Review: Mera Luna 2007

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Samstag

ImageWirklich berauschend waren die Wettervorhersagen für das Wochenende des diesjährigen M’era Luna nicht: Schauer, Gewitter, Unwetter und vor allem mittelprächtige Temperaturen. Das sind nicht unbedingt Faktoren, die dich freudestrahlend mit dem Zelt unterm Arm auf Festivalreise gehen lassen. Noch betrübter war der Morgen des 11.08.2007. Schauer wären hier milde ausgedrückt, so wie das gegossen hat- schon in den frühen Morgenstunden. Die dunkelgraue Wolkendecke hing meterdick über der Erde und ließ nichts Gutes erahnen.

Umso erstaunlicher war es, als bei der ersten Band The Lovecrave aus Italien diese fiese Schlechtelaunefront langsam verschwand und der Himmel schließlich einige Stunden später wieder strahlend blau war. Als hätte Petrus den Praktikanten von 2005 gefeuert. Die vier Italiener boten Gothic Rock vom Feinsten und auch die kräftige Stimme von Sängerin Francesca Chiara ließ keine Wünsche offen.

„Wir sind And One und ich bin Steve Naghavi!“ – so ließen es Lola Angst als nächster Act auf der Hauptbühne verlauten. Wie ein riesiger Stahlkoloss erhob sich die Orgel, aus der ab und zu gigantische Flammen türmten, die nach eigener Aussage von Lola Angst heute nur die kleine Variante verkörperten, da die Bühne zu niedrig war. Die abgedrehten Songs in Kombination mit der Feuershow und der Show an sich auf der Bühne war was wirklich Feines für die frühe Stunde.

Bei der nächsten Band versammelten sich wieder allerhand Mädels vor der Bühne, um bei Jesus On Extasy ordentlich zu tanzen und zu singen. Die Industrial Newcomer hauen live viel mehr rein als auf der Platte und so wippte schon nach wenigen Takten der Platz vor der Bühne. Mit Songs wie „Assassinate me“, „Holy Beauty“, „Neochrome“ oder auch „Second Skin“ konnten Jesus On Extasy begeistern, aber auch mit den ein oder anderen Ansagen „…Babies. Achja, wo wir gerade bei Missbrauch sind“ und Gesangseinlagen von „Everybody dance now“ ein Schmunzeln und Grinsen in die Gesichter zaubern. Bei der späteren Autogrammstunde konnte man die Bande als einen sehr netten und sympathischen Haufen kennenlernen.

Beim Auftritt von Covenant war es wieder sehr heiß geworden und die Sonne klatschte fast unerträglich auf die Häupter. Doch das änderte nichts daran, dass es mittlerweile fast kein Vordringen in die vorderen Reihen mehr gab. In gewohnt weißem Anzug kam Sänger Eskil auf die Bühne und so mutierte der Platz vor der Bühne zu einer riesigen Party. Auch wenn es keine Zugabe gab, gibt’s hier wirklich nichts zu meckern.

Etwas Besonderes waren Dir En Grey an diesem Abend. Die vier Japaner hoben sich deutlich musikalisch und auch optisch von ihren Musikerkollegen auf dem Festival ab. Wo vorher fast ausschließlich elektrische Klänge waren, gab es hier für alle Rock- und Metalfans ein wahres Schmankerl für die Ohren. Eine Stunde lang brachten Dir En Grey die Menge zum Headbangen. Besonders Sänger Kyo beeindruckte mit seiner Stimme. Er sang, er krächzte, er schrie, er weinte, er wimmerte. Hoch, tief, sehr tief, normal, sehr hoch. Dieser Mensch hat eine wahnsinnige Stimmenvielfalt, die man sich in jedem Fall bei einem ihrer seltenen Konzerte in Deutschland einmal anhören und ansehen sollte.

