Review: Reeperbahn Festival 2026 (16. – 19.09.2026, Hamburg)

Schon wieder ein Jahr um und wir freuten uns, zurück in Hamburg zu sein! Das diesjährige Reeperbahn Festival fühlte sich anders an, als die letzten drei Jahre und das lag nicht zuletzt an einigen größeren Änderungen im Lineup! Denn dieses Jahr standen vor allem Metal und Hip-Hop als Genres an sich im Mittelpunkt, statt Indie und Alternative Artists, wie in den letzten Jahren. Dies führte zu einem erneut erhöhten Interesse und einer guten Mischung im Publikum! Besonders spannend waren hier vor allem auch die Spotlight-On-Tickets, die abseits vom normalen Festival Zugang zu allen Programmpunkten des jeweiligen Spotlights in den dafür vorgesehenen Spielstätten boten. Auch gab es dieses Jahr U30-Tickets zu vergünstigten Preisen. Alle diese Dinge führten dazu, dass die meisten Shows, die wir besuchten, Einlassstops hatten und die meisten Venues waren restlos gefüllt über das gesamte Festival hinweg. Darüber haben wir uns natürlich auch riesig gefreut! Welche Acts wir uns angeschaut haben, und welches Highlight wir (glücklicherweise?) verpassten, erfahrt ihr hier.

Tag 1 – Mittwoch

Kkoki (Foto: Franz Naumann bs! 2026)

Kkoki: Kkoki ist ein Indie-Pop-Projekt aus Berlin, das sanften Gesang mit elektronischen Klängen und Einflüssen aus der Pop- und Filmkultur verbindet. Die meisten Songs im Set waren unveröffentlicht und konnten deswegen auch “nicht shazamed werden”, wie Kkoki selbst sagte. Eine rundum schöne Performance und eine tolle Eröffnung des Festivals!

Tinted House: Tinted House ist eine Band aus Dresden, deren Musik sich zwischen Indie-Pop, verträumten und psychedelischen Klangwelten bewegt. Sowohl die Pop-Momente, als auch die Experimental-Momente fügten sich in ein stimmiges Bild und machten Lust, nochmal genauer in die Songs der Band einzutauchen!

Dry Skin: Das Quartett aus Dresden bewegt sich eher im Synthpop- und New-Wave-Bereich gepaart mit Einflüssen aus der Neuen Deutschen Welle (NDW), No-Wave, Protopunk der späten 1970er und frühem Manchester-Rave. Komplett überrascht hat mich, dass die Band lokal ist, denn die Songs klingen super international und nostalgisch – eine meiner Lieblingsentdeckungen des Festivals!

Bleech 9:3: Der Hype um die irische Alternative-Rock- und Alt-Grunge-Band ist real und aus diesem Grund wollte ich unbedingt herausfinden, was dahinter steckt. Nach einigen Startschwierigkeiten begann ihr Set dann mit einiger Verzögerung, aber schepperte ordentlich. Die Menge hatte Lust, die angestaute Energie herauszulassen. Die Entstehungsgeschichte der Band ist außergewöhnlich, denn die beiden Gründer Barry Quinlan und Sam Duffy lernten sich nicht im Proberaum, sondern in einem Rehabilitationsprogramm in Dublin kennen. Über ihre gemeinsame „Recovery-Journey“ (den Weg aus der Sucht) entstand eine tiefe Freundschaft und schließlich regelmäßige Songwriting-Sessions und genau diese Verbindung war auch während der Show gut spürbar! Unbedingt reinhören!

Bleech 9×3 (Foto: Franz Naumann bs! 2026)

Panicbaby: Ist eine aufstrebende Berliner Künstlerin und Musikerin, die modernen Art-Pop mit Einflüssen aus Indie-Pop und verträumtem Sounddesign verbindet. Soundmäßig und visuell erinnern ihre Songs sehr stark an Lana Del Rey, denn auch sie nutzt alte Clips, um daraus ihre Musikvideos zu erstellen. Ihr Set hatte etwas sehr nostalgisches und das reduzierte Bühnenbild gab den Songs genug Platz, sich Gehör zu verschaffen.

Intrepid: Die estnische Death-Metal-Band aus Tallinn überraschte mich vor allem mit der Dynamik, die sie auf die Bühne brachten. Im Baalsaal waren gefühlt 320°C, es war kein Platz mehr frei im Club und alle hatten den größten Spaß und wollten Energie und Emotionen herauslassen. Viel gesehen hat man nicht, die Bühnenbeleuchtung war auf 5% gedreht, aber vielleicht brauchte man das auch gar nicht – hier ging es um die Musik an sich. Was ein Abschluss für Tag 1!

