Review: Sólstafir – Weltschmerz zum Anfassen (17.03.2019, Bremen)

Sólstafir (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Das Wort Sólstafir ist isländisch und beschreibt Sonnenstrahlenbüschel, welche durch Wolken brechen. Weiter als das dürften die Isländischkenntnisse der meisten BesucherInnen nicht reichen, dennoch locken Sólstafir mit ihrer „The Midnight Sun: a Light in the Storm“ – Tour zahlreiche Gäste in  verschiedenste Konzertlocations überall in Europa, egal ob Kirchen, große oder kleine Hallen.

Sólstafir (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

In Bremen fällt die Wahl auf das Kulturzentrum Schlachthof. Dieses füllt sich sehr schnell bis unter die Decke mit den verschiedensten Menschen. Natürlich überwiegen die KuttenträgerInnen, aber nach Sólstafirs aufregendem Wandel vom Black Metal hin in ganz außergewöhnlich atmosphärische Gefilde, finden sich auch vereinzelte neugierige MusikliebhaberInnen aus ganz anderen Subkulturen im Schlachthof ein.

Musik verbindet.

Sólstafir (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Auf eine Vorband wird an diesem Abend verzichtet, sodass die Isländer, pünktlich um 20:00 Uhr, zu Náttfari auf der Bühne einlaufen. Genau an dieser Stelle beginnt die Magie. Der Schlachthof glänzt an diesem Abend mit perfektem Sound, jeder Ton, jede Emotion wird bis in die hintersten Ränge getragen. Bekräftigt wird dies zusätzlich von einem Streichquartett, welches die Musik an diesem Abend auf ein noch höheres Level hebt. Es könnte perfekt sein, wäre da nicht wieder das Phänomen des quatschenden Gastes, der es in den leisen Passagen schafft, sich in den Vordergrund zu drängen. Dies lässt zum Glück ab der zweiten Konzerthälfte nach, irgendwann merken eben auch die letzten, dass da etwas ganz Besonderes passiert.

Sólstafir (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Man könnte meinen, MusikerInnen aus Island hätten diese eine ganz bestimmte Magie im Blut.

Besonders in dem Sinne, dass (vermutlich) niemand versteht, wovon Aðalbjörn Tryggvason, mit Ausnahme englischer Stücke wie „Necrologue“, singt, aber trotzdem alles versteht. Sólstafir legen alles in die Musik. Wut, Depression, Weltschmerz, aber eben auch dieses kleine Licht, dass sich durch die Wolkenstrahlen kämpft. Dies findet man vor allem in den langen Instrumentalpassagen, die in jedem einzelnen Song einen Platz finden und in denen vor allem die Streicherinnen glänzen, ohne das Ganze zu überladen wirken zu lassen.


Wie immer im Schlachthof ist der Abend trotz der zahlreichen Gäste sehr intim. Durch den Aufbau des Saals sind alle nah beisammen. Kein Graben trennt die Menge von den Musikern, sodass vor allem Sänger Aðalbjörn Tryggvason immer wieder den direkten Kontakt zu den BesucherInnen sucht und damit den ein oder anderen Gast zu Tränen rührt.

Sólstafir (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

When all is said and done

Bis auf die traurige Ankündigung vor „Necrologue“ reden die Musiker an diesem Abend nur wenig, die gegebene Zeit wird für die Musik genutzt. Auch auf eine Pause vor der Zugabe wird verzichtet, sodass der Abend nach dem mächtigen „Fjara“ mit „Kukl“ und „Godess of Ages“ ein fulminantes Ende findet.

Sólstafir (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Galerien (by Thea Drexhage bs!2019)

Setlist Sólstafir:

Sólstafir (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)
  1. Náttfari
  2. Náttmál
  3. Ótta
  4. Dýrafjörður
  5. Hula
  6. Miðaftann
  7. Lágnætti 
  8. Hvít sæng
  9. Necrologue
  10. Fjara
  11. Kukl
  12. Godess of Ages

Links:
www.solstafir.net