Palast (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Weiße Reflektorschirme, weiße Instrumente, weiße Drumpads, surreal anmutende Uhura-Gitarren. Ein Königreich für Palast. Palast verstehen sich als post-Hipster, Fashion-Sympathisanten und Synthesizer-Sound-Something. Selten hat eine Band ein derart die Erwartung herausforderndes Versprechen so bravourös eingelöst wie Sascha Pace, Tommy Apus und Marc Engel, die ihrer Soundkollage den Namen Palast verpasst haben.

Palast, eine audio-visuelle Eruption, eine Art Fashion-Show,
die in dem Sound entsteht, den sie selbst schafft.

Palast haben sich ein bisschen Wave in die Haare geschmiert, einem französischen Modemagazin die frühen 80s-Manschetten von Dave Gahan abgeluchst, cruisen ein bisschen mit Gary Newmans Oldtimer und O.M.D. durch die sieben Weltmeere, haben bestimmt auch ein bisschen an Sono gesaugt und all das, obwohl hier Stimme und Sounds für sich stehen könnten.

Palast (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

80s Look alike.
80s soud alike.
80s feel alike.

Palast (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Die guten 80s! Nicht die bekloppten Karottenhosen-, Augenkrebsstickmuster- und Neontupfenscheiße, nein, die einzigen, die wahren, die schwarzen 80s, die auf selbstgerechten Mixtapes zwischen the Cure und Depeche Mode, Nieten und Kajal melancholisch tanzbar, leichenblass und verdammt noch mal rasiert und toupiert Sexappeal und Stil hatten.

Es ist, als gehe ein schwarzes Königreich in einem weißen Palast auf. Es ist, als bestehe Hoffnung, dass hintern den Spiegeln ein Wunderland liegt, in dem man sich nicht die Augen und Ohren ausreißen.

mirror mirror on the wall,
don’t kill anymore.

Was soll da noch kommen, wenn wir mit dem weißen König eine schwarze Dame Schach matt gesetzt haben. Ach ja. Mono Inc. (frei übersetzt wohl „partiell gestörtes Kapital“) haben ihre Kronjuwelen in die Auslage des Musikzentrums gelegt.

Mono Inc. (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Together Till The End“ Tour meets MajorVoice. Ein eingenebeltes Schiff im ausverkauften Musikzentrum, das wie ein einziges wogendes Meer aus Händen und 530 Kehlen die Band begrüßt. Das Konzept Mono Inc. geht hier vollends auf: Gothrock-Schlager-Pop – eine Art „Menschen Leben Tanzen Welt“ in Grün beziehungsweise in Samt, das mensch mögen muss, um nachvollziehen zu können, warum der Saal hier aus allen Nähten platzt, ekstatisch mitsingt und bis zur allerletzten Zugabe eskaliert. Es lässt sich nicht anderes sagen: Wer Hannover knackt, macht irgendwas richtig, wer Hannover eskaliert sowieso. Mono Inc. können Show, können Mitsing-Hymnen, das ist etwas, das man anerkennen kann.

„Eine besondere Show für ein besonderes Publikum am Anfang einer Tour“

Mono Inc. (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

..., die Mono Inc. etwas bedeute, so Frontmann Engler. Das Publikum ist angemessen berührt und auch nicht pikiert, als selbiger das Thekenpersonal vorführt, um sich Ruhe zu erbitten. Findet er witzig, finden viele andere auch. Es ist immer leicht eine Menge in Liebe an sich zu binden, wenn sich nur andere für die Auslegung der Aggressionen finden.
Wer’s braucht.1  Es folgt absurder Weise eine klassische Aschenbrödel-Geschichte, die sich kein Scripted-Reality-Casting-Format besser hätte ersinnen können. Es ist die Geschichte von MajorVoice, der in einem Gewinnspiel ein Duett mit Mono Inc. gewann und sich – entgegen aller Fremdschäm-Erwartungen –  tatsächlich (in seinem früheren Leben u.a. als Koch, also in der Gastronomie tätig!) als jemand entpuppt habe, der zum Meistersänger geboren sei.

It’s a wonderful,
wonderful life

Mono Inc. (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

MajorVoice, dessen EP „Wonderful Life“ natürlich am folgenden Tag erscheint, betritt unter Begeisterungsstürmen und wie aus dem Ei gepellt die Bühne. Ein Mann, ein Mikro, ein Song. Respekt. Es folgt ein Duett, ein Cover von Black, das – zugegeben ganz nett – vom Publikum sofort frenetisch gefeiert wird. Wie alles, was die Band auf ihrer „Together Till The End“ Tour im Gepäck hat. „Eine besondere Show für ein besonderes Publikum“, das wie gewohnt proaktiv klatscht, inbrünstig und unermüdlich mitsingt. Respekt! Mono Inc., eine Aktie, die steigt.

Ich setze trotzdem auf Kunst und Immobilien!
Palast. Merken. Hingehen. Tanzen.

Galerien (by Torsten Volkmer):

Palast (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Setlist Mono Inc.:

  1. Together Till the End
  2. The Banks of Eden
  3. Arabia
  4. This Is the Day
  5. Never-Ending Love Song
  6. Across the Waves
  7. Boatman
  8. Forgiven
    MajorVoice Song
  9. Potter’s Field (mit MajorVoice)
  10. Wonderful Life (Black cover)
  11. Symphony of Pain
  12. Gothic Queen
  13. Children of the Dark
  14. After the War (Gary Moore cover)
    Encore:
  15. Kein Weg zu weit
  16. Get Some Sleep
    Encore 2:
  17. Voices of Doom
Palast (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Setlist Palast:

  1. Shut The Door
  2. Crucify
  3. Just Friends
  4. Get Me
  5. Strong
  6. Mirror Mirror
  7. Best of Me
  8. Hush

Links:
www.palastband.com
www.facebook.com/palastband
www.facebook.com/ronald.zeidler
www.facebook.com/monoinc

Mono Inc. (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Anmerkungen:
1 Nimmt man an, dass jemand, der bei ausverkauftem Hause für den reibungslosen gastronomischen Ablauf bei einem lauten Konzert verantwortlich ist, Bierflaschen fokussiert jede Pause nutzt Bier kühl stellen zu können, um Beschwerden, dasselbe sei zu warm, abzuwenden, so ist durchaus naheliegend, dass mensch ein „ey sei mal ruhig da drüben“ nicht unbedingt hört oder gar auf sich bezieht. Ein Lacher auf Kosten einer Servicekraft, die dazu beträgt, dass ein Konzertabend rund ist? Ein solches Verhalten von jemandem, der Held für seine Fans ist? Selbst wenn dieser Lacher geplant gewesen ist? Was soll das für eine Botschaft sein? Den Koch feiern wir, die Kellnerin dissen wir? Wenn das Schule macht, na dann gute Nacht. Ich hoffe es gab wenigstens Trinkgeld oder eine Entschuldigung.