Hochverlegt! Statt im muckeligen Tower gibt’s Adam Angst heute im großen Schlachthof. Geil, mehr Platz für alle. Mittelgeil, die betanzbare Fläche scheint, den vielen Treppen und Emporen verschuldet, doch verhältnismäßig klein, aber dafür wird an diesem Abend auf den Wellenbrecher vor der Bühne verzichtet und somit die Tower-Intimität bewahrt.
Alias Caylon (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
Bevor jedoch zusammen mit Adam Angst geschwitzt werden kann, gibt’s noch das Vorprogramm der Flensburger Post-Hardcore Band Alias Caylon, die vielen an dieser Stelle gänzlich unbekannt scheinen.
Könnte daran liegen, dass der Vorgänger des aktuellen Albums „Where there be no land“ ganze neun Jahre zurück liegt. Von dieser langen Pause merkt man auf der Bühne nichts. Das Set ist stimmig und die Stimmung gut. Der Sound von Alias Caylon erinnert streckenweise an den At the Drive-In – Ableger Sparta, kommt aber insgesamt deutlich rotziger daher. Dadurch bilden sich bereits nach kurzer Zeit vorsichtige Moshpitchen. Das mit dem Aufwärmen für Adam Angst klappt zumindest partiell.
Alias Caylon (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
Wenn ich Adam Angst schon höre, dann platzt mein Trommelfell
Adam Angst (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
Was dann jedoch bei den ersten Tönen von „Punk“ passiert, ist mit Worten nur schwer zu fassen. Hauptsächlich, weil man so viele Ellenbogen, Bierbecher und andere Dinge gegen die Rübe geworfen bekommt, dass das Hirn erstmal in den Stand-By schalten muss, zumindest, wenn man sich auf dem kleinen betanzbaren Teil des Schlachthofs befindet. Auf den hinteren Rängen bleibt es entspannt. Wenn mensch es also schafft, sich aus der klebrigen Bierschweißmasse zu befreien, um sich in eine gemütliche dunkle Ecke zurück zu ziehen, klappt’s auch wieder mit dem Artikulieren.
Adam Angst (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
Die Band scheint an diesem Abend in bester Form. Mit dem charismatischen
Felix fucking Irgendwasmitfuss
Adam Angst (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
und Wirbelwind/ Gitarrist / Fjørt – Frontsau David Frings hat Adam Angst zwei Typen am Start, die die Menge voll im Griff haben, sodass man in der ersten Reihe schon fast Angst bekommt, wenn man nicht ganz bei der Sache ist. Die Ansagen sind witzig, ebenso wie zahlreiche Texte über interstellare Begegnungen und mürrische Heimassistenten, dennoch ist die große Botschaft hinter allen Songs klar und das Publikum dementsprechend offen und tolerant, wodurch der politische Zeigefinger überflüssig wirken könnte, dem Spaß jedoch keinen Abbruch tut, sondern frenetische
Nazis Raus
Rufe nach sich zieht, die hoffentlich laut genug waren, um auch außerhalb des Schlachthofs gehört werden zu können.
Adam Angst (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
Da kürzlich mit „Neintology“ erst das zweite Album der Gruppe erschienen ist, warten in der Setlist keine großen Überraschungen auf die Gäste, dafür versprach das One-Record-Wonder Schönfuss, dass es auch ein drittes Adam Angst Album geben wird. Mit „Professoren“ und „Wir werden alle Sterben“ verlangen die Musiker sich selbst und den Gästen noch einmal einiges ab, aber da ist noch Luft nach oben.
Ich stürze auf die Erde, nach mir ein Feuerschweif.
Brauchst du einen Vorgeschmack, gib‘ „Rammstein“ bei YouTube ein.
Schluss jetzt hier mit Friede, Freude. Jetzt wird bezahlt,
denn euer Jesus hat die Schnauze voll und hat Bock auf Gewalt.
Mit frischem schwarzen Hemd geht’s nach ‘ner kurzen Pause zurück auf die Bretter, um mit ner ordentlichen Kelle Pathos von „Jesus Christus“ zu predigen, bevor sich einige Musiker zu „Splitter von Granaten“ selbst in das noch immer brodelnde Moshpit begeben (da hätte man das verschwitze weiße Hemd auch gleich anlassen können). Verabschiedet wird die klebrige Menschenmasse mit dem Fu Manchu Klasiker „Hell on Wheels“ …also mit der „Frieda und die Bomben“ – Turbostaatbeatsteaks-Version…ihr wisst schon. Hauptsache knallt. Und das tut‘s. Wem das nicht reicht, wird draußen noch die Chance geboten, sich mit ‘nem Glühwein am Lagerfeuer den Rest zu geben.
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