Review: I dedicate this melody to you – The Chameleons im Kulturzentrum Faust (01.11.2025, Hannover)

Nach fest kommt ab. Nach Regen folgt Sonnenschein. Nach OFF kommt O. Immer diese Schlaumeiereien. Aber tatsächlich ist jetzt endlich mal wieder richtig ON angesagt bei dieser Truppe aus Manchester. Die britische Indie-Legende The Chameleons haben nicht nur völlig unerwartet ein neues Album raus gebracht („Arctic Moon“), sie gehen sogar auf Tour mit den neuen und natürlich auch den alten Hits.

The Chameleons lösten sich 1987 auf, um dann im Jahr 2000 mit dem unabhängig veröffentlichten Album „Why Call It Anything?“ wieder aufzutauchen und ausgiebig durch Europa und die Vereinigten Staaten zu touren. Nach dem tragischen Tod ihres Schlagzeugers John Lever und dem Ausscheiden eines weiteren Gründungsmitglieds, dem Gitarristen Dave Fielding, löste sich die Gruppe jedoch erneut auf.

Die Chameleons haben sich 2021 mit ihren Gründern und Hauptsongwritern, dem Gitarristen Reg Smithies und dem Bassisten, Sänger und Texter Mark Burgess, neuformiert. Zu ihnen gesellten sich der Gitarrist Stephen Rice, Danny Ashberry am Keyboard und Todd Demma am Schlagzeug. Soweit die Fakten und die Aufstellung. Der Anpfiff kann erfolgen und das Spiel beginnen. Zunächst kommt aber noch ein Vorspiel.

White Rose Transmission (Foto: Michael Lange bs! 2025)

Das Projekt White Rose Transmission kommt aus Holland und besteht aus Sänger und Songwriter Carlo van Putten und Gitarrist Thomas Marcin. Und ja, es ist ein Akustik-Set Und ja, die Songs sind etwas monoton, weil ohne Rhythmus-Gruppe. Das ist aber noch lange kein Grund dem Duo keine Aufmerksamkeit zu schenken. Die fordert Frontmann van Putten kurz vor Ende des Sets ein, da das Gemurmel im Publikum doch ziemlich laut ist. Dies ist sehr schade, da die Texte durchaus sehr ansprechend sein dürften. Fürs Publikum gilt: Setzen, Sechs. Zur Strafe CD am Merch kaufen und noch mal nachsitzen.

White Rose Transmission (Foto: Michael Lange bs! 2025)

I dedicate this Melody to You

Diese Liedzeile stammt aus dem Song „Second Skin“ vom Debüt-Klassiker-Album „Script Of The Bridge“ von 1983 . Und es gibt Fans, die von diesem Lied und Album begleitet wurden und erfolgreich durchs Studium geführt und es erfolgreich abgeschlossen haben. Was Musik so alles bewirkt. Es erinnert an gute Zeiten. Die wollen auch die 350 Fans im Kulturzentrum Faust heute aufleben lassen.

No wonder I feel like I’m floating on air
I realise a miracle, is due
I dedicate this melody, to you
But is this the stuff dreams are made of?

The Chameleons (Foto: Michael Lange bs! 2025)

„Where Are You?“ ist der erste Song des Abends und der erste des neuen Albums. „Wo bist du?“ Eigentlich stellen sich die Fans nur eine Frage: „Wo ward ihr eigentlich?“ Na jedenfalls nicht in den Charts, die haben sie immer irgendwie umflogen, sind irgendwie unter dem Radar geblieben. Dabei haben sie doch ihren ureigenen Sound, energiegeladen und kraftvoll, zeitlos halt. Außerdem waren sie Inspiration für zahlreiche Indie-Formationen wie Editors oder Interpol. Sie wurden oft als eine der am meisten unterschätzten Bands dieser Ära angesehen werden. Egal. Lang,lang ist es her.

The Chameleons (Foto: Michael Lange bs! 2025)

Hier und heute ist der Sound im Kulturzentrum, nun ja sagen wir mal, ausbaufähig. Schlagzeug und Gitarren sind mehr als präsent, so dass der Gesang von Burgess etwas untergeht. Auf neutrale Musikhörer mag das störend wirken, den echten, den langjährigen Fans ist das auf Deutsch so was von Latte. David Bowie ist ein Vorbild der Band. Ihm haben sie den neuen Song „David Bowie Takes My Hand“ gewidmet Ein Highlight des neuen Albums, das von Kritikern durchweg gelobt wird. Die Fans hängen an Burgess`Lippen, wenn er wütend sagt, wie sehr doch die Welt in Gefahr ist:„Tick tock, tick tock, tick tock, bang“. Die Bombe tickt singt er in „Feels Like The End Of The World”. Das Beste kommt wie immer zum Schluss. Im Zugabenteil gehts ins „Monkeykland“, dann kommt das schon bereits erwähnte “Second Skin” und abschließend “Don’t Fall”. Tosender Applaus. Hoffentlich kommen die (bald) wieder.

Galerien (by Michael Lange bs! 2025):

The Chameleons (Foto: Michael Lange bs! 2025)

Setlist:

  1. Where Are You?
  2. The Fan and the Bellows
  3. Pleasure and Pain
  4. Lady Strange
  5. Up the Down Escalator
  6. Looking Inwardly
  7. Paradiso
  8. David Bowie Takes My Hand
  9. Saviours Are a Dangerous Thing
  10. Soul in Isolation
  11. Swamp Thing
  12. Feels Like the End of the World
  13. Monkeyland
  14. Second Skin
  15. Don’t Fall

Links:
www.chameleonsband.com

Michael Lange
Michael Langehttps://www.be-subjective.de
Michael Lange. MichaL ist der Methusalix in unserem Team. Ein Original, ein Sympath, ein Genießer von A wie Abba bis Z wie Zabba und im realen Leben ein Stepptänzer. »Jawohl, das mit dem KlackerdiKlack.« MichaL hat schon Rock’n’Roll gehört, da waren die Little Boy Blue and the Blue Boys noch grün hinter den Ohren. Man munkelt er konnte schon einparken, da gab es noch nicht mal Rückspiegel, geschweige denn Einparkhilfen. Dennoch ist die MichaL noch lange kein Oldy oder darauf fokussiert. The big L war plötzlich da. Zeitlos. Unerwartet und doch völlig freiwillig tauchte er in unserem Universum auf und bereichert es. KlackerdiKlack.

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