Review: Zwei Abende Das Lumpenpack – Konfetti, Wortwitze und jede Menge Liebe fürs Publikum (13.10/14.10.2026, Leipzig)

Vanholzen als starker Support, prominente Gäste und eine Band, die live einfach abliefert: Das Lumpenpack sorgte an zwei Abenden im Leipziger Haus Auensee für beste Stimmung.

Manchmal braucht es nicht viel für einen gelungenen Konzertabend: eine Band mit ordentlich Live-Energie, ein Publikum, das vom ersten Ton an mitgeht, und zwei Frontmänner, deren Wortwitz auch zwischen den Songs für beste Unterhaltung sorgt. Dass Das Lumpenpack genau diese Mischung beherrscht, bewies die Band an zwei Abenden im Leipziger Haus Auensee. Während der erste Termin restlos ausverkauft war, blieb am zweiten Abend zwar noch etwas Luft im Saal, der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch. Wer einmal bei Das Lumpenpack war, weiß ohnehin: Hier geht es nicht nur um Musik, sondern um ein ziemlich rundes Gesamtpaket.

Vanholzen heizen ein – Mathias von Heisskalt als Gast

Van Holzen(Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Bevor Das Lumpenpack die Bühne übernahm, gehörte an beiden Abenden Van Holzen das Rampenlicht. Und die machten ihre Sache richtig gut. Mit ordentlich Druck und einer überzeugenden Bühnenpräsenz sorgten sie dafür, dass die Stimmung im Saal schon vor dem Hauptact auf Betriebstemperatur kam.

Ein besonderes Wiedersehen gab es ebenfalls an beiden Abenden: Mathias von Heisskalt kam als Gast auf die Bühne und performte gemeinsam mit Van Holzen ihren gemeinsamen Song „Himmel“. Ein schöner Moment, der die Verbindung zwischen den Bands unterstrich und bereits vor dem Hauptact für Begeisterung sorgte.

Van Holzen (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Ein Vorhang, Konfetti und jede Menge Überraschungen

Nach einem stimmungsvollen Intro, bei denen Auszüge von Sprachnachrichten der Fans eingespielt wurden, wurde es ernst – zumindest für einen kurzen Moment. Vor dem noch geschlossenen Vorhang stand Jonas allein und performte die ersten Zeilen, bevor der Vorhang fiel, Konfetti durch die Luft wirbelte und die komplette Band zum Vorschein kam. Mit „Bevor der Mut dich verlässt“ ging es direkt in die Vollen. Ein Auftakt, der klarmachte, wohin die Reise an diesem Abend gehen würde.

Das Lumpenpack (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Dass Das Lumpenpack eine verdammt gute Liveband ist, zeigt sich allerdings nicht allein an der Musik oder der Inszenierung. Es sind vor allem die kleinen Geschichten, spontanen Einfälle und absurden Situationen, die ihre Konzerte so besonders machen. Max und Jonas sind ein eingespieltes Team, bei dem sich der gemeinsame Hintergrund in der Poetry-Slam-Szene immer wieder bemerkbar macht. Wortspiele, trockene Kommentare und humorvolle Anekdoten gehören genauso zur Show wie die Songs selbst. Und manchmal fragt man sich ernsthaft, ob zwischen zwei Liedern überhaupt noch jemand im Publikum Luft holen kann, bevor der nächste Spruch sitzt.

Musikalisch ging es mit Songs wie „Schluss mit Reden“, „Sabine R.“, „Kruppstahl, Baby“ und „Immer noch drauf“ weiter. Dazwischen lockerten die Kraft der Musik -Skits und weitere humorvolle Einlagen den Abend auf. Die Mischung aus energiegeladenen Nummern, persönlichen Momenten und Comedy funktioniert bei Das Lumpenpack einfach hervorragend.

Ein besonderer Running Gag zog sich dabei durch den Abend: „Die Kraft der Musik“ wurde mehrfach angespielt, doch statt den Song direkt komplett zu spielen, ließ die Band das Publikum erst einmal zappeln. Offenbar musste sich der Saal die volle Ladung erst verdienen. Erst als alle bereit dafür waren, gab es „Die Kraft der Musik“ schließlich in voller Länge. Ein herrliches Spiel mit den Erwartungen, bei dem das Publikum natürlich bereitwillig mitmachte. Manchmal muss man eben erst beweisen, dass man der Kraft auch wirklich gewachsen ist.

