Review: Wenn Musik plötzlich mehr ist – Marlo Grosshardt im Felsenkeller (09.09.26, Leipzig)

Schon bevor Marlo Grosshardt die Bühne betritt, liegt an diesem Abend eine besondere Spannung im Leipziger Felsenkeller. Es ist diese Mischung aus Vorfreude, Erwartung und dem Gefühl, dass die Songs, die gleich gespielt werden, gerade ziemlich genau in ihre Zeit passen. Der 9. September 2026 wird deshalb nicht einfach nur ein Konzertabend, sondern einer, an dem Musik, Haltung und Gemeinschaft ganz selbstverständlich zusammenfinden.

Den Abend eröffnete Eala und damit eine Künstlerin, die nicht einfach nur als Vorband auf der Bühne stand, sondern von Beginn an ihren ganz eigenen Raum bekam. Dass sie später gemeinsam mit Marlo Grosshardt ihren gemeinsamen Song Kleinstadtpropaganda performte, war deshalb mehr als nur ein netter Moment – es fühlte sich wie eine logische Fortsetzung dieses Abends an. Überhaupt sind Marlos Konzerte immer wieder geprägt von großartigen Live-Künstlern, die seine Musik bereichern und gleichzeitig zeigen, wie viel Freude darin steckt, gemeinsam Musik zu machen. Man merkt einfach, dass hier niemand nur seinen Job macht. Hier haben Menschen Spaß daran, miteinander auf einer Bühne zu stehen.

Eala (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Manchmal ist eine Vorband eben nicht nur der Auftakt, sondern der erste Teil einer Geschichte, die später gemeinsam weitererzählt wird.

Und dann kam Marlo Grosshardt.

Seine Songs treffen gerade in dieser Zeit einen Nerv. Sie sind politisch, gesellschaftlich, manchmal unbequem und trotzdem immer menschlich. Zwischen all den großen Themen unserer Gegenwart geht es bei ihm nie nur um Schlagzeilen oder Parolen, sondern um die Menschen dahinter. Um Haltung, Zweifel, Wut, Hoffnung und die Frage, wie wir eigentlich miteinander umgehen wollen. Gerade deshalb wirken seine Texte live noch einmal anders. Vielleicht auch, weil man im Publikum merkt, dass viele genau das fühlen, was dort von der Bühne kommt.

Marlo Grosshardt (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Das Konzert selbst war immer wieder von seinen Ansagen geprägt. Marlo nahm sich Zeit, Geschichten zu erzählen, Gedanken loszuwerden und seine Songs einzuordnen. Dadurch entstand kein Konzert, das einfach nur von Lied zu Lied hetzte. Es entstand ein Abend mit Raum für Worte – und für das, was zwischen den Liedern passiert.

Musik kann Menschen zusammenbringen. An diesem Abend konnte man es sehen, hören und fühlen.

Die Setlist bot dabei eine richtig gute Mischung aus älteren Songs und den Stücken der neuen „Bildet Banden“-Platte. Vertraute Zeilen trafen auf neue Songs, die sich längst ihren Platz im Publikum erobert hatten. Und spätestens wenn ganze Reihen gemeinsam die Texte sangen, wurde klar, wie sehr diese Musik angekommen ist.

Überhaupt war die Stimmung im Felsenkeller etwas Besonderes. Immer wieder bildeten sich Chöre aus dem Publikum, die Marlos Songs gemeinsam weitersangen. Nicht nur leise Begleitung, sondern diese Momente, in denen plötzlich hunderte Stimmen einen Text übernehmen und die Bühne für einen Augenblick fast nicht mehr braucht. Man konnte förmlich spüren, wie wichtig dieser Abend für viele Menschen war. Da lag unglaublich viel Gefühl und Hoffnung im Raum.

Wenn ein Publikum zum Chor wird, weißt du, dass ein Song längst nicht mehr nur dem gehört, der ihn geschrieben hat.

Und natürlich durfte auch Marlos Posaune nicht fehlen. Statt sich damit auf die Bühne zurückzuziehen, zog es ihn mitten hinein ins Publikum. Ein Musiker, der zwischen seinen Fans steht, während um ihn herum gesungen und gefeiert wird – genau solche Momente machen seine Konzerte besonders. Später wurde es sogar noch etwas wilder, als Marlo für einen Song selbst in die Menge kam und dort kurzerhand ein kleiner Moshpit entstand.

Marlo Grosshardt (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Es sind diese Bilder, die von diesem Abend bleiben: Marlo mitten im Publikum, die Posaune in der Hand. Eala gemeinsam mit ihm auf der Bühne. Musiker, die sich gegenseitig sichtbar feiern. Ein Felsenkeller, der ganze Songs im Chor übernimmt. Und dazwischen immer wieder die leisen und lauten Momente, in denen man merkt, dass Musik manchmal genau das schaffen kann, was im Alltag so schwer geworden ist: Menschen zusammenzubringen.

Diese Songs sind keine Hintergrundmusik für eine verrückte Welt – sie sind der Soundtrack, um sich ihr entgegenzustellen.

Vielleicht ist das gerade die größte Stärke von Marlo Grosshardt. Seine Songs wollen nicht nur gehört werden. Sie wollen etwas bewegen. Und an diesem Abend im Felsenkeller konnte man sehen, dass sie das längst tun.

Marlo Grosshardt (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Ein Abend voller Haltung, Gemeinschaft und verdammt viel Gefühl. Und einer, bei dem man sich beim Nachhause gehen vielleicht ein kleines bisschen weniger allein mit dieser verrückten Welt fühlte.

Galerien (by Lydia Weise bs! 2026)

Eala (09.09.2026, Leipzig)

Marlo Grosshardt (09.09.2026, Leipzig)

Setlist:

  1. Intro Rasselbande
  2. Rasselbande
  3. Realität
  4. Christian Lindner
  5. Angestellt sein
  6. Im Walzerschritt Fahrradfahren
  7. Ein Spiel
  8. Du baust Träume
  9. Viel zu viel
  10. Kleinstadtpropaganda
  11. Kulissen
  12. Astronaut
  13. Kriege ohne mich
  14. Parallelwelt
  15. Timeline
  16. Geschichte schreiben
  17. Ein letztes Liebeslied
  18. Oma
  19. Partisanen
  20. Ohne Hände
  21. Big Ben
  22. Resümee, Pt.1
  23. Resümee, Pt.2
Marlo Grosshardt (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Links:

Eala

Marlo Grosshardt

Wildfire Music

Felsenkeller

Lydia Weise
Lydia Weisehttps://frlwunderlich.photography/
Lydia – im Fotograben auch als Frl.w.underlich bekannt (ein Name, der nicht zufällig so klingt, als hätte jemand ihre Eigenarten liebevoll zusammengefasst) – kam durch die berüchtigte Fotokatze Kristin zu be subjective!.Man könnte sagen, sie wurde weniger „rekrutiert“ und eher „stilvoll eingesammelt“, bevor sie überhaupt merkte, was passiert. Seitdem hält Lydia für be subjective! Konzertmomente fest: mit schnellem Blick, ruhiger Hand und einer guten Portion Humor, wenn das Licht mal wieder macht, was es will. Sie liebt die Mischung aus Energie und echter Emotion, die nur Live-Konzerte bieten. Abseits des Konzertwahnsinns arbeitet sie im sozialen Bereich – ein Ort, an dem zwar weniger Gitarren fliegen, aber sich dafür Menschen tummeln die genauso viel Charakter haben.

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