Start Events Konzertberichte Review: Skunk Anansie liefern Rockkonzert des Jahres (12.06.2026, Dresden)

Review: Skunk Anansie liefern Rockkonzert des Jahres (12.06.2026, Dresden)

Skunk Anansie (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)

Manchmal weiß man schon nach wenigen Minuten, dass man gerade etwas Besonderes erlebt. Als Skunk Anansie am Freitagabend den ausverkauften Alten Schlachthof Dresden mit „This Means War“ eröffnen, gibt es eigentlich keine offenen Fragen mehr. Dieser Abend wird laut. Schweißtreibend. Intensiv. Und vermutlich eines jener Konzerte, über die man am Jahresende noch immer sprechen wird.

Ursprünglich sollte die Show in der Jungen Garde stattfinden. Wie bereits 2019 wird das Konzert schließlich in den Alten Schlachthof verlegt. Damals bleibt noch reichlich Platz im Saal. Sieben Jahre später sieht die Sache anders aus: Ausverkauft. Voll bis auf den letzten Quadratmeter. Schon das zeigt, welchen Stellenwert die britische Band heute noch besitzt.

Im Publikum stehen vor allem Menschen, die Skunk Anansie schon in den 90ern gehört haben. Menschen, die „Hedonism“ auf MTV gesehen, CDs gekauft und Nächte mit Rockmusik verbracht haben. Doch statt nostalgischer Rückschau dominiert an diesem Abend etwas anderes: pure Begeisterung.

Lobsterbomb zünden die Lunte

Lobster Bomb (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)
Lobster Bomb (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)

Bevor Skunk Anansie die Bühne übernehmen, sorgt das Berliner Trio Lobsterbomb für den perfekten Auftakt.

Die Mischung aus Indie, Punk und rotziger Attitüde funktioniert hervorragend. Sängerin und Gitarristin, Bass und Schlagzeug liefern keine gewöhnliche Vorband-Show ab, sondern ein energiegeladenes Set voller Spielfreude. Die Band wirbelt über die Bühne, als hätte sie nur eine Mission: das Publikum möglichst schnell auf Betriebstemperatur zu bringen. Das gelingt. Als Lobsterbomb die Bühne verlassen, ist die Stimmung bereits auf einem Niveau, von dem andere Konzerte den ganzen Abend zehren würden.

Lobster Bomb (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)

Skin ist eine Naturgewalt

Skunk Anansie (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)

Es wäre unfair, den Abend allein auf Frontfrau Skin zu reduzieren. Andererseits ist genau das nahezu unmöglich. Die Sängerin betritt die Bühne zunächst in einem schwarzen Kapuzenmantel. Fast mystisch wirkt ihr Auftritt, während hinter ihr die markanten schwarzen Spike-Konstruktionen der Bühnendekoration in den Himmel ragen. Wie überdimensionale Dornen oder dunkle Kakteen rahmen sie die Band ein und verleihen der Bühne eine düstere, kraftvolle Optik. Spätestens bei „Because Of You“ fliegt der Umhang in die Ecke. Was danach folgt, ist eine Demonstration von Bühnenpräsenz.

Skin springt, tanzt, rennt über die Bühne und singt dabei mit einer Leichtigkeit, die man kaum für möglich hält. Die inzwischen 58-Jährige wirkt keinen Moment wie jemand, der seit über drei Jahrzehnten auf den größten Bühnen der Welt unterwegs ist. Ihre Stimme besitzt noch immer alles, was Skunk Anansie seit den 90ern ausmacht: Wucht, Verletzlichkeit, Zorn und Leidenschaft.

Wer die Sängerin bislang nur von Fotos kennt, dürfte überrascht sein. Die kleine, drahtige Frau entfaltet auf der Bühne eine Präsenz, die den gesamten Raum ausfüllt.

Zwischen Wut, Haltung und großen Gefühlen

Skunk Anansie (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)

Skunk Anansie waren nie nur eine Rockband. Gesellschaftliche Themen, Ausgrenzung, Politik und soziale Ungerechtigkeit ziehen sich seit jeher durch ihre Musik. Auch an diesem Abend sind diese Themen präsent, ohne dass sie belehrend wirken.

Songs wie „God Loves Only You“, „Yes It’s Fucking Political“ oder „Little Baby Swastikkka“ zeigen eindrucksvoll, dass viele Inhalte der Band heute aktueller erscheinen als jemals zuvor.

Gleichzeitig schaffen Skunk Anansie den Spagat zwischen Haltung und Unterhaltung. Die Songs transportieren Wut, Energie und Emotionen, ohne jemals schwer oder verbissen zu wirken. Vielleicht ist genau das ihre größte Stärke.