Das Lumpenpack (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Natürlich durfte auch die Interaktion mit dem Publikum nicht fehlen. Schilder wurden vorgelesen, Drumsticks und Plektren verschenkt und die Menschen vor der Bühne immer wieder direkt angesprochen. Auf der kleinen B-Stage mitten im Publikum wurde die Distanz zwischen Band und Fans endgültig aufgehoben.

Besonders kurios wurde es beim vermeintlichen Stage-Diving von Max. Im Rennanzug samt Helm schien er sich ins Publikum zu stürzen. Doch während alle noch mit dem ungewöhnlichen Anblick beschäftigt waren, stellte sich heraus: Max war gar nicht derjenige, der da gerade auf Tauchstation ging. Er hatte sich längst auf den Weg zur kleinen B-Stage gemacht, um dort mitten zwischen den Leuten „Wind“ zu performen. Ein herrlich absurder Moment, der perfekt zum Humor der Band passte.

Pädagogen, Blockflöten und ein Saal im Ausnahmezustand

Ein musikalisches Highlight war „Pädagogen“ in einer besonderen Akustikversion. Und wie es sich für einen ordentlichen Lumpenpack-Abend gehört, blieb auch hier Raum für Spekulationen. Es wird schließlich gemunkelt, Jonas habe dabei Blockflöte gespielt. Ein Thema, über das man bekanntlich besser nicht zu laut spricht – schließlich könnte man sonst geblockt werden. Wer Jonas und diesen Running Gag kennt, weiß, dass allein die Vorstellung für ausreichend Unterhaltung sorgt.

Auch Songs wie „Live in Manila“, „Alles Schwarz“ und „Die Nacht“ zeigten die musikalische Bandbreite des Abends, bevor „Rücken an Rücken“ mit einer ordentlichen Portion Konfetti den Schlusspunkt setzte. Ein Finale, das sich sehen lassen konnte und den Saal noch einmal in Bewegung brachte.

Das Lumpenpack (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Überhaupt lebt ein Lumpenpack-Konzert von genau solchen Momenten: Die Band nimmt sich selbst nicht zu ernst, verliert dabei aber nie den Blick für das Publikum. Dass sich möglichst alle wohlfühlen sollen, ist nicht bloß eine nette Randnotiz. An beiden Abenden war ein Awareness-Team vor Ort, und auch musikalisch wurde deutlich, dass hier ein Konzert für möglichst viele Menschen entstehen soll.

Die Mamas- und FLINTA*-Moshpits wurden begeistert angenommen. Es wurde getanzt, gesprungen, gelacht und gefeiert – und das alles in einer Atmosphäre, in der sich möglichst jede Person willkommen fühlen sollte.

Am ersten Abend kam zur ausgelassenen Stimmung noch eine ordentliche Portion Sauna-Feeling hinzu. Das Haus Auensee war ausverkauft und entsprechend warm. Sehr warm. Wer an diesem Dienstag im Saal stand, brauchte eigentlich keine zusätzliche Bewegung mehr, um ins Schwitzen zu kommen. Das Publikum war trotzdem von der ersten Sekunde an voll dabei. Am zweiten Abend war es zum Glück etwas angenehmer temperiert, ohne dass die Energie darunter gelitten hätte.

Leipziger Überraschungen und eine kleine Rechenschwäche

Der zweite Abend hielt noch ein paar zusätzliche Überraschungen bereit. Bei „Kruppstahl, Baby“ kam Julius Fischer aus Leipzig auf die Bühne und sang mit, bei „Boys“ war Lisa von der Band Ell als Gast dabei. Zwei schöne Ergänzungen, die dem ohnehin abwechslungsreichen Konzert noch einmal einen besonderen Charme gaben.

Das Lumpenpack (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Und dann war da noch mein ganz persönlicher Moment auf der B-Stage. Jonas entdeckte mein „Live in Manila“-Shirt und wollte wissen, wie alt ich denn beim Manila Konzert gewesen sei. Eine eigentlich harmlose Frage, sollte man meinen. Dummerweise wollte mir die passende Antwort partout nicht einfallen. Wenn Jonas einen persönlich anspricht kann das durchaus für einen kleinen Blackout sorgen. So erfuhr also das Haus Auensee, dass Kopfrechnen offenbar nicht unbedingt zu meinen Kernkompetenzen gehört. Jonas nahm die Situation glücklicherweise mit Humor und verpackte meine kleine Denkpause in einen passenden Witz. Ich nehme mir fest vor, beim nächsten Mal schneller zu antworten. Versprochen. Vielleicht. 😉

Von Queen bis Journey: Mitsingen ausdrücklich erwünscht

Auch abseits der eigentlichen Show hat Das Lumpenpack seine Traditionen. Bevor es losgeht, erklingt „Bohemian Rhapsody“ von Queen – und der Saal singt mit. Ein gemeinsamer Auftakt, der die Vorfreude noch einmal ordentlich steigert. Am Ende wartet dann „Don’t Stop Believin’“ von Journey und sorgt für genau die Art von Stimmung, bei der man am liebsten noch eine Runde dranhängen würde.