Später normalisierte es sich wieder vor der Hauptbühne; Schandmaul waren an der Reihe. Mit Leib und Seele waren die Musiker bei der Sache, für mich klang alles aber mehr oder weniger gleich. Das Publikum sang, klatschte und schunkelte trotzdem ausgiebig mit und so gab es mal wieder eine Party, nur diesmal in schöner Abenddämmerung.

Sonntag

Der Sonntag startete schon gleich mit schönem Wetter. Am Vormittag waren die Temperaturen angenehm warm, die Sonne schien. Im weiteren Verlauf des Tages knallte die Sonne aber dann auch wieder ganz schön fies und so sah man den ein oder anderen Rotkopf durchs Gelände stampfen. Später öffnete sich ein Meer aus (Sonnen-) Regenschirmen, um ein großes Schattenfeld zu erzeugen.

Die Newcomer Big Boy eröffneten das Programm am Sonntag auf der Hauptbühne. Den Namen Big Boy hat bestimmt jeder schon mal wenigstens gelesen, denn es ist schwer an diesem vorbeizukommen. Und so hatte man nun die Gelegenheit, die Truppe auch mal live erleben zu dürfen. Der Sound schrammelte leider extrem durch die Boxen, sodass von der Musik eigentlich nur Brei übrig blieb. An der Perfomance selber ist aber nichts auszusetzen. Die Glam Rocker staksten über die Bühne, machten jede Menge Posen und so hatten wohl auch die Fotografen keinen Grund, sich zu beschweren.

Mit Krypteria kam wieder die etwas andere Musik auf das M’era Luna Festival. Das ist keineswegs negativ, sondern erfreulich. Noch erfreulicher war die kräftige und gewaltige Stimme von Sängerin Ji-in, deren Gesang ein wahrer Genuss ist. Es sprudelte jede Menge Energie und Power auf der Bühne, aber leider nicht zum wesentlichen Teil des Publikums. Die Stimmung war gut, aber die hätte besser sein können. Dennoch verzauberten Krypteria mit Liedern wie „Somebody Save Me“ und legten somit einen soliden Auftritt hin. Vielleicht lag die Klatschfäulnis auch an der stechenden Sonne.

Eine nicht schlechte Überraschung legten Lacrimas Profundere hin. Hatten sie erst mit Ex-Fiddlers Green Peter Kafka einen perfekten und gut aussehenden neuen Sänger gefunden, war man verwundert diesen auf einmal am Bass zu bewundern. Viele schauten recht dumm aus der Wäsche als da ein völlig unbekanntes Gesicht hinter dem Sängermikrofon auftauchte. Dieses Gesicht war/ist eine Mischung aus Ville Valo, Bam Magera und dem Sänger von End Of Green. So mögen vielleicht viele aussehen, aber dieser sah nicht nur so aus, er klang auch so und lief etwas gelangweilt und unsicher über die Bühne. Es ist auch eine Schande, einen Mann wie Peter nur hinter den Bass zu stellen, für mich war er der perfekte Frontmann. Trotz dieser Verwirrung gab es altbekannte Lieder wie „Amber Girl“ oder auch „Ave End“ zu hören. Man darf gespannt sein, was sich im Hause Lacrimas Profundere noch alles tun wird.

Die Herren von The 69 Eyes rockten am späten Nachmittag. Bereits als sie die Bühne betraten und die ersten Klänge von „Devils“ durch die Boxen ertönten, waren die Hände in der Luft, um später Sänger Jyrki auf Kommando zu folgen. Coole Bühnenoutfits, coole Posen und jede Menge Goth’n’Roll. Die Stimmung hätte besser nicht sein können, es rock’n’rollte nicht nur auf der Bühne. Neue Lieder wie „Never Say Day“ und „Angels“ begeisterten genau wie der „Oldie“ „Brandon Lee“, der noch aus der reinen Gothic Zeit der Jungs stammt. Lediglich eine dreiviertel Stunde ist für die Herren leider viel zu kurz.

Fotos aus den vergangenen Jahren findet ihr hier:

 Link: www.meraluna.de