Bosse im Haus Auensee: Zwischen Konfetti und klarer Haltung
Eigentlich war der Abend für die deutlich größere Quarterback Immobilien Arena geplant, am Ende wurde das Konzert jedoch ins Haus Auensee verlegt. Eine Entscheidung, die sich rückblickend als absoluter Glücksgriff herausstellte. Statt Arena-Distanz entstand im Haus Auensee genau die Atmosphäre, von der ein Bosse-Konzert lebt: nah, intensiv und voller Energie. Der Saal war dicht gefüllt, das Publikum von Beginn an präsent und spürbar bereit, sich komplett auf den Abend einzulassen.
„Manchmal ist kleiner einfach besser.“

Marlo Großhardt eröffnete den Abend mit Songs, die zwischen gesellschaftskritischen Texten und eingängigen Melodien pendelten. Songs wie „Partisanen“ oder „Astronaut“ funktionierten live besonders gut und machten schnell klar, warum er als Support für Bosse so stimmig gewählt war. Er eröffnete den Abend mit einem Set, das genau die richtige Mischung aus Leichtigkeit, Haltung und Nahbarkeit mitbrachte. Seine Songs wirkten live direkt und ungekünstelt, seine Ansagen locker und sympathisch. Gerade dadurch gelang ihm schnell der Zugang zum Publikum.
Ein besonderer Moment entstand bei „Partisanen“: Gastmusiker Tadeo kam mit auf die Bühne und durfte den Song direkt live mit begleiten. Kein geplanter großer Showmoment, sondern vielmehr einer dieser charmanten, spontanen Augenblicke, die Konzerte besonders machen.
„Spontane Momente wie dieser machen Konzerte unvergesslich.“
Mit Bosse kippte die Stimmung anschließend endgültig von warmem Einstieg in kollektive Euphorie. Schon die ersten Songs machten klar, wie gut die aktuelle Stabile Poesie Tour live funktioniert. Die Arrangements wirkten druckvoller und dynamischer als auf Platte, gleichzeitig blieb genug Raum für Emotion und Nähe.
Besonders auffällig war erneut, wie stark Bosse seine Reichweite auch für gesellschaftliche Themen nutzt. Mit seiner Aktion „Hirn gegen Hass“ setzt er ein sichtbares Zeichen gegen Ausgrenzung, Hetze und Diskriminierung. Über Merchandise und die Initiative werden soziale und Bildungsprojekte unterstützt, unter anderem das Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.
Diese Haltung zieht sich nicht nur durch seine Projekte, sondern auch spürbar durch den Konzertabend selbst – Gemeinschaft statt Abgrenzung, Zusammenhalt statt Distanz.
„Pop kann verbinden – und gleichzeitig Haltung zeigen.“
Einer der ersten absoluten Höhepunkte folgte mit „Ein Traum“. Live bekam der Song eine überraschend technoide Note, die den Saal noch einmal zusätzlich auflud. Dazu regnete erstmals Konfetti von der Decke und verwandelte das Haus Auensee in ein buntes Chaos aus Licht, Beats und Euphorie.
Passend dazu sorgte Bosse mit einer weiteren typischen Aktion für einen der visuell erinnerungswürdigsten Momente des Abends: Mit Leiter bewaffnet ging es mitten hinein ins Publikum. Ein Bild, das gleichermaßen absurd wie perfekt wirkte und einmal mehr unterstrich, wie nahbar Bosse seine Liveshows gestaltet.
„Zwischen Techno-Vibes, Leiter-Action und Konfetti-Regen wurde aus Pop kurz Ausnahmezustand.“
Einen emotionaleren Gegenpol dazu bildete später „Schönste Zeit“. Hier zeigte sich noch einmal besonders eindrucksvoll, wie verbunden Publikum und Künstler an diesem Abend waren. Der komplette Saal sang nahezu geschlossen jede Zeile mit und verwandelte das Haus Auensee für einige Minuten in einen einzigen großen Chor.
„Wenn der ganze Saal mitsingt, entstehen genau die Momente, wegen denen man auf Konzerte geht.“
Neben Euphorie und Emotion spielte an diesem Abend allerdings noch ein weiterer Faktor eine große Rolle: Hitze. Das Haus Auensee fühlte sich phasenweise eher wie eine Sauna mit Soundtrack an. Die Temperaturen forderten nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker sichtbar heraus.
Zwischendurch musste sogar die Bühne gewischt werden, weil der Boden durch Feuchtigkeit zunehmend rutschig wurde. Zusätzlich kam Haarspray auf Schuhe und Bühnenboden zum Einsatz, um wieder etwas mehr Grip zu schaffen – ein eher ungewöhnlicher, aber offenbar notwendiger Konzert-Move.
„Das Haus Auensee verwandelte sich an diesem Abend eher in eine Sauna mit Live-Soundtrack.“
Beeindruckend blieb dabei, wie souverän die Band trotz dieser Bedingungen performte. Das Zusammenspiel aller Musiker wirkte den gesamten Abend über präzise und gleichzeitig spielerisch leicht. Gerade diese Live-Dynamik hob viele Songs noch einmal deutlich an.
Zum großen Finale folgte schließlich „Der letzte Tanz“ – passender hätte der Abschluss kaum sein können. Noch einmal Konfetti, noch einmal maximale Euphorie und dieses typische Gefühl aus Abschied und Eskalation zugleich.
„Konfetti zum Abschied – ein Rahmen, der kaum besser hätte passen können.“
Auch wenn danach noch eine kurze Reprise folgte, markierte „Der letzte Tanz“ klar den emotionalen Endpunkt des Abends. Als die letzten Konfetti-Schnipsel durch die Luft flogen, wurde endgültig deutlich, warum sich die Verlegung ins Haus Auensee als Glücksfall erwiesen hatte.
Statt großer Arena gab es an diesem Abend genau das, was Bosse-Konzerte ausmacht: Nähe, Spielfreude, Haltung und ein Publikum, das den gesamten Abend über Teil des Geschehens war.
„Ein Abend, der zeigte: Die besten Konzertmomente lassen sich nicht planen.“
Galerien (by Lydia Weise bs! 2026):
Setlist – Marlo Großhardt:
- Ein letztes Liebeslied
- Realität
- Astronaut
- Kriege ohne mich
- Geschichte schreiben
- Oma
- Partisanen
Setlist – Bosse:
- Lass dich nicht zwicken
- Ouvertüre
- Frankfurt Oder
- Flackern
- Alles ist jetzt
- Vergangenheit
- Dein Hurra
- Sunnyside
- Alter Strand
- Nokia
- Ein Traum
- Einmal alles bitte
- peu à peu
- Schwesterherz
- So oder so
- All-Time-Favourite
- Schönste Zeit
- Zugabe:
- Liebe hat nicht ewig Zeit
- Du federst
- Der letzte Tanz
- Liebe hat nicht ewig Zeit (Reprise)
Links:
Marlo Großhardt
Bosse
Veranstalter:
In Move