„Time Flies„, so heißt ein Song von Porcupine Tree. Dieser kommt mir immer in den Sinn, wenn ich darüber nachdenke, wie schnell alles (vorbei) geht. Es kommt mir auch vor, als wäre es erst gestern gewesen, meinen musikalischen Rückblick für das Jahr 2024 zu schreiben. 365 Tage sind inzwischen vergangen. Nun sitze ich hier und lasse das Jahr 2025 gedanklich Revue passieren, um es in Worte zu fassen. Erschreckend stelle ich leider fest, dass ich von diesem Jahr aber nicht so wirklich viel hatte. Vor allem zu wenig Zeit. Das hat sich in vielen Bereichen bemerkbar gemacht: Weniger Konzerte besucht, weniger Zeit Videos für das potenzielle Video der Woche zu sichten (ich glaube zuletzt im Oktober bewusst Musikvideos auf YouTube geguckt), weniger neue Bands entdeckt und mein To-Do-Stapel ist nur größer (anstatt kleiner) geworden. Der Tag hat aber nun mal nur 24 Stunden. Man musste das Beste daraus machen…
So blieb als eine der ganz wenigen Konstanten die Musik. In irgendeiner Form lief immer etwas. Auf der einen Seite alte Scheiben aus dem Regal gezogen, Klassiker mal wieder angehört, in Erinnerung schwelgend, weil bedeutsame Musiker von uns gegangen sind (Ozzy Osbourne, Ace Frehley, Tomas Lindberg, Brent Hinds, Sam Rivers u.v.m…). Auf der anderen Seite erschienen neue Alben, auch von vielen meiner Lieblingsbands, die freudig gehört werden mussten. Aber ich weiß nicht, ob es an meiner „fehlenden“ Zeit lag oder doch an dem künstlerischen Anspruch den ich mir erhoffte, denn unterm Strich, waren zwar viele gute Alben erschienen, aber so wirklich herausragend, wie es z.B. 2024 der Fall war, war es dann doch nicht. Eine Top 3 für das Jahr 2025 zu bilden, ist natürlich möglich, auch wenn die Auswahl „leichter“ fällt. Ich möchte mich hierbei, wie letztes Jahr, auf meine favorisierten Alben konzentrieren, obwohl ich mit dem finalen Keep It True Rising V ein erneut hervorragendes Festivalhighlight erleben durfte (das Summer Breeze und Taubertal Festival waren auch stark und besonders) und mir den Wunsch erfüllen konnte Savatage endlich mal live zu sehen (herrlich!). Hat man dann noch superbe Konzertabende mit Nestor, The Night Flight Orchestra, Sacred Reich, Iron Maiden, Linkin Park, Lynyrd Skynyrd und Blood Incantation erlebt, wie soll man da sich denn nur auf eines festlegen?

Back to Buisness: Bevor es ans Eingemachte geht, möchte ich einige Alben, auch wenn sie es nicht in meine Top 3 geschafft haben, kurz positiv hervorheben. Nie im Leben hätte ich mit solchen Kalibern wie die neuen Testament, Paradise Lost und Biohazard gerechnet. Dass mich Between The Buried And Me mit ihrer neuen Langrille so ansprechen würden, hätte ich auch nicht gedacht. Wucan sind eine musikalische Bereicherung und auf ihre Art und Weise „frisch“. Und dass gegen Ende des Jahres ein so grandioses Comeback-Album (nach 32 Jahren!) von den Schweizern Coroner erscheint, das künstlerischen und musikalischen Anspruch noch anhebt, freut mich auf der einen Seite sehr, ärgert mich aber auf der anderen Seite, weil es „nur“ für den vierten Platz meiner Top 3 reicht.