Wenn 1500 Menschen nicht laut genug sind

Skunk Anansie (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)

Einer der besten Momente des Abends ereignet sich ausgerechnet mitten in einem Song. Bei „Tear The Place Up“ fordert Skin vom Publikum noch einmal alles. Doch offenbar nicht genug. Mitten im Stück stoppt sie die Band und schüttelt den Kopf. Also alles nochmal von vorn und dieses Mal liefert Dresden zufriedenstellend.

Der Schlachthof verwandelt sich endgültig in einen brodelnden Hexenkessel. Menschen springen, klatschen, singen und feiern, als gäbe es kein Morgen. Moshpits öffnen sich, verschwinden wieder, überall fliegen Arme durch die Luft.

Dabei bleibt die Atmosphäre bemerkenswert friedlich. Hart, laut und energiegeladen – aber niemals aggressiv.

Hautnah statt Sicherheitsabstand

Skunk Anansie (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)

Wie nah Skunk Anansie ihren Fans sind, zeigt sich besonders bei „I Can Dream“. Während andere Bands die Distanz zwischen Bühne und Publikum pflegen, macht Skin genau das Gegenteil. Sie verlässt die Bühne, mischt sich unter die Zuschauer und singt den Song mitten in der Menge. Für viele Fans dürfte das einer der Momente sein, die dauerhaft in Erinnerung bleiben. Die Barriere zwischen Künstler und Publikum existiert plötzlich nicht mehr. Da steht keine internationale Rockikone. Da steht einfach ein Mensch zwischen anderen Menschen und feiert gemeinsam Musik.

Hedonism und die Rückkehr der 90er

Skunk Anansie (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)

Natürlich wartet das Publikum auf diesen einen Song. „Hedonism (Just Because You Feel Good)“ gehört längst zu den ganz großen Rockklassikern der späten 90er Jahre. Fast drei Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung entfaltet das Lied noch immer dieselbe Wirkung.

Für einen Moment verschwinden Moshpits, Schweiß und die enorme Lautstärke. Der gesamte Schlachthof singt mit. Jede Zeile, jeden Refrain. Vielleicht liegt genau darin die Größe dieses Songs. Er funktioniert heute noch genauso gut wie damals. Und plötzlich fühlen sich viele Besucher für ein paar Minuten wieder ein wenig jünger (bis der Rücken knackst).

Licht, Sound und ganz großes Kino

Nicht nur die Band liefert an diesem Abend ab. Auch Produktion, Licht und Sound bewegen sich auf höchstem Niveau. Die Bühne wird nie in Nebelwolken versteckt, stattdessen setzt das Licht gezielt Akzente. Jeder Musiker bleibt sichtbar, jede Bewegung wird präzise eingefangen. Die schwarzen Spike-Elemente wirken je nach Beleuchtung mal bedrohlich, mal elegant. Dazu kommt ein druckvoller, klarer Sound, der selbst in den lautesten Momenten differenziert bleibt.

Eine Band, die nichts von ihrer Wucht verloren hat

Skunk Anansie (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)

Mit „Lost And Found“, dem furiosen Finale aus „Highway To Hell / The Skank Heads (Get Off Me)“ und dem abschließenden „You’ll Follow Me Down“ endet ein Konzertabend, der noch lange nachhallt.

Nicht nur wegen der Songs oder der Performance. Sondern weil Skunk Anansie eindrucksvoll beweisen, dass große Rockkonzerte keine Frage des Alters sind. Manche Bands werden älter. Skunk Anansie werden einfach besser.

Und wenn im Dezember über die stärksten Rockkonzerte des Jahres in Dresden gesprochen wird, wird dieser Abend im Alten Schlachthof ganz sicher dazugehören.

Galerien (by Kristin Hofmann bs! 2026)
Skunk Anansie (12.06.2026, Dresden) 
Lobster Bomb (12.06.2026, Dresden)

Setlist Skunk Anansie

Skunk Anansie (Foto: Kristin Hofmann bs! 2026)
  1. This Means War
  2. Charlie Big Potato
  3. Because of You
  4. An Artist Is an Artist
  5. Love Someone Else
  6. God Loves Only You
  7. Shame
  8. Weak
  9. Twisted (Everyday Hurts)
  10. I Can Dream
  11. Animal
  12. Yes It’s Fucking Political
  13. Tear the Place Up
  14. Little Baby Swastikkka
    Encore:
  15. Cheers
  16. Hedonism (Just Because You Feel Good)
  17. Lost and Found
  18. Highway to Hell / The Skank Heads (Get Off Me)
  19. You’ll Follow Me Down

Links:
https://www.skunkanansie.com

Veranstalter:
https://www.aust-konzerte.com

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