Wenn man die Mitglieder einer Band so aus nächster Nähe sieht, hat man möglicherweise gleich Assoziationen. Man vergleicht ja. Liegt halt in der Natur des Menschen. Der/Die singt wie der oder die von Band X oder Y. Die Mimik, das ist doch der von der Truppe, die erst neulich noch im Fernsehen war. Aber meistens geht es doch um die Gesamtoptik. Frei nach dem Motto:
Die sehen aus wie…

Aber bevor das große Rätselraten beginnt, machen The Saint Cecelia den Opener auf der mit 7.500 Fans restlos ausverkauften Waldbühne in Northeim. Aber bitte wer oder was ist Saint Cecilia? Nun ja, kommt wahrscheinlich von Santa Cecilia, der Schutzpatronin der Musik. Gut gewählter Name. Die Band aus Costa Rica kann unbeschwert aufspielen, ganz im Gegenteil zur Nationalmannschaft, die die Quali zur WM nicht geschafft hat. Also stellt sich Sänger Stewart Heigold auf die Seite des deutschen Teams und Zack hat man die Sympathien des Publikums gewonnen. Geht doch. Genauso gewinnbringend ist die Musik des Quartetts. Knackiger Rock, der Spaß macht. Das Cover „White Wedding“ vom Idol Billy und auch eigene Nummern wie „New Sensation“ machen das Publikum locker für den Hauptact.
You′re not shy, you get around
You wanna fly, don’t want your feet on the ground
You stay up, you won′t come down
You wanna live, you wanna move to the sound
Die Herren des Hauptacts lassen etwas auf sich warten, aber das Publikum bleibt sehr entspannt. Sie sind mit den Idolen aus Ihrer Jugend gealtert, da wird man nicht unruhig. Aber gespannt ist man trotzdem. Gespannt wie die jetzt aussehen. Auf der Bühne links steht ein Gitarrist in einer roten Lederjacke mit lockigem Haupt. Er sieht tatsächlich aus wie Brian May von Queen, hört aber auf den Namen Bruce Watson. Der Bassist hat was von Chuck Norris, heißt aber Jeff Pilson. Michael Bluestein (Keyboards), Chris Frazier am Schlagzeug und Gitarrist John Roth sind einfach nur sie selbst und das ist sehr gut so. Bleibt noch der Sänger. Der sieht von Mimik und Habitus tatsächlich aus wie der junge Jagger, heißt aber Luis und nicht Mick. Einen Mick hätte, Nein hat Foreigner auch, aber das einzig verbliebene Gründungsmitglied Mick Jones (gehört offiziell weiterhin zur Band) tritt aus gesundheitlichen Gründen allerdings kaum noch live auf. Schade, Schade. Stellt sich die Frage: Ist Foreigner noch Foreigner? Na sicher. Eine Band, die ihr 50-jähriges Bandjubiläum feiert ist forever in den Herzen der Fans. In all den Jahren hat sich reichlich Songmaterial angesammelt, aber an diesem Abend kommen nur die absoluten Sahnestücke auf die Setlist. Wer hat, der kann.
Mit „Double Vision“ aus dem Jahr 1978 beginnt die Zeitreise und natürlich wird Sänger Luis Maldonado (hat erst Ende 2025 offiziell den Gesangspart übernommen) beäugt, ob er denn mit den Vorgängern mithalten kann. Augen zu und hinhören. Klingt sehr nah am Original und der Typ ist eine Rampensau. Kann so weiter gehen. Tut es auch mit „Head Games“ aus 1979 und „Cold as Ice“ aus 1977. Boaaah, ist das lange her. Foreigner werden nie eine Band sein, die so was wie Partystimmung auslöst. Tanzen, Tralala und so. Foreigner glänzen dafür mit ihrem eingängigen, melodiös-melancholischem Rock. Musik zum Zuhören und Genießen. Wer kennt nicht „Waiting for a Girl Like You“ oder “Urgent”. Komplex komponierte Lieder. Genialer Adult Oriented Rock. Der Juke “Box Hero” wird auf 10 Minuten ausgedehnt. Er wird auch heute noch auf jeder 80er-Party gespielt. Nostalgie in Reinform. Und die hört bei den Zugaben nicht auf. Foreigner sind “Long, Long Way From Home”, haben sich ihre Neugier bewahrt bei “I Want to Know What Love Is” und sind noch immer “Hot Blooded” wie schon 1978. Alter, das war geil. Danke für die schöne Zeitreise.
Galerien (by Michael Lange bs! 2026):
Setlist The Saint Cecilia:
- New Sensation
- White Wedding(Billy Idol cover)
- Terracotta Walls
- Chelsea
Setlist Foreigner:
- Double Vision
- Head Games
- Cold as Ice
- Waiting for a Girl Like You
- That Was Yesterday
- Feels Like the First Time
- Urgent
- Keyboard and Drum Solo
- Juke Box Hero
- Long, Long Way From Home
- I Want to Know What Love Is
- Hot Blooded