So, nun habe ich lange genug herumgeschwärmt, hier sind meine Top 3 Alben des Jahres 2025
Album des Jahres Platz 1: Ghost – „Skeletá“
Bin ich etwa so vorhersehbar? Ein neues Ghost-Album erscheit und es ist schon wieder mein Album des Jahres? Nein, so einfach ist es dann auch wieder nicht. Zugegeben, Ghost zählen zu meinen Lieblingsbands, aber das muss man auch erst schaffen, sich gegen meine anderen Favoriten wie Heaven Shall Burn, Machine Head, Volbeat oder The Night Flight Orchestra und deren neuen Werke durchzusetzen. Bandchef Tobias Forge weiß aber genau, was er tut. Er hat seinen Plan. Mit seiner Musik. Mit seiner Band. Mit dem „Konstrukt“ Ghost. Und „Skeletá“ ist der nächste Schritt in seinem Plan. Reifer, ungezwungener, tiefer gehend, aber auch düsterer und etwas mehr AOR-lastiger geht es zu Werke. Eines verliert Papa V Perpetua (die aktuelle Darstellung von Tobias Forge) aber nie: Das Gespür für poppige, direkte und packende Melodien. Niemals aufdringlich, immer dem Songfluss konform, gehen sie ins Ohr. Auf „Skeletá“ braucht zwar die ein oder andere Melodie ein wenig länger, bis sie final zündet, aber dafür ist die Langzeitwirkung noch höher. Beispiele hierfür sind „Guiding Lights“ und der Opener „Peacefield„. Mein Highlight bleibt aber „Lachryma„, das einen romatischen Gothic-Flair versprüht, gepaart mit kernigen King Diamond-Gitarren-Vibes und berührendem Refrain (simpel, emotional und wohlfühlend) aufwartet. Neben der großartigen Musik, gibt es obendrauf noch ein optisch wunderschönes Cover, welches erneut Zbigniew Bielak kreiert hat. Schmach!
Unterm Strich ist „Skeletá“ erneut starkes Ghost-Album geworden, dass sich jedoch hinter seine drei Vorgängern anstellen muss. Aber allein das zeigt, welche eine Qualität Tobias Forge zu Tage fördern kann. Ich traue ihm zu, dass er Ghost zu einer Weltband bringen kann. Vielleicht ist auch genau das sein Plan…
Album des Jahres Platz 2:
The Night Flight Orchestra – „Give Us The Moon“
Direkt hinter Ghost landet die nächste meiner Lieblingsband: The Night Flight Orchestra. Ich hatte vor „Give Us The Moon“ ehrlich gesagt Angst. Es ist das erste Album ohne den genialen Songwriter und Gitarristen David Andersson, der im September 2022 verstarb. David hatte dieses besondere Talent für Melodien und Hooks. Viele der The Night Flight Orchestra-Hits stammen aus seiner Feder (u.a. auch mein Lieblingssong von ihnen: „Something Mysterious„). Aber zur Band-DNA zählt auch Sänger Björn „Speed“ Strid, der zusammen mit David die Band (neben der Hauptband Soilwork) einst aus der Taufe hob. Das Line Up wurde durch den Soilwork-Kollegen Rasmus Ehrnborn komplettiert und geht den musikalischen Weg konsequent weiter: Hit-lastiger Rock in der Schnittmenge zwischen Classic Rock und AOR. Was mein Fanherz glücklich gestimmt hat, ist der Track „Like The Beating Of A Heart„, da dieser noch aus David´s Feder stammt. Ein softer, aber inniger Song. Wie eine Umarmung. Natürlich eines der Highlights des Albums. Ist man in die Platte erstmal eingetaucht, entdeckt man viele kleine Details, die Abwechslung und die erneut hohe Hitdichte. Allen voran: „Shooting Velvet„, „Paloma„, der Titeltrack, „Runaways„, „Miraculous“ und der Oberhit „Way To Spend The Night„.
Meine Angst ist natürlich inzwischen wie weggeblasen. Hinweggefegt gen Mond. Es bleibt dabei die Erkenntnis, dass auch wenn David nicht mehr unter uns weilt, The Night Flight Orchestra ihren Weg weiterhin erfolgreich bestreiten (können). Hits schreiben können sie, auch wenn das schwindelerregende Niveau von „Amber Galactic“ oder „Aeromantic II“ nicht erreicht wird. Ob sie das aber auch nochmal schaffen werden, wird sich zeigen. Solange, kann aber in Ruhe „Give Us The Moon“ im Player rotieren lassen und jede einzelne Sekunde davon genießen.
