Green Day: 21st Century Breakdown (2009) Book Cover Green Day: 21st Century Breakdown (2009)
Reprise
15.05.2009

Tracklist:

  1. Song Of The Century
  2. 21st Century Breakdown
  3. Know Your Enemy
  4. ¡Viva La Gloria!
  5. Before The Lobotomy
  6. Christian's Inferno
  7. Last Night On Earth
  8. East Jesus Nowhere
  9. Peacemaker
  10. Last Of The American Girls
  11. Murder City
  12. ¿Viva La Gloria? [Little Girl]
  13. Restless Heart Syndrome
  14. Horseshoes And Handgrenades
  15. The Static Age
  16. 21 Guns
  17. American Eulogy: Mass Hysteria/Modern World
  18. See The Light

Was macht man als Band wenn man seit 15 Jahren Punkrockgeschichte schreibt und das Comeback Album eines der hochgelobtesten des Releasejahres ward? Wie kann man das toppen? Green Day steckten genau in dieser Zwickmühle. Besser als “American Idiot” konnte es kaum werden. Doch Green Day zeigen 5 Jahre (ist das tatsächlich schon wieder so lange her?!) nach ihrem Hammeralbum, dass es nur schwer möglich ist, doch beweisen sie, dass man zumindest den Erfolg fortsetzen kann.

Hört man das neue Werk “21st Century Breakdown” das erste mal, unbewusst, durch könnte man denken nicht viel neues. Einfach eine Weiterführung von “American Idiot” mit ein paar neuen Spielereien. Keine so unglaublich einprägsamen Songs, die man gleich nach dem ersten Hören mitsingen kann.

Doch man sollte genauer in die Materie einsteigen. Ein Konzeptalbum mit politischen und gesellschaftkritischen Ansprüchen, aufgebaut auf der Geschichte des Liebespaares Gloria und Christian. Trotz des manchmal etwas dünnen roten Leitfadens der sich durch das Album zieht und diverse Storys in einer großen Geschichte schafft, war es Green Day möglich ihre Songs komplex und ausgewogen zu halten. Von Punk, Rock bis hin zu Spätsechziger-Pop - ein Hauch von County hier, etwas balladesk dort – ein unglaubliches Soundsortiment liefern die Kalifornier ab. Doch immer sind Ausschweifungen und Experimente dezent gehalten, denn die meisten Songs sind von typisch Green Day happy Melodien und (nach einigem Anhören) Mitsinglyrics durchzogen, so dass die Wut und und Kritik stark unterzugehen droht. Da diese heftige Kritik und das gesamte Konzept des Albums den Hauptbonus darstellen, ist gerade das sehr schade - “Tralala wir sind so wütend” das funktioniert nicht.

Musikalisch top, doch manchmal kommt der Gedanke auf, dass das gute alte 3-Akkorde-Gerotze der Vergangenheit authentischer geklungen hat. Umgekehrte Welt: die damaligen Songs übers Kiffen und Masturbieren klangen aggressiver als die heutigen, bewusst auf den Lyrics aufgebauten Rebel-Songs. Vielleicht ist man einfach älter und spricht sachlicher über die Dinge. Die hauptsächliche Weiterentwicklung besteht bei Green Day also nach wie vor in Sachen Songwriting und muskalischen Arrangements. Hier gibt es kaum Ecken und Kanten, alles ist durchgeplant und klingt professionell. Die alten Tage sind seit “American Idiot” vorüber – mehr Rock (oder gar Pop) statt Punk – und trotzdem blieben sich Green Day irgendwo treu. Natürlich trägt auch Billy Joe’s unverkennbare Stimme dazu bei, den Songs ihren Wiedererkennungswert zu verleihen.

Ein Album also, über das man sich streiten kann. Die erwachsene Seite Green Days ist Geschmackssache und zweischneidig. Man darf gespannt sein, wohin die Entwicklung gehen wird…