Es gibt Konzerte, bei denen man nach dem ersten Song weiß: Das hier wird laut. Und dann gibt es In Extremo. Da weiß man es spätestens beim ersten Feuerstoß.

Am Freitagabend kehrten die Mittelalter-Rocker im Rahmen ihrer „Carpe Noctem“-Burgentour ins Wasserschloss Klaffenbach zurück und das ist inzwischen fast schon Tradition. Denn In Extremo machen hier öfter Station; nun also die nächste Runde im Schlosshof. Dass die Verbindung zwischen Band und Location bestens funktioniert, zeigte auch der Blick auf die Besucherzahlen: das Konzert ist ausverkauft.
Maamuut: Erst einmal ordentlich Feuer unter den Kessel
Bevor sich die Herren von In Extremo auf der Bühne breitmachen durften, gehörte der Abend Maamuut. Und die Chemnitzer Band hatte offenbar nicht vor, sich bei einem Support-Slot höflich im Hintergrund zu halten.
Mit ordentlich Druck und einer ziemlich interessanten Bühnenshow heizten sie den Schlosshof schon einmal kräftig auf. Dabei gab es nicht nur musikalisch einiges zu entdecken, sondern auch visuell den einen oder anderen Moment, bei dem man sich kurz fragte: Was genau passiert hier eigentlich gerade?

Denn während die Band rockte, saß da Kalli völlig entspannt an seinem Tisch, trank Bier und ließ es sich offenbar auch kulinarisch gut gehen. Und nein, das war nicht irgendein zufällig auf die Bühne verirrter Zuschauer: Kalli spielt die Hauptrolle im „Skyfall“-Musikvideo von Maamuut.
Während um ihn herum die Show lief, vermittelte er ungefähr die Energie eines Menschen, der eigentlich nur kurz zum Abendessen vorbeigekommen ist. Ein ziemlich skurriler Kontrast – und genau deshalb blieb die Szene im Gedächtnis.
Maamuut haben damit jedenfalls mehr abgeliefert als einen klassischen „Wir spielen unsere Songs und machen Platz für den Headliner“-Support. Die Chemnitzer haben ordentlich eingeheizt und definitiv Lust auf mehr gemacht.
Dann wurde es ernst – und laut
Viel Zeit zum Verschnaufen blieb danach nicht. In Extremo betraten die Bühne und machten ziemlich schnell klar, dass „Carpe Noctem“ nicht bedeutet, gemütlich bei Kerzenschein im Schlosshof zu sitzen.
Feuer. Pyro. Druck. Und mittendrin In Extremo, die vom ersten Moment an Vollgas geben.
Die Setlist führte dabei einmal quer durch die Bandgeschichte und verband alte Klassiker mit Songs aus den jüngeren Jahren. Statt einfach nur einen Hit nach dem anderen abzuhaken, entstand ein Konzert mit ordentlich Dynamik: mal treibend und brachial, mal etwas ruhiger, bevor der nächste Song wieder mit voller Wucht einschlug.

Und natürlich gab es diese Momente, bei denen der komplette Schlosshof einfach mitmachen musste. Besonders bei „Sternhagelvoll“ wurde aus dem Konzert endgültig eine riesige Party. Jeder gröhlte mit, während plötzlich mit Rauch gefüllte Seifenblasen über die Köpfe des Publikums schwebten und durch den gesamten Burghof flogen.
Seifenblasen bei In Extremo? Warum eigentlich nicht.
Zwischen Feuerfontänen und Pyro wirkte das fast schon absurd friedlich – und gleichzeitig ziemlich genial. Genau solche kleinen Ideen machen eine Show eben aus.
Überhaupt war die Bühne an diesem Abend weniger Bühne als vielmehr Spielplatz für alles, was irgendwie brennen, qualmen oder knallen kann. Die mittelalterlichen Instrumente, der wuchtige Rocksound und die historische Kulisse des Wasserschlosses taten ihr Übriges. Wenn eine Band für Konzerte an solchen Orten gemacht ist, dann wohl In Extremo.
Ein Abend mit ordentlich Wumms
Was bei In Extremo live besonders auffällt: Selbst nach all den Jahren wirkt das Ganze nicht wie ein routiniertes Abarbeiten der eigenen Geschichte. Die Band spielt mit einer Energie, die den Schlosshof sofort mitnimmt – und das Publikum macht bereitwillig mit.

Spätestens wenn mehrere tausend Menschen gemeinsam gröhlen, springen und die Songs feiern, wird aus einem Konzert eben genau das, was die Burgentour verspricht: ein Gesamterlebnis aus Musik, Feuer und einer gehörigen Portion Wahnsinn. So wird die Tour passend als Spektakel aus „Feuer, Geschichte und Klanggewalt“ beschrieben.
Und dann kam das Finale.
Nach einem Abend, der schon von Beginn an mit ordentlich Wumms losgelegt hatte, verabschiedeten sich In Extremo natürlich nicht einfach mit einem freundlichen „Dankeschön und gute Heimfahrt“.
Ein lauter Knall. Feuerwerk. Ende.
Damit schloss sich der Kreis fast perfekt: Das Konzert begann mit einem Knall – und es endete mit einem.
Dazwischen lagen Feuer, Pyro, Rauch, Seifenblasen, Mittelalterinstrumente, jede Menge Metal und ein Schlosshof, der an diesem Abend definitiv nichts mit stiller Romantik zu tun hatte.
Ausverkauft, abgebrannt – zumindest beinahe – und definitiv laut genug für Klaffenbach.
Und wenn In Extremo weiterhin regelmäßig im Wasserschloss vorbeischauen, dürfte sich daran wohl auch in Zukunft nichts ändern.
Carpe Noctem, Klaffenbach. Und bis zum nächsten Knall.

Galerien (by Lydia Weise bs! 2026)
Maamuut
In Extremo
Setlist In Extremo
- Olafur
- Spielmannsfluch
- Troja
- Weckt die Toten
- Feuertaufe
- Werd ich am Galgen
- Vollmond
- Küss mich
- Rasend Herz
- Blutmond
- Liam
- Feine Seele
- Wind
- Störtebeker
- Villemann
- Sängerkrieg
- Wolkenschieber
- Sternhagelvoll
- Rotes Haar
- Frei zu sein
- Pikse Palve
Links:
Maamuut
In Extremo
Mawi (lokaler Veranstalter)
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