Neues Album, vertraute Fahnen und 35 Jahre Bandgeschichte: Betontod machen mit ihrer aktuellen Tour Halt im Leipziger Haus Auensee. Mit den Rogers im Vorprogramm und einem besonderen Gastauftritt startet der Abend, bevor technische Schwierigkeiten den Hauptact zunächst etwas ausbremsen.
„Wir fangen jetzt erst an!“ – selbstbewusster könnte der Titel des neuen Betontod-Albums kaum sein. Ende September veröffentlicht, führt die dazugehörige Tour die Band aus Rheinberg am 16. Oktober nach Leipzig. Statt sich ausschließlich auf die eigene Vergangenheit zu verlassen, wollen Betontod zeigen, dass ihre Geschichte noch lange nicht auserzählt ist. Dafür haben sie neben neuem Material natürlich auch jede Menge vertraute Songs im Gepäck. Den Auftakt übernehmen die Rogers, die musikalisch bestens zum Abend passen.
Rogers mit Überraschung im Gepäck

Die Düsseldorfer bringen ihren melodischen Punkrock auf die Bühne und stimmen auf den Hauptact ein. Dabei bleibt es nicht bei einem gewöhnlichen Support-Auftritt: Wenke, Sängerin von MandelKokainSchnaps, kommt für einen Song mit auf die Bühne. Der gemeinsame Auftritt sorgt für einen zusätzlichen Akzent im Set und ist eine schöne Überraschung, bevor Betontod übernehmen.

Kleine technische Probleme, vertrauter Anblick
Als Betontod auf die Bühne kommen, läuft zunächst offenbar nicht alles ganz rund. Augenscheinliche technische Probleme machen den Start etwas holprig. Die Band lässt sich davon jedoch nicht lange aufhalten und findet gut in ihren Auftritt. Nach der anfänglichen Unruhe nimmt das Set Fahrt auf und die Rheinberger können sich auf das konzentrieren, worum es an diesem Abend geht: ihre Musik.
Auch optisch ist schnell klar, wer hier auf der Bühne steht. Die Fahnen, die Betontod bei ihren Konzerten regelmäßig dabeihaben, gehören längst zum vertrauten Bild und dürfen natürlich auch in Leipzig nicht fehlen. Zusammen mit den Gitarren und dem typischen Punkrock-Sound sorgen sie für den Wiedererkennungswert, den langjährige Fans mit der Band verbinden.

Neues Album trifft auf Bandgeschichte
Mit „Wir fangen jetzt erst an!“ haben Betontod nicht nur einen Albumtitel gewählt, sondern auch die Richtung ihrer aktuellen Tour vorgegeben. Das neue Material steht neben Songs aus verschiedenen Phasen der Bandgeschichte, sodass der Abend weder zu einer reinen Werbeveranstaltung für die aktuelle Platte noch zu einem nostalgischen Rückblick wird. Stattdessen treffen vertraute Titel auf das aktuelle Kapitel der Band.
Dass Betontod nach 35 Jahren genügend Songs für einen solchen Querschnitt haben, überrascht wenig. Die Band hat sich über Jahrzehnte ihren Platz im deutschsprachigen Punkrock erspielt. Ihre Mischung aus direkten Texten, eingängigen Refrains und druckvollen Gitarren ist dabei längst zu ihrem Markenzeichen geworden.


Ganz voll ist das Haus Auensee an diesem Abend allerdings nicht. Zwischen den Konzertbesucherinnen und Konzertbesuchern bleiben stellenweise Lücken, ausverkauft ist die Halle nicht. Das fällt bei einer Tour mit einem so entschlossenen Motto durchaus auf. An der grundsätzlichen Ausrichtung des Abends ändert es jedoch nichts: Betontod bringen ihre Songs auf die Bühne und verbinden dabei alte Bekannte mit dem neuen Material.
Zwischen Feierlaune und Haltung
Punkrock darf laut sein, Spaß machen und für ein paar Stunden den Alltag vergessen lassen. Gleichzeitig gehört eine gewisse Unbequemlichkeit zum Selbstverständnis des Genres. Gerade bei einer Band, die seit 35 Jahren unterwegs ist, stellt sich deshalb die Frage, wie viel Raum neben den vertrauten Refrains noch für neue Impulse bleibt.
Betontod setzen auf einen bewährten Sound, wissen aber auch, dass ein Konzert nicht ausschließlich aus druckvollen Nummern bestehen muss. Mit „An deiner Seite“ in einer Unplugged-Version bekommt das Set zwischendurch einen ruhigeren Moment, bevor die Band wieder zu ihrer rockigeren Seite zurückkehrt. Solche Kontraste lockern den Ablauf auf und geben dem Programm etwas mehr Dynamik.
Natürlich muss nicht jeder Song eine politische Grundsatzrede sein. Ein Konzert darf in erster Linie unterhalten, und nicht jede Band muss sich nach Jahrzehnten komplett neu erfinden. Trotzdem darf man sich bei einer Formation mit dieser Geschichte wünschen, dass sie auch künftig Ecken und Kanten zeigt. Schließlich lautet das Motto nicht „Wir bleiben, wie wir sind“, sondern „Wir fangen jetzt erst an!“.
Ein Schlussstrich? Noch lange nicht

Im weiteren Verlauf schöpfen Betontod aus ihrem umfangreichen Repertoire und führen den Abend bis zur Zugabe. Mit dem Outro „Im Wagen vor mir“, dem Cover des Henry-Valentino-Klassikers, endet das Konzert schließlich mit einem Titel, der sich deutlich vom übrigen Punkrock-Programm abhebt.
Der Abend im Haus Auensee verbindet damit mehrere Seiten der Band: die vertrauten Elemente, die langjährige Fans erwarten, das neue Album und die kleinen Besonderheiten eines Livekonzerts – vom Gastauftritt bei den Rogers bis zu den technischen Schwierigkeiten zu Beginn. Auch die nicht ausverkaufte Halle gehört zur ehrlichen Bilanz dieses Abends.
Mit „Wir fangen jetzt erst an!“ geben Betontod die Richtung vor, in die sie blicken wollen. Ob daraus in Zukunft neue musikalische Impulse entstehen, wird sich zeigen. In Leipzig steht zumindest fest, dass die Band ihre Geschichte noch nicht als abgeschlossen betrachtet. Und nach 35 Jahren gibt es schließlich auch keinen Grund, schon den Schlussstrich zu ziehen.
Galerien (by Lydia Weise bs! 2026)
Setlist:
- All die schönen Menschen
- Schwarzes Blut
- Feuer frei!
- Keine Popsongs
- Neonlicht
- Alles
- Auf eine gute Zeit
- Tanz im Algorithmus
- Hömmasammawommanomma
- Keep Calm
- An deiner Seite (Unplugged)
- Bambule & Randale
- Ich bereue nichts
- Küss mich
- Ich nehme dich mit
- Zusammen
- Für dich
- Nie mehr St. Pauli ohne Dich
- Glück auf
- Viva Punk!
- Abwesenheitsnotiz
- Eine letzte Runde
- Traum von Freiheit
- Outro: Im Wagen vor mir (Cover von Henry Valentino)

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