Natürlich durfte auch das Konfetti zum Abschluss nicht fehlen. Bei „Rücken an Rücken“ regnete es noch einmal bunt von oben, während sich die Energie des Abends in einem letzten gemeinsamen Höhepunkt entlud. Zwei Abende, die sich in ihrem Ablauf ähnelten, aber durch die zusätzlichen Gäste, spontanen Situationen und kleinen Unterschiede jeweils ihren eigenen Charakter bekamen.

Zwei Abende, ein Fazit: Das Lumpenpack gibt live einfach alles

Ob ausverkauft und gefühlt bei 40 Grad oder mit etwas mehr Platz und angenehmeren Temperaturen: Das Lumpenpack lieferte an beiden Abenden im Haus Auensee ab. Van Holzen überzeugten als Vorband, die Gastauftritte sorgten für zusätzliche Highlights und Max und Jonas bewiesen einmal mehr, dass sie nicht nur Songs schreiben, sondern auch eine Bühne mit Leichtigkeit, Charme und jeder Menge Humor füllen können.

Es sind die musikalischen Momente, die überraschenden Einfälle, die kleinen Gespräche mit dem Publikum und der spürbare Wunsch, einen Ort zu schaffen, an dem alle gemeinsam feiern können, die diese Konzerte ausmachen. Man merkt der Band an, wie viel Spaß sie selbst dabei hat – und genau das überträgt sich auf den Saal.

Das Lumpenpack (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Zwei Tage Leipzig, zwei großartige Shows und jede Menge Gründe, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Das Lumpenpack gehört für mich definitiv zu den besten Livebands, die man sich auf einer Bühne anschauen kann. Und wenn beim nächsten Konzert wieder jemand im Rennanzug durchs Publikum zu verschwinden scheint, weiß ich immerhin: Erst einmal nach der B-Stage Ausschau halten. Und vielleicht vorher noch ein bisschen Kopfrechnen üben.

Galerien (by Lydia Weise bs! 2026)

Setlist:

  • Bevor der Mut dich verlässt
  • Schluss mit Reden
  • Sabine R.
  • Kruppstahl, Baby
  • Immer noch drauf
  • Ich liebe meine Wut
  • In Ruhe gelassen werden
  • Dolce Wohnen
  • Kann es sein, das du Dumm bist
  • Diskrepanz
  • Clubs dieser Stadt
  • Kraft der Musik
  • Boys
  • Mach mal Platz
  • Wand
  • Wind
  • Hauch mich mal an
  • Früher war alles besser, außer manches
  • Kaputt
  • Mein Hass
  • Live in Manila (2007)
  • Alles Schwarz
  • Pädagogen
  • Die Nacht
  • Rücken an Rücken

Links:

Das Lumpenpack (Foto: Lydia Weise bs! 2026)
Das Lumpenpack (Foto: Lydia Weise bs! 2026)
Lydia Weise
Lydia Weisehttps://frlwunderlich.photography/
Lydia – im Fotograben auch als Frl.w.underlich bekannt (ein Name, der nicht zufällig so klingt, als hätte jemand ihre Eigenarten liebevoll zusammengefasst) – kam durch die berüchtigte Fotokatze Kristin zu be subjective!.Man könnte sagen, sie wurde weniger „rekrutiert“ und eher „stilvoll eingesammelt“, bevor sie überhaupt merkte, was passiert. Seitdem hält Lydia für be subjective! Konzertmomente fest: mit schnellem Blick, ruhiger Hand und einer guten Portion Humor, wenn das Licht mal wieder macht, was es will. Sie liebt die Mischung aus Energie und echter Emotion, die nur Live-Konzerte bieten. Abseits des Konzertwahnsinns arbeitet sie im sozialen Bereich – ein Ort, an dem zwar weniger Gitarren fliegen, aber sich dafür Menschen tummeln die genauso viel Charakter haben.

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