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Review: Beyond The Black auf Rising High Tour – Symphonic Metal in Bestform (31.01.2026, Leipzig)

Man merkt relativ schnell: Dieser Abend gehört Beyond the Black. Nicht nur, weil sie Headliner sind, sondern weil sie das Haus Auensee mit einer Selbstverständlichkeit einnehmen, die nur Bands haben, die genau wissen, wer sie sind und was sie können. Die Halle ist voll, die Stimmung erwartungsvoll – und als das Intro einsetzt, liegt sofort dieses vertraute Kribbeln in der Luft.

Schon im Vorfeld ist klar, dass dieser Abend etwas Besonderes ist: Alle drei Bands sind female-fronted. Von der charismatischen Seraina Telli über die energiegeladenen SETYØURSAILS bis hin zu Beyond the Black spannt sich ein Bogen, der zeigt, wie unterschiedlich weibliche Frontpräsenz im Rock und Metal aussehen kann. Während die Vorbands den Raum vorbereiten, ist Beyond the Black eindeutig der emotionale Mittelpunkt des Abends.

Wenn Symphonic Metal trotz Widrigkeiten glänzt

Seraina Telli eröffnet den Abend mit einer Mischung aus Rock, Pop und einer ordentlichen Portion Persönlichkeit. Ihr Auftritt ist weniger brachial als vielmehr charismatisch – sie sucht sichtbar die Verbindung zum Publikum, erzählt zwischen den Songs, lacht, improvisiert. Musikalisch bewegt sich ihr Set irgendwo zwischen modernem Alternative Rock und klassischem Songwriting, getragen von einer Stimme, die sowohl warm als auch durchsetzungsfähig ist. Ein Einstieg der sympathisch abholt.

Mit SETYØURSAILS kippt die Stimmung schlagartig. Wo Seraina Telli noch auf Nähe und Atmosphäre setzt, liefern SETYØURSAILS reinen Druck. Metalcore, Breakdowns, Circle Pits – das Haus Auensee wird jetzt endgültig wachgerüttelt. Frontfrau Jules Mitch bringt eine beeindruckende Präsenz mit, schreit, singt, springt, pusht das Publikum ohne Pause. Hier geht es nicht um Feinheiten, sondern um körperliche Energie. Und die funktioniert.

Sobald Beyond the Black die Bühne betreten, verändert sich die Atmosphäre spürbar. Mehr Licht, mehr Sound, mehr Dramaturgie. Der Symphonic-Metal-Ansatz der Band funktioniert live besonders gut, weil er nicht nur auf Größe setzt, sondern auf starke Melodien und klare Hooks.

Jennifer Haben steht dabei völlig zurecht im Zentrum. Ihre Stimme trägt mühelos durch die Halle – kraftvoll, sauber, emotional. Sie wirkt nicht distanziert oder unnahbar, sondern präsent, nahbar und gleichzeitig absolut professionell. Zwischen den Songs bedankt sie sich mehrfach beim Publikum, sucht den Blickkontakt und animiert zum Mitsingen.

Gerade Songs wie In the Shadows, Reincarnation, Heart of the Hurricane oder Shine and Shade entfalten live genau das, was Beyond the Black ausmacht: eine Mischung aus Pathos, Eingängigkeit und echter Spielfreude. Man merkt, dass diese Band für große Bühnen gemacht ist.

Einer der stärksten Momente des Abends ist der, in dem Jennifer Haben mit ausgebreiteten Flügeln auf der Bühne steht. Für einen Augenblick wirkt alles stiller, fast angehalten – das Licht, der Raum, die Bewegung. Es ist kein großer Gestus im klassischen Sinne, sondern ein Bild, das hängen bleibt: zwischen Pathos und Verletzlichkeit, zwischen Inszenierung und echtem Gefühl. Ein Symbol dafür, wie sehr Beyond the Black auf visuelle Wirkung setzen können, ohne dabei ihre Authentizität zu verlieren.

Gerade weil solche Momente so kontrolliert und durchdacht wirken, vergisst man fast, unter welchen Umständen diese Show überhaupt stattfindet. Dass der Schlagzeuger der Band kurzfristig ausgefallen ist, hätte ein echtes Problem werden können. Stattdessen wird es zu einer der prägendsten Geschichten des Abends. Zunächst springt spontan Henrik Kellersohn, der Drummer von SETYØURSAILS, ein, später übernimmt Tim Breideband. An dieser Stelle bleibt vor allem eines zu sagen: schnelle Genesung an Kai Tschierschky.

Natürlich ist die Situation nicht ideal, aber sie wird nie unangenehm oder störend. Im Gegenteil: Beyond the Black wirken in dieser Ausnahmesituation souverän, ruhig und professionell. Im Publikum überwiegt Bewunderung statt Irritation – die Band spielt ihr Set nicht einfach herunter, sie trägt es gemeinsam.

Was besonders hängen bleibt, ist das Gefühl, dass Beyond the Black aktuell in einer extrem starken Phase sind. Die Produktion ist hochwertig, die Songs sitzen, die Band wirkt eingespielt und selbstbewusst. Trotz technischer Hürde entsteht kein Bruch, sondern ein fast schon intimer Moment zwischen Band und Publikum.

Fazit:
Das Konzert im Haus Auensee war nicht einfach nur ein weiterer Tourstopp. Es war ein Abend, an dem Beyond the Black gezeigt haben, warum sie zu den wichtigsten Symphonic-Metal-Bands aus Deutschland gehören. Große Songs, starke Stimme, professionelle Haltung – und die Fähigkeit, selbst aus einem unerwarteten Problem einen emotionalen Mehrwert zu machen. Ein Konzert, das trotz außergewöhnlicher Umstände durch Echtheit, Stärke und emotionale Nähe überzeugte.

Galerien (by Lydia Weise bs! 2026):

Links:
www.beyond-the-black.com
www.serainatelli.com
www.setyoursails.net

Veranstalter:
www.mawi-concert.de

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