Tag 2 – Donnerstag

Maia and the Squires (Foto: Franz Naumann bs! 2026)

Maia and the Squires: Viele wissen bereits, dass ich die Band sehr schnell in mein Herz geschlossen habe und ich bin der festen Überzeugung, dass Maia and the Squires bald zu den bekanntesten Newcomer-Acts im Alternative-Bereich zählen werden. Was ich an den Songs der Band am meisten schätze, ist die Vielseitigkeit und der Fakt, dass sie keine Angst davor haben, Raum einzunehmen – sei es durch Songlänge, oder durch die Produktion. Ihr Set im Millerntor-Stadion fühlte sich zu klein an, gerade, da viele Besucher*innen schon mehr als 30 Minuten vor dem Set anstanden, um einen der wenigen Plätze im Raum zu ergattern! Vielleicht spielen sie nächstes Jahr ja noch ein zweites Mal auf dem Reeperbahn Festival? Wünschen würde ich es ihnen und all den Fans, die leider draußen bleiben mussten.

Glazy Haze (Foto: Franz Naumann bs! 2026)

Hukies: Weiter ging mein Tag mit der österreichische Punk-Rock-Band Huskies aus Wien. Das Bühnenlicht war nicht existent, dafür spielte die Band aber ein energiegeladenes Set im komplett vollen Baalsaal. Auch hier blieb einiges hängen und einige Songs schafften es direkt in meine Musikbibliothek!

Nightbus: das britische Darkwave- und Post-Punk-Duo aus Manchester hatte eigentlich alles, was ich an Musik gern mag, aber entweder lag es am Kontrast zu den Hukies, die ich direkt davor gesehen habe, oder es war einfach nicht so meine Welt, aber vom Set von Nightbus hatte ich mir irgendwie mehr erhofft. Schade, aber das kann es auch mal geben. Lustig und trotzdem wichtig zu erwähnen: Ihr Bandname geht passenderweise auf die nächtlichen Busfahrten nach der Arbeit in den Clubs von Manchester zurück. Vielleicht höre ich in die Songs dann doch nochmal während einer nächtlichen Busfahrt und werde berichten.

Glazyhaze: Die vierköpfige Shoegaze- und Dream-Pop-Band aus Venedig, Italien machte mich ziemlich nostalgisch und war der perfekte Abschluss für den zweiten Festival-Tag. Der Sound von Glazyhaze bewegt sich fließend zwischen Shoegaze, Dream-Pop, Alternative Rock und nostalgischem Britpop. Ihre Musik zeichnet sich durch ein Wechselspiel aus dichten Gitarrenwänden und treibenden Rhythmen aus. Zu ihren Einflüssen gehören Bands wie Slowdive, Sonic Youth und Fontaines D.C.. Besonders passend am Bühnenbild war der dichte Nebel, der sich über die gesamte Top10 Bar legte, so wie auch die verträumten Vocals von Frontfrau Irene.

Tag 3 – Freitag

Luther (Foto: Franz Naumann bs! 2026)

Luther: Die Alternative-Metal- und Hardcore-Band aus Berlin ist alle Arten von eigenwillig und waren der perfekte Start für meinen kontrastreichen dritten Festival-Tag. Der Betty-Club war auch hier restlos gefüllt mit einem Publikum, welches beste Laune hatte. Die Performance von Luther war wild, ausgelassen und hat schlichtweg Spaß gemacht. Hier muss ich unbedingt nochmal reinhören, denn ich musste leider schnell weiter, um mein zweites Festival-Highlight nicht zu verpassen!

White Flowers: das britische Shoegaze- und Dreampop-Duo aus England verfolge ich nun schon seit fast fünf Jahren und jede Performance beeindruckt mich aufs Neue. Das neue Album Dreams For Somebody Else ist mein Geheimtipp des Jahres und zählt bereits zu meinen Alben des Jahres. Egal, ob verträumt oder doch etwas eingängiger – wer Beach House liebt, wird auch White Flowers lieben, denn die Band verbindet Elemente aus Dream-Pop, Shoegaze, Post-Punk und Lo-Fi-Indie.

Fat Dog (Foto: Franz Naumann bs! 2026)

Fat Dog: Vielleicht muss man manchmal eins seiner Festival-Highlights verpassen, um Platz für die größte Neuentdeckung des Festivals zu machen? Leider schaffte ich es nicht mehr rechtzeitig zum TR/ST Set ins Uebel & Gefährlich, also entschied ich mich kurzerhand stattdessen zu Fat Dog zu gehen. Besonders Go Fuck Urself läuft aktuell hoch und runter auf meinem iPod und das kommende Album Cancel Me (I’m Tired) erwarte ich schon seit Wochen. Ich wusste nicht genau, was ich erwarten sollte, aber die Performance der Band hat mich total umgehauen. Die britische Punk- und Indie-Rock-Band aus Südlondon (Brixton) bot eine extrem chaotische und energiegeladene Performance, bei der ich gar nicht wollte, dass sie endet. Irgendwo zwischen MySpace und Indie-Sleaze fühlte ich mich nochmal wie in meine Teenager-Zeit zurückversetzt. Unbedingt reinhören und live anschauen!

