude an der Sache gehört.