Foto: © bs!

„Burn Motherfuckers burn“

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Papa Roach, Five Finger Death Punch, Eskimo Callboy & Devil you know am 08. November 2015 in der Swiss-Life-Hall Hannover.

Dem Abend ist schon der Weg geebnet. Devil you know und Eskimo Callboy haben die Gleise gelegt für die anrollenden Riffs von Papa Roach. Und nicht nur das! Eskimo Callboy stehen im Bühnengraben und singen jeden einzelnen Song mit, feiern ihre Helden, haben vor genauso viel Spaß wie auf der Bühne. Allein der Hasenkopf liegt ungeliebt am Bühnenrand. Eskimo Callboy sind geradezu exemplarisch für das, was in der ausverkauften Swiss Life Hall vor sich geht.

Auch wenn der weit größere Teil des Publikums in der ausverkauften Swiss-Life-Hall die Insignien des Headliners Five Finger Death Punch gehüllt ist, kann sich niemand der puren Energie der Kalifornier entziehen. Von der ersten Sekunde an zwingt jede Textzeile, jeder Song Stimmbänder und Körper zur Bewegung. Auf der Bühne und davor wechselt Sänger Jacoby „Coby Dick“ Shaddix im gleichen Rhythmus die Position. Jeder Impuls sitzt. Die Masse brodelt, kocht, geht bei jeder Veränderung im Stil des unglaublich breiten Repertoires der seit 22 Jahren bestehenden Band mit.

Seinen Anteil an der großartigen Show hat selbstredend auch Jerry Horton – nicht ohne Grund für diverse Gitarristen-Preise nominiert –, der jedem Song einen eigenen Stil verleiht. Horton elektrisiert, Shaddixx dirigiert das Publikum, Moshpit. Jump.

„Let me see ya motherfucking hands in the sky“

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Den Himmel haben Papa fucking Roach mitgebracht. Das Bühnebild, ein Lichtermeer, ein Sternenzelt, das die leuchtenden Augen – oder unromantisch gesagt – unzählige motherfucking smartphones zu reflektieren scheint. Eine Unsitte, die sich noch einmal potenziert, als Coby Dick sich ins Publikum begibt, die erste Reihe begrüßt und für einen Moment im Zentrum der Masse thront. Papa Roach Erheben die Unsitte zur Kunst… „Illuminate this Place.“ Schließlich widmen Papa Roach eine Akustikversion ihres Song „Scars“ all den Menschen da draußen in diesen dunklen Zeiten.

„I tear my heart open, I sew myself shut

My weakness is that I care too much

And my scars remind me that the past is real

I tear my heart open just to feel“ 

 

„God bless U. We Love U. Verbeugung. Abgang.

Five Finger Death Punch reißen jede Narbe wieder auf, jede Nachdenklichkeit nieder. Ein martialisches Intro. Lichtexplosion, maskuline Outfits. Härte. Bärte. Motherfuckers.

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Zwischen klassischem Metal, modernem Corestyle und melodiösen Parts, zwischen bodenerschütternden Doublebasedrum-Donner, groovend stampfenden Gitarrenriffs und der eindringlichen Stimme von Sänger Ivan „Ghost“ Moody. Five Finger Death Punch beglücken ihre Fans mit genau dem, was diese erwartet haben. Unüberschaubar die wogende und divende Masse an schweißnassen Shirts mit dem aufgedruckten Fünf-Finger-Schlagring, die auf Zuruf brav Moshpits und Gassen bildet. Eine Folgsamkeit, die Moody den Kommentar „I love this country“ abnötigt und gut zur militärisch-martialischen Südstaaten-Attitüde der Band passt.

Zugute halten muss man ihnen, dass sie in den durchaus melodischen Parts Raum geben, Gohsts Stimme sich die Metal-Wirbelsäule emporwinden lassen und Show einfach können. Ein Kind aus dem Publikum gefischt, das für einen Song mit Papa von der Bühne aus Rock ’n Roll erleben kann, ein abgefahrenes Schlagzeugsolo, für das Jeremy fucking Spencer – das Skelett an den Drums – die Sticks funkeln lässt. Irgendwie elektronisch, nahezu lateinamerikanisch, irgendwie voll auf die Zwölf.

„Burn Motherfuckers burn“

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Insgesamt scheinen die  Hardcore Pakete – wie zuletzt das RAWK Attack auf dem man – neben Papa Roach – ganz andere Stilformen zwischen Metal, Goth und Hardcore erleben durfte, 2015 – gut geschnürt. Das Konzept geht auf und scheint neben der Vielzahl an kleineren und größeren Festivals Fans und Bands unterschiedlicher Couleur – soweit man das im schwarzen Nietenbereich von Farben sprechen kann – zusammenzubringen.

„Burn Motherfuckers burn“

Jens Ihnen / Isabelle Hannemann