Das wurde auch Zeit, dass Tigeryouth und das Eisen Bremen endlich zusammenfinden. Eigentlich sollte die Show in Bandbesetzung stattfinden, wurde so schließlich auch die letzte Tigeryouth-Platte Alles neu aufgenommen, aber durch Krankheit von Schlagzeugerin Riccarda kam Tilmann dann doch solo vorbei. Das bedeutet aber nicht, dass die Show dadurch leiser oder weniger energetisch werden
sollte.

Für einen Donnerstag-Abend in der stressigen Vorweihnachtszeit füllt sich die kleine Eck-Kneipe wirklich gut. Auf der Bühne wartet einsam der Mikrofonständer und ein winziges Effektgerät. Eckkneipengespräche, kühle Bierchen und durchweg gute Laune, bis es dann etwas verspätet losgeht. Tigeryouth kommt mit Gitarrentasche auf die Bühne gestiefelt, packt seine abgerockte Klampfe aus und legt eigentlich ohne großes Fackeln und vor allem ohne Setlist los. Und was soll man sagen?
Tigeryouth und Eisen, das passt einfach. Da ist nix aalglatt poliert, da kann auch mal der Rost an der einen oder anderen Ecke durchscheinen.
Es geht ums zu viel Rauchen, Theken und Tresen, späte Abende, dunkle Zeiten, verfickte Nazis, aber auch um die Menschen, die etwas Licht zurück in die dunklen Zeiten bringen. Die Setlist geht dabei kreuz und quer durch die Diskographie, den ein oder anderen Song gibt’s auf Zuruf. Als kleine Überraschung, die jetzt nicht wirklich überraschend war, weil man im Eisen eben auch keinen Special Guest einfach so verstecken kann, kam Jule noch für ein paar Songs auf die Bühne: erst Disso Disco von Alles Neu und im Anschluss Wut, ein Song von Jule der am 12.12. frisch auf ihrer Platte Es ist nie zu spät für Frühstück erschienen ist. Und auch das passt einfach. (Jule spielt übrigens am 27.12. auch noch ‘ne kleine Release-Show im
Eisen).
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Zum Brandsatz in deiner Hand
Vom Bildschirm an die Front
Und dann die ganze Welt in Flammen
Höhe- und gleichzeitig auch Tiefpunkt des Abends dürfte die Aneinanderkettung von Lauter und Himmel Ohne Wolken sein – wäre umgekehrt vielleicht etwas hoffnungsvoller gewesen. Aber so ist’s natürlich auch realistisch. Und nun das Aber: solange es solche Läden, solche Begegnungsstätten wie das Eisen gibt, ist die Oper eben nicht zuende. Vielleicht haben wir vor allem die Sozialen Medien den neuen Rechten überlassen, um sich da für ihre menschenverachtende Scheiße zusammenzurotten. Aber wenn es um Organisation im echten Leben geht, ob nun in der linken Eckkneipe oder auf der Straße, dann sieht es doch noch immer ganz gut aus. Beispielsweise am 13.12 im Hamburg, wo wieder tausende bei der PRÜF-Demo am Start sein werden.
Es gibt zum Glück noch genug Menschen, die mit Leidenschaft bei der Sache sind. Auch Tigeryouth. Was für ein schöner Abend, was für ein schönes Konzert. Noch ein fixes Rio Reiser-Cover bevor er uns mit Disco endgültig aus dem Eisen schmeißt. Gerne wieder, auch mit Band!
Galerien (by Thea Drexhage bs! 2025)
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