Das Bühnenbild ist einfach gehalten: Ein großer Flügel, ein paar Synthesizer, Knöpfe, Kabel und ein zentrales, ungewöhnliches Beleuchtungselement. Dazu eine bestuhlte Kulturetage an einem ausverkauften Abend: Martin Kohlstedt ist in Oldenburg und das möchte man sich selbstverständlich nicht entgehen lassen.

Nach und nach finden sich die Menschen auf ihren Plätzen ein und halten noch das ein oder andere Schwätzchen. Die Hintergrundmusik ist leise, durchzogen von Naturgeräuschen und Vogelgezwitscher. Fast unmerklich wird die Lautstärke erhöht, was irgendwann ganz organisch dazu führt, dass die vielen Stimmen im Saal verstummen. Es ist nach 20 Uhr. Zeit, dass die Show beginnt. Als es leise wird, wird auch das Saallicht gedimmt und ein sichtbar gut gelaunter Martin Kohlstedt betritt den Raum, verbeugt sich kurz und platziert sich inmitten seiner Instrumente. Leise geht es los am Flügel, bevor er sich mehr und mehr in die Musik steigert.

Kein Konzert von Martin Kohlstedt gleicht dem anderen. Zwar zitiert er immer wieder seine Albumaufnahmen, doch rundherum stehen die Abende im Zeichen der Improvisation – einen ungefähren Fahrplan scheint er dabei nicht zu haben, zeigt er sich in den Ansagen zwischen den Stücken doch immer wieder selbst davon überrascht, was dort gerade auf der Bühne geschehen ist. Manchmal klingt es, als würde er seine Arbeit selbst bewerten, mal entschuldigend, dass es doch wilder wurde, als geplant, mal nachfragend, was das Publikum denn nun gern hätte. Immer wieder versucht er dabei den Gästen seine Improvisationsmethodik zu erklären. Mal enden die Stücke ganz langsam und leise, mal als lauter Knall – immer gefolgt von begeistertem Applaus.

Das Publikum klebt an Kohlstedts Fingerspitzen. Nicht mal ein Nuscheln ist im Saal zu hören. Beeindruckend, gerade in den leisen Passagen, in denen plötzlich jedes Nebengeräusch, jedes noch so leise Atmen, Niesen, Schlüsselklappern wie eine Störung wirkt. Der Musiker gibt immer wieder zu verstehen, wie zufrieden er mit Location und dem Abend ist – wie geborgen man sich in der Kulturetage fühlen kann.
Während die Gäste in warme Klänge eingewickelt werden, wird der Künstler stetig in passendes Licht gehüllt – für die Verantwortlichen gar nicht so einfach, wissen sie schließlich nicht, was als nächstes auf der Bühne geschieht – manchmal wirkt es, als würde Martin Kohlstedt absichtlich das Licht abgedreht werden, damit ein Stück endlich ein Ende findet – ein bisschen Witz darf an so einem Abend schließlich auch nicht fehlen.
„Thüringen hat gute Nachrichten nötig“
Erst gegen Ende spricht der aus Weimar kommende Künstler noch über sein zweites Herzensprojekt neben der Musik: dem Wald und der standortgerechten Aufforstung. So nutzt er die Einkünfte aus der Musik, um neues Land zu kaufen und mit Hilfe vieler Freiwilliger wieder zu renaturieren. Laufende Infos darüber erhält man auf Kohlstedts Homepage oder direkt im Anschluss an das Konzert im direkten Gespräch.

Eine gute Sache. Eine gute Show – die gern auch hätte noch länger gehen dürfen!
Galerie (by Thea Drexhage bs! 2025)
Martin Kohlstedt (14.11.2025, Oldenburg)