Tag 4 – Samstag

THEATRE (Foto: Franz Naumann bs! 2026)

THEATRE: die Songs der Band aus Limerick bewegten sich irgendwo zwischen Shoegaze, Folk und Grunge, aber konnten mich – so wie Nightbus – leider nicht vollständig abholen. Vielleicht lag es daran, dass es bereits der vierte Festival-Tag war, oder dass ich noch nicht vollständig wach war – auf jeden Fall möchte ich mir mit klareren Kopf die Songs der Band nochmal richtig anhören.

Heidi Curtis: die aufstrebende britische Singer-Songwriterin aus Newcastle upon Tyne verbindet Classic Rock, Indie und Folk auf einer ganz neuen Art und Weise. Besonders gefallen hat mir die Stimmfarbe von Heidi. Ihre raue und ausdrucksstarke Stimme erinnerte mich stark an Stevie Nicks und Florence Welch (Florence + the Machine). Ich denke, gerade jetzt im Herbst wird ihre Musik einen guten Platz in meiner Bibliothek finden!

Letters Sent Home: die deutsche Alternative-Rock-Band aus Wolfsburg packte mich besonders mit ihrer energiegeladenen Show, die in der Mitte des St. Pauli Fanshops stattfand. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Band einen Klamottenladen so auseinandergenommen hat, dass man sich wie in einem Club fühlte. Der Laden platzte fast aus allen Nähten und das Publikum hatte ordentlich Spaß an den nostalgischen Pop-Punk-Songs der Band. Definitiv einer der denkwürdigsten Momente des diesjährigen Reeperbahn Festivals!

Letters Sent Home (Foto: Franz Naumann bs! 2026)

green star: die Londoner Shoegaze- und Alternative-Rock-Band erinnerte mich stark an eine kühlere Version von Glazyhaze. Beide Bands sind sehr inspiriert von nostalgischen 90s Bands wie Sonic Youth und das merkte man auch schnell während des Sets. Für einen kurzen Schmunzler im Publikum sorgten die anfänglichen Ton-Probleme und die hörbare Konversation zwischen der Band und dem Tontechniker.

Gretel: die britische Singer-Songwriterin Gretel sah ich bereits beim Reeperbahn Festival 2023 und war komplett beeindruckt von ihrer unverkennbaren, tiefen und leicht heiser wirkenden Stimme. Dieses Mal war ihr Set auf das Wichtigste reduziert: Ihre Stimme und Gitarre.

Pale Waves: die englische Pop-Punk-Band Pale Waves höre ich schon seit vielen Jahren, habe sie aber nie geschafft, live zu sehen. Umso glücklicher war ich, dass sie bereits frühzeitig als Headliner für das diesjährige Reeperbahn Festival feststanden! Bekannt wurde die Gruppe besonders ab 2018 durch ihr Debütalbum My Mind Makes Noises, gefördert unter anderem von Matty Healy von The 1975. Die folgenden Alben zeigten jedes Mal eine neue Facette der Band. Als letztes Set des Festivals waren sie ebenfalls eins meiner Highlights des Jahres. Songs wie Eighteen und Change werden mir immer Spaß bereiten und mich an bestimmte Etappen in den letzten Jahren erinnern.

Bis nächstes Jahr!

Das sind meine diesjährigen Acts, die man unbedingt im Blick behalten sollte, denn wie wir bereits wissen, bietet das Reeperbahn Festival besonders den Acts eine Bühne, die demnächst ziemlich durch die Decke gehen werden. In dem Sinne: wir freuen uns bereits auf das nächste Jahr! 

Galerien (by Franz Naumann! bs 2026):
Reeperbahn Festival 2026

Links:
https://www.reeperbahnfestival.com/

Franz Naumann
Franz Naumannhttp://www.be-subjective.de
Franz wird auch oft einfach Dino(junge) genannt, denn wenn er einmal anfängt, von Dinos zu erzählen, hört er so schnell nicht mehr auf. Passend zu seiner Liebe für MySpace & Tumblr, könnte man meinen, dass Franz in der Zeit stehen geblieben ist, aber vielleicht ist es auch einfach eine grosse Portion Nostalgie. Er liebt analoge Fotografie & kennt Pop-kulturelle Momente & die Indie-Szene so gut, wie die Welt der Dinos. Schwarz ist die einzige Farbe, die er trägt, weil „alles Andere in Berlin einfach gefährlich ist“. Und wenn er nicht gerade mit seiner Fuji vom Fotograben aus fotografiert, gibt er viel zu viel Geld für Schallplatten aus.

Weitere Artikel

Ähnliche Beiträge

Preview: Das Reeperbahn Festival 2026 (16.-19.09.2026, Hamburg)

Vom 16. bis 19. September 2026 übernimmt das Reeperbahn...

Review: ZAZ in Dresden – Wenn Musik keine Übersetzung braucht (18.07.2026, Dresden)

Kommt eine Französin nach Dresden und denkt, niemand versteht...

Review: PVA – So klingt 2026! (13.03.2026, Berlin)

Ja, ich weiß – ich habe schon viel zu...