Man glaubt es ja nicht. Diese Sendung war zeitweise die am längsten laufende Unterhaltungssendung des deutschen Fernsehens. Sie wurde ab Juni 1972 bis 2024 ausgestrahlt und das alles fing im DDR-Fernsehen an. Die Welt ist schon verrückt. In der Sendung wurde Kurioses und Hintergründiges vorgestellt, Menschen mit außergewöhnlichen Hobbys und Begabungen, nicht alltägliche Erfindungen oder ungewöhnliche Rekorde. Was mensch halt so interessiert!? Das kann man durchaus auch auf die Popularmusik projizieren. Es gibt ja immer wieder irgendwelche Exoten zu bestaunen, das hört niemals auf. Sowohl auf der großen TV-Bühne als auch auf der kleinen Live-Club-Bühne, hier werden die…
Außenseiter, Spitzenreiter

Auch beim Namen der Location, denken Noch-nicht-hier-Gewesene erstmal, was ist das denn für ein Name: Subkultur. Ist das Tanz im Ranz? Sub ist ja irgendwie “unter”. Surprise, Surprise. Der Club “Subkultur” in Hannover ist eine der angenehmsten Locations in Hannover. Gemütlich, sauber, nettes Personal. Top. Leider hat ihn der schleichende Virus des Clubsterbens befallen. Ende des Jahres ist hier Schicht. Da kann man voll den Blues kriegen. Aber zum Glück ist das noch etwas hin. Heute ist hier Fun angesagt. Genauer gesagt FunPunk, ganz exakt Surf Fun Punk. The Hawaiians kommen aus Westerkappeln, einem Ort in der Nähe von Osnabrück. Nach ihrer Aussage ist es umgekehrt.
Das zeugt von Selbstbewusstsein. Ganz im Stile der Ramones haben sie sich eigene Namen gegeben. Paul Hawaiian (Gesang, Schlagzeug), Beppo Hawaiian (Gesang, E-Gitarre) und Juke Hawaiian (Bass, Gesang) machen bereits seit 2000 die Clubs der Republik mit Ihrem minimalistischen Pop-Punk unsicher. In den Texten geht es um Hawaii-Klischees: Surfen, Frauen, Ausserirdische. Ganz normnale Themen halt. Ein Stunde dauert ihr Auftritt und dieser Zeit schrubben Sie gefühlt ihr komplettes Repertoire an Songs durch die Boxen. Kurz anzählen, raus hauen und während das eine Lied scheinbar noch läuft, beginnt schon das nächste. Magie. Die Setlist ist besteht aus drei Zetteln und da ist nichts eng geschrieben.”Hubble Bubble” steht da drauf und bestimmt auch “Do The Waikiki “ und Do The Heino” sowieso. Das hat richtig Spaß gemacht.
Always rejected, Always despised
We’re up to no good
Guilty as charged
No one likes us
But we don’t care
‘Cause we are… BOLOKOS !
Der Hauptact des Abends kommt rein rechtlich aus der EU, genauer gesagt aus Frankreich, aber nicht aus Europa. Häää? The Bolokos kommen von der Karibikinsel Guadeloupe, die zu Frankreich gehört, (die ist Teil der Europäischen Union, gehört jedoch nicht zum Schengen-Raum). Aha, soso. Auf Ihrer Insel sind sie die einzige Punk-Band, also gefühlt sind sie sowas wie Außenseiter. Dummes Zeug. Für dieses Trio (heute Abend aber zu viert) gilt der schon zitierte Ausruf: Außenseiter, Spitzenreiter. Mit ihrem einzigartigen Mix aus Streetpunk, Ska und traditioneller kreolischer Musik heizt die tropikale Truppe den hundert Fans in der Sub ordentlich ein. Boloko ist ein eher abfälliger kreolischer Begriff, der einen alten Sack bezeichnet, jemanden, der nicht mit der Zeit geht. Also irgendwie altmodisch. Gitarrist und Sänger Edy Caramello, Bassistin und Sängerin Océ Cheapfret, Schlagzeuger Mister Fridge und Mister X am Keyboard führen das absurdum. Die Location Subkultur liefert einen exzellenten Sound, es geht ab, ab in den Guadelooping.
Von Beginn ist hier gute Stimmung angesagt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Bandmitglieder als Clowns geschminkt sind, so quasi die karibischen Eulenspiegel, die dem Volk den Spiegel vorhalten. Erstes Highlight ist “Caribbean Dream”, der überhaupt nicht schöne Traum der Karibik. Ein Lied über Gewalt, Drogen, ungleiche Bildungsmöglichkeiten, verlorene Jugend und so weiter. Das hat mit Postkartenidylle leider nichts zu tun. Die Bolokos machen richtig Lärm. Zufälligerweise heiß ihr aktuelles Album “Tropikal Noise”. Mal hart, mal roh, immer tanzbar, mal auf englisch mal auf kreolisch. Alles eigene Lieder, nur im Zugabenteil greifen sie auf fremdes Material zu. “Drunken Sailor” kennt jede(r) und die Hymne “If the Kids are united” von Sham 69 sowieso, ist das doch der Punk-Klassiker schlechthin. Geiler Abend. Jetzt bleibt nur noch eins. Rettet irgendwie den Club “Subkultur” in Hannover. Hingehen, Feiern, Tanzen , Tralala. Unterstützen, Unterstützen, UNTERSTÜTZEN. Der Laden muss erhalten bleiben. UNBEDINGT.
Galerien (by Michael Lange bs! 2026):
Setlist:
- Factory
- I Don’t Know What I Want
- Caribbean Dream
- Tropical Rude Boy
- Skinhead
- Run to the Hills
- Kouté pou tann
- I Don’t Care
- At the Edge of the Town
- How Many Bokits
- Poisoned Land
- An bèl moman
- Jénérasyon brilé
- Ti kanno
- We Are the Bolokos
- Ou lé lé
- White Rum
- Johnny, I Hardly Knew Ya (Dropkick Murphys cover)
- Drunken Sailor (Traditional Shanty)
- If the Kids are united (Sham 69 Cover)
Links:
www.thehawaiians.de
www.thebolokos.com
www.subkultur-hannover.de