Qntal: Purpurea (2008) Book Cover Qntal: Purpurea (2008)
Ronald Becher
Drakkar
31.10.2008
www.qntal.de

Tracklist:

CD1:

  1. All For One
  2. Sumer
  3. Palästinalied
  4. Ad mortem festinamus
  5. Flamma
  6. Nihil
  7. Am morgen fruo
  8. Altas Undaz
  9. Cupido
  10. Departir
  11. Von den Elben
  12. Entre moi et mon amin
  13. Levis
  14. Unter der Linden

CD2:

  1. 292 (A Darker Shape Mix)
  2. Lasse, Grant Doucor
  3. La Froidor (Version Noir)
  4. Glacies (Obscurus Mix)
  5. Veni (Filthy Floor Mix)
  6. Rose In The Mor
  7. Noit et dia (Candidus Mix)
  8. Unmaere
  9. Rot
  10. Ecce Gratum (Novus Mix)
  11. Ludus
  12. Levis (Half Light Mix)
  13. Slahte Wille (Version Bleu)

Die Spannung zwischen so genannter "alter" und "neuer" Musik, derer sich die meisten Bands gar nicht zu nähern wissen, dieser Spannung haben Qntal in den letzten 16 Jahren viel Zeit, Energie und nebenbei auch sechs Studio-Alben gewidmet. Vor etwas mehr als einem halben Jahr kam mit "Translucida" das neueste Werk heraus.

"Translucida", das hieß altbekanntes neu beleuchten, durchleuchten und vielleicht auch Neues dabei entdecken. Mit dem Album hat die Formation aus Syrah, Michael Popp und inzwischen Fil Groth einen Kreis schließen können. Um es mit Terry Pratchett zu sagen: "Um gereist zu sein, muss man auch zurückgeblickt haben". Qntal sind viel gereist, und so scheint es angemessen, den Blick einmal den Weg zurück schweifen zu lassen. Und dazu braucht es scheinbar und tatsächlich auch ein Doppelalbum.

Einst als Seitenprojekt von "Deine Lakaien" gegründet, fanden darin Syrah und Michael, die sich bereits von "Estampie" kannten, zusammen mit Ernst Horn ein weiteres musikalisches Zuhause. Der Frieden hielt zwei eindrucksvolle und richtungsweisende Alben ("Qntal I" und "Qntal II") und knapp fünf Jahre, dann zerstritten sich Popp und Horn und trennten ihre Verbindungen auf. Popp verließ "Deine Lakaien" und Horn "Qntal", gründete mit "Helium Vola" allerdings ein ähnlich angelegtes Projekt.

Als Ersatz stieß 2002 Philipp "Fil" Groth als fester Musiker hinzu und übernahm die Synthesizer. Vergleichsweise kurze Zeit später erschien mit "Qntal III - Tristan und Isolde" das erste Qntal-Studioalbum mit Untertitel, was sich auch die nächsten vier Alben und damit bis heute gehalten hat. Erfreulich bei soviel Vielfalt findet zumindest Popp, dass sich trotz des Wechsels von Ernst Horn zu Fil eine grundlegende Konsistenz erhalten hat. Diese These kann das Album auch ganz gut untermauern.

Die Auswahl der Tracks scheint keinem bestimmten Schema zu folgen, kein Album wird wirklich bevorzugt, und auch "Nihil", welches nur als Single erschienen ist, ist bereits auf der erste der beiden Scheiben zu finden.

Auf der zweiten Cd finden sich fast ausschließlich Remixe, die zum großen Teil die Tanzbarkeit der Stücke unterstreichen oder erst hervorkehren sollen. Eingeschlichen haben sich auch gleich zwei Remixe von "Veni, Veni", welches insbesondere "Helium Vola" wieder bekannt gemacht haben. Auch auf dieser Seite finden sich mit "Unmaere" und insbesondere "Rot" (erschien 2005 auf der Single "Cupido") zwei eher weniger bekannte Werke. Mein persönlicher Favorit ist auch bei den Remixes zu finden, nämlich der "Obscurus Mix" des Songs "Glacies".

Fans der Formation werden zwar eh schon die meisten der Alben haben, insofern enthält die "Best of Qntal" außer einigen interessanten Remixes nichts wirklich Neues. Auch wenn ich mir das Album aus alleinigem Antrieb eher nicht gekauft hätte, da ich die Anderen bereits besitze, muss ich doch zugeben, dass es einen authentischen Überblick über das musikalische Gesamtwerk bietet. Mit knapp 17 € für zwei CDs ist auch der Preis nicht überzogen, demzufolge kann ich das Doppel-"Album" eigentlich nur wärmstens empfehlen. Wie üblich bei eher experimentellen Projekten, zu denen ich auch Qntal zähle, gilt die Empfehlung verstärkt für solche Liebhaber auch der theoretischen Seite der Kompositionen, die mit Vorliebe Stücke auseinander pflücken und sie mit dem Original vergleichen. Auch in dieser Hinsicht hat das Werk einiges zu bieten.

Qntal haben mit dieser gut passenden Auswahl und insbesondere dem Spektrum auf "Purpurea" einmal mehr bewiesen, dass sie sich nicht nur trauen, alte Musik mit neuen Augen zu betrachten, sondern das schon seit langer Zeit erfolgreich praktizieren.