Wumpscut: Schädling (2008) Book Cover Wumpscut: Schädling (2008)
Nina Fuchs
Betonkopf
22.03.2008
www.wumpscut.com

Tracklist:

  1. Rusty nails from Hell
  2. Schäbiger Lump
  3. Oh how it Feels
  4. Foretold
  5. Break the Seal
  6. Rifki
  7. Enemy
  8. Hard to Bear
  9. Spuuk (now is over)
  10. Moloch
  11. Voodoo Void
  12. Nest

Energiegeladen und abwechslungsreich präsentiert sich das neueste Wumpscut-Werk mit Namen „Schädling“. In gewohnter Manier sind die aktuellen 12 Tracks auch in diversen Fan-Packs erhältlich, mit Aufpreis versteht sich. Es handelt sich um eine CD, die nicht allein durch ihre Kritiker Aufmerksamkeit erregen wird. Sie gibt, wie bereits andere Wumpscut-Alben in der Vergangenheit, Anlass zur Diskussion: Ist sie zu hart oder zu zart? Fühlst sich die Fangemeinde unbefriedigt oder wächst Sie weiter an?

Ein wenig back to the roots beginnt das Album mit dem Track „Rusty Nails from Hell“, ein markanter Industrialtrack, der sich gerade durch das Fehlen der typisch soften melodiösen Sequenzen auszeichnet und dennoch tanzbar ist. Dem Industriepublikum gewidmet sind auch „Rifki“ und „Oh How it Feels“! Der Charakter Rifki entstammt dem zu jener Zeit umstrittenen preisgekrönten Prison-Movie „Midnight Express“ (12 Uhr nachts) von 1978. Auch Track zwei des Albums gibt Anstoß zum Dialog. Die Vorwürfe der Rechtsgeneigtheit werden angefacht oder entkräftet, durch die Verarbeitung nationalsozialistischen „Kulturguts“ in „Schäbiger Lump“. Roland Freisler, der unter dem NS-Regime als Jurist Karriere machte ist Urheber der verwendeten Sprachsamples. Pauschal kann man sagen, dass der erste Teil der CD sich thematisch den härteren Klängen widmet, die in Richtung des ursprünglichen Industrials weisen. Die zweite Hälfte dagegen birgt eher rhythmische Dancefloor-Stücke zur Freude des EBM-Volkes. Clubtauglichkeit beweisen vor allem die Tracks „Break the Seal“ und „Hard to Bear“.
Ein Stück für die geeignete Mondphase oder retrograde Beschallung – „Spuuk (Now is Over)“ ist mir leider nicht zugänglich, nicht gut aufeinander abgestimmte Klangexperimente erzeugen ein Gänsehautfeeling der ganz besonderen Art.

Den Zombie erweckt “Voodoo Void” indem es afrikanische Rhythmen und elektronisch verzerrten Stimmen auf einem Trommelteppich ausbreitet, sehr experimentell aber hat Charme. Der Letzte Track des Albums offenbart fast den zarten Charakter einer Ballade, schöne melodramatische Melodien kombiniert mit beinahe sphärischen Klängen und einer düsteren Stimme. In einige Tracks muss man sich erst einhören aber alles in allem finden sich auf diesem Album versteckte Leckerbissen.