Album des Jahres Platz 3:
Imha Tarikat – „Confessing Darkness“
Nach den beiden „softeren“ Sachen, darf bzw. muss der Härtegrad angezogen werden. Hierfür kann ich die neue Imha Tarikat-Platte „Confessing Darkness“ empfehlen. Doch Vorsicht: Wer bisher nichts mit Black Metal anfangen konnte, wird es mit diesem Album auch nicht ändern können. Freunde der schwarzen Musik sind hier goldrichtig. Ich muss gestehen, viele Black Metal-Bands kann ich mir zwar anhören, aber der tiefere Genuss kommt kaum auf. Zu oft tendieren viele Schwarzgurgler in orientierungslose Rasereien sich zu verirren. Manche (ich werde keine Namen) wirken auch zu sehr aufgesetzt, es fehlt die Emotion. Bei Bandkopf Kerem Yilmaz (mit dem Pseudonym Ruhsuz Cellât agierend) ist das anders. Imha Tarikat (türkisch, bedeutet soviel wie „Vernichtungssekte“) sind sein Ventil für seinen Seelenschmerz. Ich habe auch schon lange keine Scheibe mehr gehört (vor allem aus dem „Schwarzwurzel“-Bereich), bei dem Schmerz regelrecht spürbar ist. Man hört ihn zu jeder verdammten Sekunde raus. Sowohl im Gesang, als auch die Arrangements spiegeln die Schmerzen wieder. Wenn man es nicht glauben mag, der höre sich den Titeltrack, „Wicked Shrine“ oder das „eingängige“ „The Day I Died (Reborn Into Flames)“ nur mal an. Beeindruckend!
Schmerzen an sich, haben nie etwas positives an sich. Außer vielleicht einer Ausnahme: Wenn man sie in Musik kanalisieren und somit zum Ausdruck bringen kann, sodass es als therapeutisches Hilfsmittel fungiert oder man eine Verbundenheit zu anderen Menschen schaffen bzw. finden kann. Als (inoffizielle) ärztliche Empfehlung: „Confessing Darkness“ mehrmals zu sich nehmen. Es besteht jedoch hohe Suchtgefahr!
Musikalischer Vorsatz für 2026:
Es heißt bekanntlich: „Weniger ist mehr“. Und so komisch dies für einen Vorsatz klingen mag, gehe ich stark davon aus, dass ich diesen nächsten Jahr befolgen werde. Wie dieser im Detail aussehen wird, weiß ich selbst noch nicht, jedoch möchte ich mich, wenn ich einzelne Konzerte besuche, mich Bands widmen, die noch auf meiner „Watchliste“ stehen. Ich habe z.B. noch nie ZZ Top, Foreigner oder Twisted Sister gesehen. Alle drei sind nächstes Jahr hier auf Tour, wobei ich für Twisted Sister mir kaum Chancen ausrechne. Aber man wird doch noch träumen dürfen und auf Bands wie Rush oder Journey hoffen…
Ansonsten bin ich natürlich gespannt, was das Jahr 2026 sonst noch so mit sich bringen wird.
Als Teil unserer Beitragsreihe Reingehört haben unsere Redakteur*innen Monat für Monat ihre Lieblingssongs in unserer Spotify Playlist bs! Songs Of 2025 gesammelt und daraus einen zufällig ausgewählten Song am Ende des Monats kurz und knapp reviewt.
Die Top 3 Songs des Jahres 2025 von Michael G. sind (in unspezifischer Reihenfolge):
– Ghost: „Lachryma“
– Heaven Shall Burn: „War Is The Father Of All“
– Electric Callboy: „Elevator Operator“
Wenn ihr Wissen wollt was unsere Redaktion dieses Jahr sonst so gehört und gefeiert hat dann schaut gerne in die anderen Jahresrückblicke unserer Redakteur*innen rein oder checkt unsere Spotify Playlist bs! Songs Of 2025 mit allen Lieblingssongs 2025 aus.